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    Das Klima wird durch die Erderwärmung verändert.

In Liechtenstein ein Klima wie in Mailand

Im Jahr 2050 herrscht in Liechtenstein ein ähnliches Klima wie heute in Mailand, wie Forscher der ETH zeigen.

In Mailand liegt die durchschnittliche Temperatur im Januar bei 3,4 Grad. Nur selten sinkt das Thermometer im Winter unter null Grad. Im Juli verschwindet die Sonne nur sporadisch hinter dunklen Wolken, weshalb Klimatabellen weniger als zehn Regentage im Durchschnitt ausweisen. Ein solches Klima wird durch die globale Erwärmung im Jahr 2050 auch auf der Alpennordseite möglich sein. «Ein ähnliches Szenario könnte für Liechtenstein bis 2050 oder 2085 zur Realität werden», erklärt Heike Summer vom Amt für Umwelt. 

Klima

Klima heute - Klima im Jahr 2050

Schneefallgrenze wird hierzulande steigen
Der Vergleich  stammt von Wissenschaftlern der ETH Zürich. Um eine Erderwärmung zu veranschaulichen, haben die Forscher im Fachmagazin «Plos One» zu einem Kniff gegriffen: Sie nutzten Städte-Analogien. In Zürich wird es demnach so mild sein wie in Mailand, in London werden künftig Regenschirme überflüssig. Das typisch britische Regenwetter muss dann dem milden Klima von Barcelona weichen, während an der Mittelmeerstadt südafrikanisches Wetter Einzug halten wird. Das ist das, was 1,4 Grad Erderwärmung bis zum Jahr 2050 bedeuten. Auch Liechtenstein bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont, dennoch gibt es Unterschiede zu Grossstädten. «Die Erderwärmung ist in Städten zwar nicht stärker als in ländlichen Gebieten, jedoch die Folgen hinsichtlich der Hitzeentwicklung», erklärt Summer. Die Hitze stelle in Städten durch die verdichtete Bauweise und weniger Grünflächen eine andere Herausforderung als im eher ländlichen Gebiet Liechtensteins dar. Die Luftzirkulation sei in Städten oftmals behindert und verbaute Flächen speichern die Wärme länger als Grünflächen. Die globale Erwärmung von 1,4 Grad bedeutet im Berggebiet Liechtensteins eine durchschnittliche Erwärmung von circa 2,8 bis 3 Grad Celsius, da sich Berg-
gebiete stärker als das Flachland erwärmen. 

Liechtensteins Durchschnittstemperatur hat sich in den letzten 150 Jahren bereits um 1,9 Grad erhöht. Die globale Temperaturerwärmung laut Summer hingegen «nur» um 0,8 Grad. Mit jedem zusätzlichen Grad Celsius der mittleren Erwärmung der Schweiz verdoppelt sich ungefähr die Anzahl der sehr heissen Tage. «Bis 2050 könnte die Zahl der sehr heissen Tage von heute 1 Tag auf 18 steigen», erklärt Heike Summer vom Amt für Umwelt weiter. Durch das Zusammenwirken von Hitze und Luftfeuchte könne sich der Körper nicht mehr auf ein angenehmes Mass herunterkühlen. Der Hitzeindex beschreibt, wie die Temperatur in Zusammenhang mit hoher Luftfeuchtigkeit empfunden wird. 

Auch im Winter wird ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur eine Auswirkung auf Liechtenstein haben. Die Schneefallgrenze wird wohl einige hundert Meter in die Höhe wandern. Schnee im Tal wird damit eher zur Seltenheit. Unter 600 Meter über Meereshöhe ist mit einer Abnahme der Neuschneetage von etwa 10 Tagen zu rechnen, was einer Halbierung im Vergleich zu heute entspricht. In den Gipfellagen beträgt die Abnahme sogar 10 bis 20 Tage. 

Forscher gingen nicht vom Schlimmsten aus
Ein Klima wie in Mailand oder Barcelona mag zwar nicht wie ein Horrorszenario wirken. Doch für viele Städte und Gebiete bedeutet es genau das. Von den 520 untersuchten Städten werden 22 Prozent der Städte ein Klima erleben, das es heute noch nicht auf der Erde gibt. Sie werden von heftigeren Dürren heimgesucht. Der Grossteil davon befindet sich in den Tropen. Dazu zählen Kuala Lumpur, Jakarta, Rangun and Singapur sowie Städte im afrikanischen Land Gabun und in Brasilien. Am dramatischsten sind die Veränderungen der Extremtemperaturen in Städten in den nördlichen Breiten: Überall in Europa werden die Sommer und die Winter wärmer, nämlich um 3,5 Grad (Sommer) und 4,7 Grad (Winter). Die Prognosen der Forscher sind zwar nur eine Veranschaulichung, dennoch zeigen sie, wie drastisch die Veränderungen sein werden. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler keine neuen Daten zusammengetragen, sondern die vorhandenen ausgewertet. Dabei konzentrierten sie sich auf 520 grössere Städte auf der ganzen Welt. 

Dabei gingen sie nicht von einem Worst-Case-Szenario aus, sondern von dem eher optimistischen Szenario RCP 4,5 aus, bei dem sich der Treibhausgasausstoss der Menschheit bis 2100 so weit stabilisiert, dass sich der Temperaturanstieg auf 1,8 Grad im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1986 bis 2005 begrenzen lässt. Im Jahr 2050, auf das sich die ETH-Studie bezieht, wäre die globale Oberflächentemperatur dann 1,4 Grad höher als heute. (dal)

05. Aug 2019 / 11:25
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