• Frauenland Zeitung in Vaduz
    Eine Ausgabe – verschiedene Meinungen und Rückmeldungen.  (Daniel Schwendener)

«Frauenland»: Zwischen Lobeshymnen und Kritikwelle

Die Sonder-Edition des «Liechtensteiner Vaterlands» zum Weltfrauentag sorgte für unterschiedliche Rückmeldungen. Was bleibt, ist die tägliche Aufgabe und das Ziel, Frauen sichtbarer zu machen, damit es keine weiteren Sonderausgaben braucht.
Vaduz. 

Elf Frauen setzten sich vor zwei Monaten an einen Tisch und stellten sich als erstes die Frage: «Möchten wir eine zweite ‹Frauenland›-Ausgabe produzieren? Der Tenor im Sitzungszimmer der «Vaterland»-Redaktion war ein klares Ja. Die Arbeiten begannen in diesem Augenblick. 
Am 7. März, einen Tag vor dem Internationalen Tag der Frau, übernahmen die elf Redakteurinnen das gesamte Zeitungs-Steuerbord. Online erhielten Interessierte durch einem Live-Ticker Einblicke hinter die Kulissen. Bereits mit diesem Schritt erntete das Projekt die erste Kritik in den sozialen Medien: Eine Userin amüsierte den Satz«Mit dem Ziel, Frauen sichtbarer zu machen» und kommentierte mit: «Einmal im Jahr» und ein paar lachenden Emojis. Eine weitere schrieb: «Es geht darum, dass Frauen in den Medien praktisch kaum vorkommen und am 8. März getan wird, als sei bei den Medien alles in Butter.» Eine andere Meinung: «Nächstes Jahr nichts machen. Dann muss sich auch niemand darüber aufregen.» 

Auch Männer waren engagiert 
Der gestrige Ausgabetag stimmte doch etwas positiver. «Ich wollte euch ‹Frauenland›-Frauen nur sagen, dass ich die heutige Ausgabe super finde!», schrieb eine Leserin. Damit freue sie sich auch auf die kommende im nächsten Jahr. «Weiter so!» Die Nachrichtenagentur SDA sowie auch die Werbewoche berichteten über das «Frauenland». Auch der «Klein Report» bat um Statements der Macherinnen. 
Auf den sozialen Medien erschien auf dem Facebook-Profil des «Frauennetztes Liechtenstein» die Frontseite der Ausgabe mit dem Kommentar: «Wir hätten eine Bitte, geschätzte Macherinnen und Macher beim Liechtensteiner Vaterland: Dass das Bekenntnis, die Frauen sichtbarer zu machen, keine Eintagsfliege bleibt.» Auf der «Vaterland»- Homepage kommentierte ein Leser die Aktion «Männeraufgaben». Drei Mitarbeiter schlüpften dabei für ein paar Stunden in einen «typischen» Frauenberuf. Sie kamen zum Schluss, dass es keine Frage des Geschlechts ist, ob man geeignet ist, diesen Beruf auszuüben. «Ich finde dieses Projekt eine sehr gute Idee», kommentierte ein User auf der Homepage. Währenddessen wurde ein Video mit dem Sujet «Superheldinnen», das selbstständig von den Redakteurinnen produziert wurde, scharf kritisiert. 

«Superheldinnen sind wir 365 Tage im Jahr» 
«Ich habe nicht den Eindruck, dass Frauen in unserer Zeitung generell zu wenig abgebildet werden – vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Frauen nicht gerne abbilden lassen», erklärt «Vaterland»-Redaktorin Desirée Vogt. So sei manchmal Überredungskunst und viel Fingerspitzengefühl gefragt. «Gleichberechtigung ist für mich erst dann gegeben, wenn der Unterschied der Geschlechter nicht hervorgehoben werden muss. Und trotzdem scheint es immer noch nötig zu sein, Frauen bewusst ins Rampenlicht zu rücken, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass auch Frau ihren Mann stehen kann.» Die Produktion der «Frauenland»-Ausgabe sei für sie persönlich aber «nur» insofern besonders gewesen, als dass die Redaktions-Frauen an diesem Tag noch enger zusammenarbeiteten als ohnehin schon täglich. «‹Superheldinnen› sind wir 365 Tage im Jahr.» 
Das Frauenland biete die Möglichkeit, die Vielseitigkeit von Frauen in Liechtenstein aufzuzeigen, erläutert Redaktorin Bettina Stahl-Frick. «Das Augenmerk auf die Sichtbarkeit von Frauen das ganze Jahr zu legen, ist ein schönes Ziel. Ein Ziel, das im Alltag allerdings nicht einfach zu erreichen ist – es gibt kaum Amtsleiterinnen und auch Politikerinnen zählt Liechtenstein nicht viele.» Gerade deshalb habe das «Frauenland» eine besondere Bedeutung, um Hintergrundgeschichten ins Rampenlicht zu rücken, mit denen Frauen in all ihren Facetten gezeigt werden.Das Herzblut, welches das «Frauenland»-Team hineingesteckt hat, sei für sie deutlich spürbar. «Umso enttäuschter bin ich persönlich über Kommentare, bereits im Vorfeld, welche die ganze Idee zunichte machen. Gerade von Frauen. Kein Wunder, zieren sich Frauen, etwas anzupacken. Schade.» 
Kulturredaktorin Mirjam Kaiser unterstreicht, dass die weiblichen Redakteurinnen des «Vaterlands» die gesamte gestrige Ausgabe selbst geplant und auch umgesetzt haben. «Wir hatten die Idee mit den Superheldinnen. Da stört es mich schon, wenn man dann besonders von Frauen nur angegriffen wird, was für blöde Ideen wir hatten, anstatt dass man mal das Engagement anderer anerkennen würde – ohne ständig immer etwas zu motzen haben zu müssen.» 
Auch Redaktorin Manuela Schädler sah die Herausforderung dabei, dass Frauen des Öfteren eine gewisse Bescheidenheit hätten, wenn es darum gehe, in den Mittelpunkt gerückt zu werden: «Zum Weltfrauentag selbst wünsche ich mir, dass Frauen diese Bescheidenheit ablegen und Mut haben, an die Öffentlichkeit zu treten. Denn nur so gelingt es uns Medienmachern auch, die Frauen mehr in die Medien zu bringen.» (nb)

08. Mär 2019 / 22:32
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
26. März 2019 / 11:51
26. März 2019 / 08:45
Meistkommentiert
19. März 2019 / 16:41
01. März 2019 / 18:27
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
weltall
Zu gewinnen 2 x 2 Karten für das Turnerkränzle "LAB*zers" am 29. März um 20 Uhr im Gemeindesaal in Balzers
14.03.2019
Facebook
Top