• Drei Schwestern Luftseilbahn
    Abbildung aus dem Gründungsprospekt der «Drei Schwestern Luftseilbahn Aktiengesellschaft».

Die geplante Luftseilbahn in Nendeln

Wegen Interessenskonflikten blieb Liechtenstein eine Verbindung zwischen Nendeln und dem Feldkircher Älpele verwehrt. 1969 wurde das Projekt lanciert, hing lange in der Luft und wurde 1977 aufgegeben.

Jeder kennt sie: die Drei Schwestern Luftseilbahn zwischen Nendeln und dem Saroja-Sattel. 1976 instand gesetzt, erfreut sie sich seit ehedem ­eines lebhaften Betriebs, Som­mer wie Winter. Kinder wie ­Erwachsene beobachten mit Vorliebe die schwerfälligen Gon­deln, welche im gleichmässigen Rhythmus das Älpele erklimmen, um dann in der selben gediegenen Gemütlichkeit zum Anfangspunkt in Nendeln zurückzuschweben. Touristen und Liechtensteiner erfreuen sich dem Skigebiet, das durch zwei Skilifte angegliedert ist, und kehren für Speis und Trank beim allseits bekannten Bergrestaurant ein. 

Drei Schwestern Luftseilbahn

Das geplante Skigelände Hinterälpele

Das Szenario war 1969 für den Verkehrsverein, die Gemeinden des Unterlands und die übrigen namhaften Mit­initianten eine zum Greifen nahe Zukunftsmusik, die jedoch durch Rückschläge in den darauffolgenden Jahren verklang und verstummte. Die «Drei Schwestern Luftseilbahn» lässt sich in die Reihe der Projekte einordnen, die nie realisiert in diversen Archiven abgelegt wurden. «Verschiedene Grün­de führten dazu, dass das geplante Projekt scheiterte», sagt der mittlerweile ­96-jährige Ernst Geissmann, Vizepräsident des Gründungskomitees. «Erteilte Zusagen wur­den zurückgezogen und daraufhin Bewilligungen nicht erteilt. Vorarlberg stellte auf dem Älpile-Gebiet Warnschilder auf, die das Skifahren verboten, zu unserer Überraschung, weil die Franstanzer Alpgenossenschaft zu den Initianten gehörte».

Drei Schwestern Luftseilbahn

Der Blick ins Tal - von der Bergstation aus.

Vermeintlich gute Voraussetzungen
Die «Drei Schwestern Luftseilbahn» hatte zunächst allem Anschein nach die besten Bedingungen, um von Erfolg gekrönt zu werden. Das Gründungsprospekt der Aktiengesellschaft liest sich eindrücklich: Ein Paradies für «erholungssuchende Wanderer sowie Extremkletterer» und «skifahrenden Fami­lien», dabei wurde die «Bedeutung der Seilbahn im regionalen Fremdenverkehr» unterstrichen. Die Initianten rechneten mit einem bedeutenden Anstieg an Touristen, der sich in der Gastronomie und in den Hotelbuchungen einschlagen sollte. Beim Arbeitsausschuss waren namhafte Personen wie zum Beispiel Dr. Peter Marxer oder DDr. Batliner ­vertreten und beim Initiativ­komitee sämtliche Unterländer Gemeinden, die Alpgenossenschaft Frastanz sowie zahlreiche Unternehmer aufgelistet. «Kurzerhand hatten wir fast 1000 Aktionäre, die dann über das Scheitern informiert werden mussten», so Geissmann. Viele Interessengruppen bewirkten, dass die «Drei Schwestern Luftseilbahn» schleppend vorankam und schlussendlich in der Luft hängen blieb. Die ­Liquidation der Aktiengesellschaft trat erst 1991 in Kraft. «Zusammen mit der LGU und dem Liechtensteiner Alpenverein wehrte sich der Historische Verein in den Jahren 1975 und 1976 erfolgreich gegen die Pläne der Drei-Schwestern-Seilbahn AG», schrieb der Historische Verein im Jahrbuch von 2001. Angetrieben wurde die Bestrebung vom Umweltschutzgedanken. 

Drei Schwestern Luftseilbahn

In der Bergstation wäre eine Drehrestaurant geplant gewesen.

Diverse Faktoren führten zum Aus
Es galt das alte Lied Wirtschaft gegen Umwelt. Ein auf Gewinnstreben gerichtetes Denken gegen emotional gefärbte Zukunftsüberlegungen. Gutgefüllte Leserbriefspalten widerspiegelten dabei die zwei ­verschiedenen Seiten: «Die Seilbahn wird den Hotels, Gast­stätten und Handelsbetrieben laufend Nutzen bringen» gegen «Haben wir das Recht, nur die momentane Situation zu beachten, oder haben wir die Pflicht, auch unseren Kindern noch ein Stück unberührtes Land zu überlassen?». Nicht nur in Liechtenstein erhitzten sich die Gemüter, auch im angrenzenden Frastanz reichte eine Schar besorgter Bürger eine Petition ein. 

1973 erhielt die AG die Gewerbebewilligung bei der Regierungssitzung, doch aufgrund der damaligen hohen Zinsen stockte das Projekt. In den Folgejahren stellte die Grundverkehrskommission der Gemeinde Eschen die grundverkehrsbehördliche Genehmigung aus, worauf die Regierung Beschwerde erhob, welche die Liechtensteinische Landesgrundverkehrskommission als nur teilweise berechtigt befand. 1976 traf der Eschner Gemeinderat den Entscheid, das Projekt der Bürgerabstimmung vorzulegen. Der Nendler Gemeinderat stimmte gegen die Seilbahn. Während in dieser Zeit die Baubewilligung und die Gewerbewilligung bereits vorlagen, standen die Rodungsbewilligung und die Bewilligung des Amtes für Gewässerschutz für die Abwasserbeseitigung noch aus. Nach 1977 wurde es um das Projekt still. «Das Projekt wurde von allen Seiten angeeckt, so wuchs es für uns zur grossen Belastung. Schlussendlich gaben wir es auf», sagt Geissmann dazu. (dab)

04. Aug 2019 / 06:00
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