«Ein Sympathieträger des Landes»

Die Zeit bleibt nicht stehen und mit ihr auch der Wandel nicht. Das weiss der Internationale Liechtensteiner Presseclub nur zu gut. Dennoch ist es ihm gelungen, seit seiner Gründung verdienstvoll zu handeln.

Der 8. Februar ist ein besonderer Tag: An jenem haben namhafte Persönlichkeiten wie James Dean oder Jules Verne das Licht der Welt erblickt. Den Fokus auf Liechtenstein gelegt, war nicht etwa ein begnadeter Musiker oder ein hervorragender Autor geboren – nein, am 8. Februar 1969 wurde der Internationale Liechtensteiner Presseclub (LPC) aus der Taufe gehoben. Das Jahr seiner Gründung hatte es ebenfalls in sich. Liechtenstein feierte sein 250-jähriges Jubiläum, in Vaduz wurde eine Raumfahrtausstellung präsentiert und die Befähigung zu Wählen wurde auf das Alter von 20 Jahren gesenkt. Entgegen dieser Ereignisse hat der LPC auch heute noch Bestand und so feierte er gestern im grossen Stil seinen 50. Geburtstag. «Damals konnte sich kaum einer vorstellen, dass das Telex durch das Fax und das wiederum durch den Computer ersetzt werden wird», sagte LPC-Präsident Peter Rutz an den Feierlichkeiten in der Hofkellerei. Die Zeiten haben sich, das ist unumstritten, gewandelt. So sei das Internet heute zur wichtigsten Datenbank für Journalisten geworden, verdeutlichte Rutz mit einem weiteren Beispiel. Bevor nun aber die Gegenwart und darüber hinaus die Zukunft in den Mittelpunkt rückt, noch einmal zurück zu jenem 8. Februar 1969. 

LPC wird zu internationaler Anlaufstelle
Im Vorfeld hatten in der Schweiz hitzige Debatten bezüglich der dortigen Waffenplätze stattgefunden. Davon war auch der Waffenplatz St. Luzisteig nicht ausgenommen. Schweizer Journalisten wollten im Rahmen dieser Diskussionen Partei für Liechtenstein ergreifen – schliesslich grenzt das kleine Fürstentum unmittelbar an St. Luzisteig. Da eine offizielle Anlaufstelle für ausländische Journalisten fehlte, wandten sich diese direkt an ihre Liechtensteiner Berufskollegen, um an Informationen über das Land zu gelangen. Unter ihnen weilte Walter Bruno Wohlwend, dessen Kontaktierung ihn erst auf die Spur brachte, eine Plattform zum Informationsaustausch ins Leben zu rufen. An der Gründerversammlung waren nebst Journalisten aus Liechtenstein auch welche aus dem Ausland anwesend. Durch sie wurde Walter Bruno Wohlwend zum ersten Präsidenten des LPC gewählt.
Ebenfalls vertreten war das Fürstenhaus in der Person von Prinz Nikolaus, Patronatsherr des LPC. «Es war notwendig, Liechtenstein von den Klischees eines Agrarstaats, einer Steueroase oder eines Briefmarkenzentrums zu befreien», sagte er gestern. Mittlerweile haben laut Prinz Nikolaus über zwei Generationen der medialen Berichterstattung  vieles geleistet. «Obwohl dem LPC heute ein anderer Rahmen gegeben wird, führt er seine Tätigkeiten verdienstvoll fort. Er verbessert die journalistische Arbeit und ist zugleich ein Sympathieträger Liechtensteins», lobte der Prinz. 

Misstrauen gibt Beruf Existenzberechtigung
Aus den Erinnerungen zurück in die Gegenwart gerissen wurden die Zuhörer von Regierungschef Adrian Hasler. Bei der Überbringung der Grussworte liess der Begriff «Fake News» nicht lange auf sich warten. «Fake News», ein Paradebeispiel für das digitale Zeitalter. «Für Konsumenten von Nachrichten wird es immer schwieriger, zwischen wahr und unwahr zu unterscheiden. Nachrichten sind zur Massenware geworden und viele Menschen überprüfen deren Quellen nicht mehr», führte Hasler aus. Dementgegen würde der LPC seit seiner Gründung Verantwortung übernehmen – Walter Bruno Wohlwend habe Pionierarbeit geleistet, als er begann, falsche Beiträge mit Fakten zu bekämpfen, sagte Hasler. Für ihn sei die Rolle des LPC bis heute unumstritten. Gleichzeitig fand der Regierungschef aber auch fordernde Worte: «Die Aufgabe des LPC wird sein, zu mahnen und Kritik auszusprechen, wenn Dinge in die falsche Richtung laufen.» 
Zu guter Letzt der Blick in die Zukunft: Das Jubiläumsreferat wurde Markus Spillmann, Präsident der Stiftung Schweizer Presserat, überlassen. Sein Thema: «Es braucht mehr, nicht weniger Journalismus!» Laut Spillmann durchlebt der Journalismus eine Krise, nicht einfach nur aus strukturellen und ökonomischen Gründen, sondern weil sein Stellenwert als Garant für reflektierte Sachlichkeit, für Relevanz und Selektion, für die Fähigkeit der Trennschärfe und der Einordnung und damit für die Sicherstellung von informierter Teilhabe von Bürgerinnen und Bürger im digitalen Zeitalter nicht mehr unumstritten ist. «Fake News», ein Begriff auf den der Referent ebenfalls zurückgriff. Denn das dem Journalismus entgegengebrachte Misstrauen seitens der Bevölkerung könne nur durch die Journalisten selbst aufgebrochen werden, indem sie sich auf ihre Kernkompetenzen wie die Recherche und die faktische Berichterstattung konzentrieren. Doch das Misstrauen gebe dem Journalismus gleichzeitig auch seine Existenzberechtigung: «Jenes Berufes, der in kritischer Distanz dem Verborgenen und Unklaren auf den Grund geht.» Somit sind die Aussichten hoffnungsfroh: Es gebe gute Entwicklungen, gerade in jüngerer Zeit, erklärte Spillmann. «Der Journalismus lebt und es braucht ihn nicht weniger, sondern wieder mehr.» (jka)
 

08. Feb 2019 / 23:10
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