• Medicaments and German package insert
    Mitte Juli waren es 604 Medikamente und Impfstoffe, die in Liechtenstein und der Schweiz gar nicht bis schwer lieferbar waren.  (Santje09)

Engpass spitzt sich weiter zu

Liechtensteins Apotheken beziehen Medikamente aus dem EU-Raum. Dort werden aber Exportverbote erlassen.

Mitte Juli waren es 604 Medikamente und Impfstoffe, die in Liechtenstein und der Schweiz gar nicht bis schwer lieferbar waren. Selbst drei Monate später hat sich die Situation kei­nes­wegs entschärft. Die Webseite «drugshortage.ch» führt immer noch 599 Arzneimittel von 73 Pharmaherstellern auf, die mit Lieferengpässen zu kämpfen haben. Davon besonders betroffen ist die Gruppe der Blutdrucksenker mit 114 fehlenden Präparaten.  Liechtensteins Apotheken sind aus diesem Grund darum bemüht, Alternativen aus dem benachbarten EU-Raum zu organisieren. «Wir beziehen unsere Medikamente in solchen Fällen aus Italien, Frankreich und Grossbritannien», erklärt Nikolaus Frick, Präsident des Apothekervereins des Fürstentums Liechtenstein. Auch gebe es in Deutschland zwei Grosshändler, die sich eigenes auf den Liechtensteiner und Schweizer Markt spezialisiert hätten. Allerdings könnte sich die Situa­tion hierzulande bald schon weiter zuspitzen. Denn der Medikamenten-Engpass ist ein globales Phänomen. Grossbritannien und Italien haben deshalb bereits Exportverbote für jene Medikamente erlassen, die nicht mehr lieferbar sind. Das jüngste Beispiel ist Österreich: Die Regierung hat einen Verordnungsentwurf in die Wege geleitet, worin sie sowohl ein Export­verbot wie auch die Meldepflicht für Hersteller rezeptpflichtiger Medikamente fordert. Nicht zuletzt denkt in Deutsch­land die Regierungspartei CDU über ein Exportverbot als Ultimo Ratio nach. Und die Schweiz? Sie wartet ab. Laut Nikolaus Frick sei dies nichts Neues. «Es ist dasselbe Spiel wie mit der Zulassung von Arzneimitteln. Sind diese in vielen europäischen Ländern längst schon auf dem Markt, müssen wir noch auf ihre Zulassung warten.» 

Sparprogramme sind Auslöser für Mangel
Die Ursache der Engpässe ist vor allem dem enormen Preisdruck in der Schweiz geschuldet. Die Schweizer Hersteller werden gezwungen, vereinzelte Arzneistoffe im Ausland produzieren zu lassen, da sie dort um einiges billiger sind. Tritt bei einem dieser Rohstoffe aber eine Verunreinigung auf, können mitunter zahlreiche Schwei­zer Pharmahersteller davon betroffen sein. Das aktuellste Beispiel: Ranitidin, das unter anderem zur Kontrolle der Magensäureproduktion bei Sodbrennen eingesetzt wird. «Ich hatte in dieser Woche beinahe täglich einen Chargenrückruf des Wirkstoffes von ‹Swissmedic› auf dem Tisch», meint Frick. 
Dass sich die Lage in nächster Zeit wieder entspannt, daran zweifelt der Präsident des Apothekervereins. Er habe bei den beiden Schweizer Pharmakonzernen Sandoz Pharmaceuticals AG (119 offene Engpässe) und Mepha Pharma AG (65 Engpässe) nachgehakt, diese hätten sich allerdings sehr bedeckt gehalten. (jka)

04. Nov 2019 / 07:00
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