• Symbolbild Alt, Krank, Altenpflege
    In der LAK durchdringt Palliative Care alle Berufsfelder.  (Daniel Ospelt)

Bessere palliative Versorgung gefordert

Das Palliativ-Netz Liechtenstein ortet verschiedene Lücken in der Versorgung und möchte deshalb einen Diskurs anstossen.

Heute wird weltweit der Hospiz- und Palliativ-Care-Tag begangen. Der jährliche Gedenktag möchte die Versorgung von Patienten mit einer unheilbaren, zum Tode führenden Krankheit in das öffentliche Bewusstsein rücken. In Liechtenstein kümmert sich der Verein Palliativ-Netz Liechtenstein um den multidisziplinären Ansatz mit dem Einbezug von medizinischen, pflegerischen, psychotherapeutischen, sozialen und auch spirituellen Aspekten.

Das Palliativ-Netz möchte den Gedenktag zum Anlass nehmen, ein Bewusstsein zu entwickeln und einen öffentlichen Diskurs über dieses Thema anzustossen. Dies vor allem auch im Hinblick auf die Strukturen der Palliativversorgung in Liechtenstein. «Angesichts der grossen Unterschiede in den Bedürfnissen der Betroffenen, abhängig von Krankheit, Lebensphase und familiärem Umfeld, ist der Versuch, diesen gerecht zu werden, eine herausfordernde gesellschaftliche Anstrengung, der auch eine gesellschaftliche Willensbekundung vorausgehen muss», so Julia Maierhofer, Vizeprä­sidentin des Vereins Palliativ-Netz Liech­tenstein. Es ist für die Ärztin ein Unterschied, ob ein hochbetagter Mensch, eventuell bereits im Pflegeheim lebend, eine zum Tode führende Krankheit bekommt oder eine junge Mutter unheilbar erkrankt. 

Viele Säulen würden in Liechtenstein noch fehlen
So verfügen zwar die LAK-Pflege­heime seit Januar 2018 über ein zertifiziertes Palliative-Care-Angebot. Stationäre Angebote wie etwa eine Fachabteilung im Landesspital oder auch ein eigenes Sterbehospiz fehlen. Auch ein ambulantes Angebot ist nicht vorhanden. Dieses wäre gemäss Julia Maierhofer aber ebenfalls wichtig: «Es gibt viele Patienten, die nach der Stabilisierung der Symptome und der Gesamtsituation in einer stationären Palliativstation gerne die letzten Lebenstage zu Hause verbringen möchten, weiterversorgt durch ein ambulantes multidisziplinäres Palliativ-Team.»

Dass diese Säulen fehlen, kann Maierhofer nicht nachvollziehen,  da die liechtensteinische Bevölkerung    zu Recht vertraue, dass alle Bereiche der Krankenversorgung bis zum Lebensende vorhanden seien. «Es ist für mich unbegreiflich, dass es für Liechtensteiner, für die eine Versorgung in einem palliativmedizinisch zertifizierten Altenpflegeheim nicht passend oder diese zum benötigten Zeitpunkt nicht verfügbar ist, finanzielle Hürden gibt, Strukturen im grenznahen Ausland in Anspruch zu nehmen», erklärt die Ärztin. In der Schweiz würden sich neben den Krankenkassen auch die Kantone an den Kosten für die stationäre oder ambulante Palliativversorgung beteiligen. Hier müsse es selbstverständlich werden, dass für Liechtensteiner anfallende Kostenbeiträge geleistet würden.

Hoffnung auf einen fruchtbaren Dialog
Zum Thema Kosten fordert Julia Maierhofer eine differenzierte Betrachtung: «Eine intensivmedizinische oder tumorspezifische Therapie würde in derselben Situation ja auch bezahlt, egal wo diese in Anspruch genommen wird. Wo diese aber medizinisch keinen Sinn ergibt, darf doch die allumfassende Symptomkontrolle nicht als Wellnessangebot missverstanden werden. In allen Ländern mit hohem medizinischem Standard werden palliativmedizinische Strukturen ausgebaut. Einerseits aus der Erkenntnis, dass es bei allem medizinischen Fortschritt Krankheiten und Konstellationen gibt, in denen die Symptomkontrolle in allen Bereichen und die Reduktion der Apparatemedizin dem Wohle des Patienten dienen. Andererseits ist dies aber auch ressourcenschonend, da notfallmässige Spitalkontakte und lange stationäre Aufenthalte auf Akutstationen vermieden werden.» Die Vizepräsidentin des Palliativ-Netz Liechtenstein hofft auf einen fruchtbaren Dialog mit allen Akteuren über die Zukunft der palliativen Versorgung Liechtensteins. (sap)

12. Okt 2019 / 06:00
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