• Fasnachtszeitung
    Viele spannende Geschichten in den diesjährigen Fasnachtszeitungen.

Depplomatisch und bollitisch

Einen breiten Abriss über die politischen Peinlichkeiten und individuellen Pleiten, Pech und Pannen bieten auch in diesem Jahr wieder die fünf Fasnachtszeitungen des Landes: «Moschtbölli», «Residenzler», «Räbahobel», «Wildmandli» und «Wingertesel».

Beginnen wir unsere Tour gleich im Hauptort. Der «Residenzler» feiert hier auf der Titelseite das 50-Jahr Jubiläum der Fasnacht-Gesellschaft Vaduz. In gewohntem Pink gehalten, sind in diesem Jahr in der besonders dicken Ausgabe (32 Seiten) auch immer wieder die lustigsten Geschichten der Mitglieder selbst enthalten. Besondere Beachtung bekommt überdies die nicht enden wollende Baustelle am Auring, die Erinnerungen an den Berliner Flughafen weckt und der antizyklische Kauf des Gasthofs Mühle durch die Gemeinde Vaduz. Der «Residenzler» vermutet dahinter sogar folgenden Clou: Wenn die Reserven der Gemeinde nicht mehr ausreichen, könne man hier mit der Beiz noch etwas an extra Einnahmen in Bürgermeister Ewalds Kasse spülen. Bedauernd nimmt der «Residenzler» zur Kenntnis, dass den Vorstehern die Natur gestohlen bleiben kann, weil sie die Renaturierung des Scheidgrabens ablehnten und stattdessen eine Hängebrücke als «Guckmal» errichten wollten. «Was haben die Schweizer, was die Tschügger nicht haben?», wird gefragt, denn schliesslich werde die Brücke zwischen Vaduz und Buchs ja auch gebaut. Der Vorschlag: «Jede Gemeinde bekommt ein Patronat für seine Brücke, dann haben alle etwas davon. Sogar die Triesner und die Plankner und alle wären glücklich und hätten sich wieder lieb und das Land wäre wieder vereint. Halleluja!»

Triesen: Aus «Moschtpräss» wurde «Moschtbölli»

Neuigkeiten gibt es in Triesen, wo die Fasnachtszeitung neu aufgegleist wurde. «Moschtbölli» heisst das Nachfolge-Fasnachtsorgan der «Moschtpresse». Wie die Zeitung selbst verkündet, sei aufgrund der regen Kandidaturen das Amt des Vorstandspräsidenten vakant geblieben – Hansruedi Vakant leite deshalb die Geschicke, bis ein neuer «Moschtbölli-Chef» gefunden sei. Bereits auf der Titelseite, gezeichnet vom Karikaturisten mit Künstlernamen «Barfuass Hutgar», wird es gleich «bollitisch»: Die Hängebrücke ist Thema. Ewald Ospelt, Günther Kranz, Aurelia Frick, Rainer Beck und Hansjörg Büchel stehen auf der Brücke, die vom Volk aus Vaduz und Balzers gebodigt wurde. Auch die Quote wird thematisiert, denn die Frauen-Quote im Triesner Gemeinderat ist entsprechend gross: Eine einzige Dame findet man neben 10 Männern.

Nicht fehlen darf auch die Ankündigung zum «Fight des Jahres» zwischen «Pitbull» Hadrian the Hazler und «Stellhammer» Jo Blackmaurer. Natürlich ist hier der FBP-interne Schlagabtausch zwischen Regierungschef Adrian Hasler und Johannes Kaiser gemeint, wo die Eingeweihten noch auf den ultimativen Showdown warten. Ansonsten punktet die Triesner Fasnachtszeitung in der gelungenen 1. Ausgabe mit vielen Insider Geschichten aus dem Heimat-Dorf und dessen «Umfeld».

