• Junge Erwachsene greifen gerne zu Cannabis, während ältere den Alkohol bevorzugen.  (gradyreese)

Die Anzahl an Suchtpatienten steigt

Die Coronakrise beeinflusst die Psyche. Das zeigt sich auch im Suchtverhalten.

Psychiater Marc Risch verzeichnet seit drei Wochen die dreifache Menge an Patientenanfragen als noch vor der Coronakrise. Täglich seien es zehn Personen, die nach einer stationären oder ambulanten Behandlung fragen. Ein Drittel der Patienten spricht dabei über Suchtprobleme; dies bereits beim Erstgespräch. Für Marc Risch stellt die Offenheit hinsichtlich Süchten ein neues Phänomen dar, weil Patienten normalerweise erst nach mehrmaligem Nachfragen darüber sprechen würden. Er schliesst daraus, dass der Konsum von Suchtmitteln enorm zugenommen hat. 

Jung und Alt eint dasselbe Grundproblem

Die Alkoholsucht betrifft vor allem die Erwachsenen ab 40 Jahren. Ältere Mitbürger leiden unter Einsamkeit und Isolation. Auch Frauen mittleren Alters versuchen vermehrt, den Ausweg aus ihrer Notlage im Alkoholkonsum zu finden. «Seien wir mal ehrlich: Den Frauen wurde in der Coronazeit am meisten aufgebürgt», sagt Risch. Der Psychiater bezieht sich dabei auf das Homeschooling, die Teilzeitstellen, wo sie von den Arbeitgebern vermehrt beansprucht werden, sowie den Betreuungsauftrag für betagte Eltern. 

Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen verzeichnet der Psychiater einen exzessiven Anstieg des Cannabiskonsums. Die Gründe liegen in derselben Ausgangslage: Die Einsamkeit sowie eine diffuse Angst vor dem Coronavirus und seinen wirtschaftlichen Folgen. Vor allem bei den jungen Erwachsenen kommt zudem die Frage nach dem Sinn, ein typisches Upper-class-Phänomen, hinzu.
 
Die Gesellschaft muss suchtpolitisch handeln

Marc Risch hält an einer Forderung, die er bereits in der Debatte um Jugendliche, die Medikamente und Drogen missbrauchen, stellte: «Wir müssen soziale Lern- und Bewegungsräume schaffen, sonst konsumieren sie oder weichen auf die Strassen aus, um Autorennen zu veranstalten.» Alle tragen dabei Verantwortung – Eltern, Pädagogen, Ausbildner, Ämter und die Exekutive. Man dürfe nicht nur Absichtserklärungen abgeben, sondern müsse konkret handeln. Dabei geht es nicht nur um die Randständigen, die beim Busplatz in Schaan stranden, sondern auch um jene, die dort stranden könnten. (dab)

10. Jul 2020 / 06:00
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
kein lokales Problem
Was in Liechtenstein passiert ist kein lokales, isoliertes Problem, sondern ein Phaenomen welches sich ueber die gesamte 'westliche' Welt breit macht.

Kleinkriminalitaet steigt, Drogenkonsum steigt, soziale Desintegration steigt, die gefuehlte Ungerechtigkeit steigt, Aufstiegschancen schwinden, Rethorik nimmt an Radikalitaet zu, Politik ist zunehmend polarisierend, kulturelle Normen und Gepflogenheiten verlieren an Einfluss, traditionelle Institutionen werden fuer alles schuldig gesprochen, radikaler Individualismus und Globalismus zeigt sich immer deutlicher als falsches Ideal welches unserer Gesellschaft eher geschadet hat.

Sollte sich die Politik einmal umdrehen und anfangen sich diesen sozialen Entwicklungen widmen, oder weiterhin die Fackel fuer Grossfirmen tragen?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 10.07.2020 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
11. August 2020 / 20:55
11. August 2020 / 15:52
10. August 2020 / 22:13
Meistkommentiert
07. August 2020 / 09:00
30. Juli 2020 / 20:37
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Entdeckung einer Landschaft
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für den Film ENTDECKUNG EINER LANDSCHAFT, Freitag, 14. August, 21:00
06.08.2020
Facebook
Top