• Fronleichmann
    Fronleichnam in Bendern, wo sich eine der vier Stationen der Prozession an der Lourdesgrotte befindet.

Fronleichnam ist seit 700 Jahren aktuell

Das Fronleichnamsfest ist im Bewusstsein der katholischen Gläubigen fast untrennbar mit einer Prozession, möglichst bei Sonnenschein, verbunden. Bei dem Fest geht es um das zentrale Geheimnis der bleibenden Gegenwart Christi in der Eucharistie.

Daher ist dieses nicht auf die Bibel zurückgehende Fest den evangelischen Christen fremd, bei denen nach ihrer Auffassung Jesus Christus nur während ihrer Abendmahlsfeier gegenwärtig ist, wobei es allerdings auch diesbezüglich noch erhebliche Deutungsunterschiede zwischen Lutheranern, Reformierten und Zwinglianern gibt. Die Prozession mit dem eucharistischen Brot, der in der heiligen Wandlung konsekrierten, d. h. in den Leib Christi verwandelten Hostie, eingefasst durch die sonnenförmige Monstranz, ist daher ein typisch katholisches Fest.

Das Fronleichnamsfest entstand 1246 in Belgien

Entstanden ist es im belgischen Lüttich. Dort wurde schon im Jahr 1246 zum ersten Mal Fronleichnam gefeiert. Keine zwanzig Jahre später, 1264, hat der aus Lüttich stammende Papst Urban IV. das Fest in der ganzen Kirche eingeführt. Zwar ist der eigentliche Einsetzungstag der Eucharistie der Gründonnerstag («Letztes Abendmahl»). Aber weil der ernste Charakter der Karwoche ein besonderes Fest nicht zulässt, wurde die äussere Feier auf diesen Tag verlegt.

Der Name hat nichts mit dem Wort «Leichnam» zu tun

Das Wort «Fronleichnam» stammt aus dem Mittelhochdeutschen: «fron» bedeutete «Herr» und «lichnam» meinte den lebendigen Leib und nicht, wie man meinen mag, den Leichnam als toten Leib. Dieses «Hochfest des Leibes und Blutes Christi» macht aus der Prozession, anders als bei den Flurprozessionen, einen Triumphzug durch die Gemeinde, denn nichts anderes soll die Fronleichnamsprozession sein: überschäumender Jubel über einen wirklichen Sieger. Denn Fronleichnam ist die Erinnerung an den Sieg über den Tod.

Fronleichnamsprozession ist die einzige als Triumphzug

Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, dem zweiten Donnerstag nach Pfingsten, begangen und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Die Liturgie der heiligen Messe dieses Hochfestes ist in Lesungen und Gebeten besonders auf das Geheimnis der Eucharistie ausgerichtet. Vielerorts wird diese Messe heute im Freien, etwa auf öffentlichen Plätzen, gefeiert. Die heutige Sinngebung der für den Fronleichnamstag besonders charakteristischen Fronleichnamsprozession geht vom Bild des «wandernden Gottesvolkes» aus, dessen Mitte Christus, das «Brot des Lebens» ist. In der sich in der Regel an die Messfeier anschliessenden Prozession begleiten die Gläubigen die vom Priester getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten (nach römisch-

katholischem Glauben durch den Heiligen Geist in den Leib Jesu Christi verwandeltes Brot, die Hostie) in einem Festzug unter Gesang zu mehreren geschmückten Aussenaltären. Das Schmücken ganzer Strassenzüge für die Prozession ist bis heute in zahlreichen Ländern weit verbreitet. Vielerorts werden traditionell auch Bilder, Ornamente und Schriften aus vielen einzelnen Blütenteilen als sogenannter Blumenteppich vor Altären und auf den Prozessionsweg gelegt.

Ganz unterschiedliche Formen der Feier in Europa

In ganz Österreich ist wie in Liechtenstein Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag, ebenso in San Marino, Polen, Kroatien und Portugal. In der Schweiz ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag in den überwiegend katholisch bevölkerten Kantonen Appenzell-Innerrhoden, Jura, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Zug sowie in bestimmten Gemeinden der Kantone Aargau, Freiburg, Graubünden, Neuenburg und Solothurn. In Deutschland ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung in den Ländern Sachsen und Thüringen. In den übrigen Ländern und Regionen gibt es Sonderregelungen, wie etwa ein Anspruch auf unbezahlte Freistellung und Unterrichtsbefreiung für katholische Arbeitnehmer und Schulkinder. In Italien wird das Fest gemäss Kirchenrecht am darauffolgenden Sonntag gefeiert (vgl. Christi Himmelfahrt). In Ungarn wird Fronleichnam – ähnlich wie in Italien – nicht an einem Donnerstag, sondern an dem darauffolgenden Sonntag gefeiert, jedoch mit Prozession und Stationen wie in den deutschsprachigen Ländern. In Spanien gehört das Fest schon seit 1989 nicht mehr zu den landesweit arbeitsfreien Feiertagen, ist allerdings mancherorts als örtlicher oder regionaler Feiertag arbeitsfrei. In den übrigen Gebieten Spaniens wird das Fest an dem folgenden Sonntag begangen. (vv)

20. Jun 2019 / 06:00
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