Persönliche Geschichten als grosse Stärke

Die persönlichen Geschichten mit Pleiten, Pech und Pannen sind der Kern des «Wildmandli» aus Triesenberg. Hier wurden besonders die kleinen Gustostücke zum Schmunzeln zusammengetragen. So erfährt man beispielsweise, dass der Weinhändler und Beizer Rephan Sitter in Düsseldorf eine Taxifahrt extra um eine Stunde verlängert hat, weil die Musik so gut war. Oder wie der Fussballer Cle in Italien statt mit Zahnpasta mit Klebstoff die Zähne putzte. Auch dem Naturschutz-Biber-Drama wird in sechs Akten gedacht, das wohl noch fortgesetzt werden.

Besonders viele Geschichten im «Räbahobel»

Traditionell und bewährt ist auch der «Muurer Räbahobel», die schönste (nicht zuletzt aufgrund der Karikaturen von Tanja Frick), grösste, beste und vor allem einzige Fasnachtszeitung aus dem Liechtensteiner Unterland. Auf dem Cover des 32-Seiten-Werks wird ein Best-Of der Porträts des Maurer Vorstehers Freddy Kaiser geboten. Auch im Unterland ist der Biber Thema. Hier wird unter anderem aufgeklärt, dass das Biber Konzept nicht mit dem Wiber-Konzept zu verwechseln sei, «da für letzteres das Amt für Bevölkerungsschutz zuständig ist.» Man erhält dort auch weitere Antworten auf Fragen wie: Warum darf man für Eschner Christbäume nur auf Maurer Boden werben? Warum gibt es in Bendern bald die Onkel-Herbert Bushaltestelle? Wie streng hat man es als Vorsteher? Wer hat die modischste Funkenhexe aller Zeiten und warum hat man am Vaduzer Fasnachtsumzug den Lärm wirklich verboten? Ausserdem macht sich der «Räbahobel» Gedanken über die Gesundheit des Gesundheitsministers, weil er bei den Ärzten wohl eher nicht mehr willkommen sei, und über eine alternative Nutzung des Landtagsgebäudes. Auch Geschlechterfragen wird nachgegangen. So findet man den Kommentar zur Frauenquote («I bi für d Fraua Quota, denn häscht Ruab dahom») genauso wie die Auflösung, wie Männer funktionieren und warum sie früher sterben.

Trojanisches Pferd im Erzbistum?

Um das Erzbistum Vaduz sorgt sich der Schaaner «Wingertesel». Er vermutet aufgrund der Qualitäten des neuen Dompfarrers ein Trojanisches Pferd, das dem Erzbischof von Rom aus untergejubelt wurde. Ausserdem zieht er Parallelen zwischen Österreich und Liechtenstein, wenn es um die Neubesetzung des Amt des Regierungschefs geht. Was Kurz kann, könnte auch Frick können: Vom Aussenminister zum Bundeskanzler, heisst die Devise. Das Fahnendrama beim Männerchor ist ebenso witzig wie der Vergleich der Boliden von LIHK-Geschäftsführer Josef Beck, Christian Hausmann (Leiter Amt für Volkswirtschaft) und des Möbelhändlers Hubert Hilti. Eine gute Werbung gelingt auch für das Schaaner Ski-Resort Tschagäl, das im Internet für seine 0,3 km Pistenlänge bejubelt wurde. Besonders, erstmalig, auffällig und ungewöhnlich sind im diesjährigen «Wingert-esel» auch die abgedruckten Lieder. Sie sind unterhaltsam zu lesen, teilweise beissend-spöttisch. Sie bereicherten übrigens die Fasnachtsunterhaltung für Senioren am vergangenen Sonntag in Schaan. Deshalb entschieden sich die Zeitungsmacher, diese gleich auch in die Fasnachtszeitung zu packen. Einmal mehr überzeugen auch die Karikaturen von Erich Bieri, welche dem «Wingertesel» viel Leben und das Meiste seines unvergänglichen Charakters einhauchen und ihn einzigartig machen. (mw)

 

08. Feb 2018 / 10:35
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