• An der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg soll der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther am Vorabend zu Allerheiligen 1517 seine 95 Thesen angebracht haben. Diese führten schliesslich, entgegen Luthers Absicht, zur Kirchenspaltung.  (vv)

Ein Feiertag der «alltäglichen Heiligen»

An Allerheiligen wird der Heiligen, Märtyrer und Verstorbenen, die bereits zur Vollendung mit Gott gelangt sind, gedacht.

Der älteste Hinweis auf das Allerheiligen-Fest findet sich im 4. Jahrhundert bei Johannes Chrysostomos. Ursprünglich wurde häufig eine Verbindung zwischen Ostern und dem Totengedächtnis gesehen, da davon ausgegangen wurde, dass das Fest der Auferstehung Christi (Ostern) und die dadurch erfolgte erneute Öffnung des Himmels für die Verstorbenen eng miteinander verknüpft sind. 

Als dieser Zusammenhang zwischen Allerheiligen und Ostern zunehmend in Vergessenheit geriet, wurde von Papst Gregor III. (731–741), der auch intensivere Kontakte zu den britischen Inseln pflegte und der eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen weihte, der Feiertag auf den 1. November gelegt. Dieses Datum hatte darüber hinaus eine besondere Bedeutung: Es war damals gleichzeitig sowohl Winteranfang als auch Jahresbeginn (vor allem der Anfang des Wirtschaftsjahres). Apropos Totengedenken: Es ist üblich geworden, an Allerheiligen die Friedhöfe zu besuchen und die Gräber zu schmücken, zumal dann auch, im Gegensatz zum Fest Allerseelen am Tag darauf, ein gesetzlicher Feiertag ist. Es finden Gebete und Fürbitten für die Toten statt, um ihnen bei der Vollendung mit Gott zu helfen. Üblich ist auch das Aufstellen und Entzünden von Kerzen, die dann auch am nächsten Tag, an Allerseelen, und darüber hinaus noch brennen. Auch dem Grabschmuck wird besonderes Augenmerk geschenkt.

Heiligkeit hat verschiedene Gewichtungen

Der eigentliche Sinn dieses Hochfestes ist das Gedenken aller «heiligen Menschen», wobei mit «heilig» hier nicht allein die offizielle Heiligsprechung von Märtyrern, die wegen ihres Glaubens gestorben sind oder von Menschen, die aufgrund anderer Ereignisse heiliggesprochen wurden, gemeint ist, sondern das Gedenken an die Menschen, die ihr Leben an Gottes Geboten ausrichten. Diese Menschen werden nach ihrem Tod die höchste Vollendung in Gemeinschaft mit Gott erreichen. Diesen «alltäglichen Heiligen» ist der Feiertag gewidmet. Grundlegende Voraussetzung ist die christliche Überzeugung, dass durch Jesus Christus der Tod überwunden wurde und durch ihn eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten besteht, sowie der Glaube an bzw. die Hoffnung auf die Auferstehung. Trotzdem ist der Allerheiligentag in Wirklichkeit ein freudiges Fest. In der Festmesse hören die Gläu-bigen aus der Vision der geheimen Offenbarung von den Geretteten: «Dann sah ich eine grosse Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weissen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in ihren Händen.» Ferner werden die Seligpreisungen der Bergpredigt gelesen, die die Geretteten als Richtschnur für ihr Leben gewählt haben. Sie sind jetzt selig.

Mit Allerheiligen, nicht also Allerseelen, begann in Irland früher das neue Jahr, daher ist Halloween (Heilige = hallows), nämlich der Vorabend des Allerheiligentags, mit ausgelassenem Brauchtum verknüpft. Im irischen Einflussbereich (z. B. USA) haben sich vorchristliche Brauchelemente erhalten. Der katholische und anglikanische Feiertag Allerheiligen steht auch in engem Zusammenhang mit dem heutigen evangelischen Reformationstag, da Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben soll. (vv)

 

01. Nov 2019 / 14:56
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