• Vor den Attentaten reisten die Eheleute durch Sri Lanka und machten auch halt im Osten.

«Das Land befindet sich in einer Schockstarre»

Heinz Mühlegg und seine Frau Louisa waren aufgrund ihrer sozialen Tätigkeit während der Anschläge in Sri Lanka. Dem Zufall ist es zu verdanken, dass ihnen nichts passiert ist.
Sri Lanka. 

Ostersonntag. In Hotels und christlichen Kirchen in Sri Lanka gehen rund acht Bomben hoch. 321 Menschen – darunter auch Touristen – sterben, über 500 Personen werden verletzt, 42 Menschen festgenommen. Zwei Tage nach den verheerenden Bombenanschlägen in Sri Lanka hat die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Angriffe für sich reklamiert. Mitten in diesem Tumult stecken Heinz und Luisa Mühlegg. Sie wohnen in Liechtenstein, Heinz Mühlegg ist Präsident der liechtensteinischen Stiftung Lankahelp.  

Am Freitag vor dem verhängnisvollen Ostersonntag checkten die Mühleggs in der letzten Station ihrer Reise durch Sri Lanka ein: Ein Hotel, elf Kilometer vom Stadtzentrum Colombo entfernt. Bereits seit sieben Wochen bereisen sie das Land und besuchen dort ihre Projekte – so konnten dank «Lankahelp» in den vergangenen fast 30 Jahren unter anderem auch Schulen und ein Kinderheim gebaut werden. In den Dörfern herrscht Armut. «Dort gibt es Hütten, die würde unsereins nicht als bewohnbar bezeichnen», so Mühlegg. Der Aufschwung, den das Land seit Ende des Bürgerkriegs im Jahre 2009 erlebt, beschränkt sich auf die Städte.  Am besagten Freitag wollten sie zum Abschluss der Reise rund vier Tage Ferien machen. Das taten sie auch. Und so stand am Samstag ein Einkauf auf dem Programm. Dafür fuhren Mühleggs in die Stadt Colombo, kauften ein paar Sachen ein und tranken einen Tee im Shangri-La-Hotel, weil sie dort ein ehemaliges Kinderheim-Kind besuchen wollten. Nach dem Besuch ging’s zurück zum Hotel. Am nächsten Tag erfuhren sie beim Morgenessen durch den Telefonanruf ihres Managers von den Anschlägen. Jener war zu diesem Zeitpunkt in der Nähe einer Kirche, die von einem Anschlag betroffen war. «Diese Nachricht war dramatisch», so Mühlegg. 

«Es herrschte furchtbare Angst»

Währenddessen haben sich laut der Regierung des Landes insgesamt sieben srilankische Selbstmordattentäter in drei Kirchen und drei Luxushotels – unter anderem auch im Shangri-la-Hotel – in die Luft gesprengt. Sie haben der einheimischen radikal-islamischen Gruppe National Thowheeth Jamaath angehört.  Die Anschläge waren nach ersten Erkenntnissen der Regierung als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Das erklärte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament des Inselstaates. Da der Zugang zu den sozialen Medien in Sri Lanka sofort gesperrt wurde, drangen die gesicherten Nachrichten erst gegen Nachmittag zu den Mühleggs und den anderen Gästen des Hotels durch. «Als allen klar wurde, von welchem Ausmass die Anschläge waren, reagierten einige Hotelbesucher panisch. Es herrschte furchtbare Angst», so Heinz Mühlegg. 

Seit dem Jahr 1990 reisen die beiden Eheleute nach Sri Lanka und helfen den Leuten. Mühleggs haben schon so manche bedrohliche Situation miterlebt. So auch den Bürgerkrieg, der von 1983 bis 2009 andauerte und rund 100 000 Todesopfer forderte. Allerdings wurde damals von beiden Seiten darauf geachtet, dass keine Touristen getroffen wurden. Bei den Terroranschlägen waren nun explizit Hotels betroffen. 
Auch den Eheleuten wurde zu diesem Zeitpunkt klar, welches Glück sie gehabt hatten, ihren Tee nicht einen Tag später im Shangri-la-Hotel getrunken zu haben. Angst hat Heinz Mühlegg nicht: «Wenn es mich erwischt, dann erwischt es mich, da kann man nichts machen.» Vor allem die Einheimischen hätten Angst, sie fürchten den erneuten Ausbruch eines Bürgerkrieges. 

Hotel ist seit Sonntag gesperrt

Für das gesamte Land wurde noch am Sonntag die Ausgangssperre und der Ausnahmezustand verhängt. Auch das Hotel, in dem die Mühleggs nächtigten, wurde sofort gesperrt. Kein einziges Auto wurde mehr zum Hotel gelassen und jeder, der das Hotel verlassen oder aufsuchen wollte, wurde strengstens kontrolliert. Ausserhalb des Hotels seien die Hälfte der Geschäfte geschlossen. «Das Land befindet sich momentan in einer Schockstarre», erklärt Mühlegg. Von den Gerüchten, dass die Terroristen angeblich das Trinkwasser vergiftet hätten, hat Mühlegg nichts gehört und sagt klar: «Das sind Gerüchte.» Vor allem hat seiner Meinung nach nun die Politik des Landes ein riesiges Problem, denn die Nachricht, dass es am Ostersonntag Anschläge geben werde, erhielt sie bereits vor zehn Tagen. Sie ging jedoch unter. 

Heinz Mühlegg informiert sich seit Sonntag ständig über die Situation im Land, hauptsächlich über die nationalen Medien. Ob er seinen geplanten Flug gestern Abend antreten konnte, wusste er zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht. «Besteht die Ausgangssperre weiterhin, bräuchte ich eine Polizeibewilligung.» Klar ist jedoch: Heinz Mühlegg und seine Frau werden wieder nach Sri Lanka reisen und weiterhin versuchen, den Ärmsten das Leben ein wenig lebenswerter zu machen. (qus)

23. Apr 2019 / 22:37
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