• Die Zufriedenheit ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Hans und Ursula Schulz auf ihrer Yacht «Noe». Bild: zvg

Einmal um die ganze Welt gesegelt

Durch die Strasse von Gibraltar zu den kapverdischen Inseln über den Atlantik in Richtung Karibik, zu den Galapagos-Inseln, den Cook-Inseln, Neuseeland, Australien, Kapstadt, Brasilien und zurück – Ursula und Hans Schulz erzählen von ihrer Weltumseglung.
Balzers. 

Sie schlossen an jenem Dienstagmorgen im September 2014 die Haustüre ab und stiegen ins Auto ihrer Vermieterin, die Hans und Ursula Schulz zum Bahnhof Sargans fuhr. Was eigentlich überhaupt nicht aussergewöhnlich klingt, ist der Anfang eines grossen Abenteuers. Diese Autofahrt war einer der ersten von tausenden magischen Momenten, die in den nächsten drei Jahren auf das Paar aus Balzers warteten. 

Mit dem Zug ging es von Sargans nach Chur, dort aufs Postauto in Richtung Süden nach Bellinzona und wiederum mit dem Zug nach Varazze, einer Gemeinde in der italienischen Region Ligurien. Dort wartete «Noe» auf Ursula und Hans Schulz – ein 15 Meter grosses Segelschiff, mit dem sie Grosses vorhatten: Eine dreijährige Weltumseglung. 
Das Schiff statteten sie entsprechend mit Proviant aus: Mehrere Kilo Mehl, um Brot zu backen, Trockenhefe, Spaghetti, Reis und jede Menge Dosen mit Bohnen und Früchten. Und auch ihre Mountainbikes verfrachteten sie auf das Schiff. Noe war zu jenem Zeitpunkt bereits fünf Jahre im Besitz des Ehepaars und segelte mit ihnen schon etliche Male im Mittelmeer. Dieses Mal sollte Noe die beiden aber um die ganze Welt begleiten. Ein Abenteuer, das für die eine oder den anderen vielleicht dann doch etwas zu aufregend ist, auf das sich Hans Schulz aber schon als kleiner Bub gefreut hat. Am Bodensee aufgewachsen, habe er oft auf den See hinausgeblickt und sich vorgestellt, wie es wäre, mit einem Segelschiff über die sanften Wellen zu gleiten. Alles was über Weltumseglungen berichtet wurde, habe er sich angeschaut oder nachgelesen. Namen von Inseln und Ortschaften habe er jeweils im Atlas nachgeschlagen. Aitutaki, Bora Bora oder Hiva Oa – «ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie mich alleine der Klang dieser Inselnamen fasziniert hat», sagt Hans Schulz. 
Mit Mitte 50 wollte er sich diesen lang gehegten Kindheitstraum nun endlich erfüllen. «Manche Menschen warten bis zur Rente, auf einen runden Geburtstag oder ähnliche Anlässe», sagt Hans Schulz. Er wollte nicht  mehr länger warten – «manchmal ist es dann auch zu spät». Als Mitglied der Axpo-Konzernleitung hat er den grossen Schritt gewagt – und gekündigt. «Mir war klar, dass es kein Zurück zu dieser spannenden Funktion gibt – aber jeder Traum hat auch seinen Preis und dieser war es mir wert.» 

Nicht ganz so begeistert von der Weltumseglung war seine Frau. Nach und nach konnte er sie allerdings überzeugen und Ursula Schulz schöpfte Vertrauen in den Schiffsalltag. Sie entschied sich, bis Lanzarote mitzukommen. Am 6. September 2014 liefen sie mit Noe aus dem Hafen von Varazze aus – «wie es sich für eine längere Reise gehört, haben wir noch zwei, dreimal gehupt und zwei Bekannte haben uns vom Steg aus zugewinkt», erinnert sich Hans Schulz. Mit ihm stand ein erfahrener Kapitän hinter dem Steuerrad – «zwar nicht gerade um die ganze Welt, aber ich bin schon mein Leben lang gesegelt». Ein bisschen Leidenschaft schien dann auch seine Frau gepackt zu haben: In Lanzarote entschied sie, die Fahrt über den Atlantik doch mitzumachen. «Vielleicht war es auch eher die Furcht, mich alleine zu lassen als Leidenschaft», schmunzelt Hans Schulz. Ob Furcht oder Leidenschaft – in Australien fühlte sich Ursula Schulz noch immer wohl. Ausser bei einem unruhigen Seegang und bis zu fünf Meter hohen Wellen – ein Pflaster hinter dem Ohr machte die Übelkeit dann aber erträglich. 
Immer wieder steuerte das Ehepaar einen Hafen an oder ankerte in Buchten. Auf den Passagen der Ozeane segelten sie auch durch die Nacht. Dann hielt Hans Schulz Nachtwache: «Ich legte mich eine halbe Stunde bis eine Stunde hin, stellte den Wecker und hielt fünf Minuten Ausschau nach allfälligem Verkehr auf See», erzählt er. Dann schlief er wieder eine halbe Stunde und kontrollierte wieder. Und so die ganze Nacht. «Ich bin jeweils schnell in einem Rhythmus gekommen, der für mich bestens funktionierte.» Eben ein Segler durch und durch. Bei nächtlichen Manövern war seine Frau jedoch auch an Deck.

Von Australien ging es dann nach Südafrika – mit Ursula Schulz an Bord. Zumindest ein wenig Leidenschaft musste bei ihr dann also doch entfacht worden sein. In Kapstadt entschied sie sich dann aber für die Endstation – zumindest vorläufig, was sie zu jenem Zeitpunkt aber noch nicht wusste. (bfs)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Donnerstag, 12. Januar 2018.

 

11. Jan 2018 / 22:39
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
18. Oktober 2018 / 06:00
17. Oktober 2018 / 16:54
17. Oktober 2018 / 08:00
17. Oktober 2018 / 12:01
Meistkommentiert
10. Oktober 2018 / 10:07
Aktuell
18. Oktober 2018 / 07:24
18. Oktober 2018 / 06:58
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
caviezel
Zu gewinnen 2 x 2 Karten für Kabarett und Musik aus dem Bündnerland, Beginn 20 Uhr
06.09.2018
Facebook
Top