• Burglar wearing a balaclava looking through the house window
    Einbrecher können nicht nur materielle Schäden verursachen.  (tommaso79)

Auch ein Einbruch in die Seele

Erst ist es ein Schock – danach kommt die Angst. Wer Opfer eines Einbruches geworden ist, hat meist nicht nur materielle Verluste zu verschmerzen, sondern verliert auch die Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Zwei Opfer erzählen.

Elke F.* war nur kurz weg. Als sie um 11.05 Uhr nachhause zurückkehrte, bemerkte sie die offene Kellertüre sowie Licht im Haus. Das kam ihr seltsam vor – dennoch betrat sie das Haus. Und da kam ihr einer von zwei Einbrechern auch schon gleich entgegen. «Ich schrie. Er schrie auch. Ich schrie erneut», erinnert sie sich an die Schrecksekunde. «Dann rief er seinem Komplizen zu ‹Miar muand weg›, die beiden rannten zum Fenster und hauten ab», erzählt Elke F. Obwohl sie die Polizei sofort alarmierte, konnten die Täter leider nicht gefasst werden.  Elke F. und ihr Mann wurden nicht zum ersten Mal Opfer eines Einbruchdiebstahls. Bereits vor vier Jahren wurde in dem Einfamilienhaus eingebrochen. 

Während Elke F. mit dem Schrecken davongekommen ist, trug ein anderes Opfer, David K.*, auch körperliche Schäden davon. Es geschah in einem Januar, so gegen 19 Uhr. David K. lag mit einer Grippe im Bett. Als er Geräusche vernahm, stand er auf und öffnete die Türe des Schlafzimmers. «Da stand schon einer der beiden Einbrecher vor mir. Ich war wie erstarrt, komplett handlungsunfähig. Ich hatte Angst. Vor allem, als ich auch noch den zweiten Einbrecher gesehen habe.» Als er schliesslich fragte, was die Männer wollen, hätten sie ihn ins Schlafzimmer zurückgedrängt, wo er auf sein Bett gefallen sei. «Dann haben sie zugeschlagen. Ich habe einige Faustschläge ins Gesicht kassiert, bevor sie schliesslich abgehauen sind», erzählt David K. «Danach habe ich wie Espenlaub gezittert und sofort die Polizei alarmiert», erinnert er sich an den schrecklichen Vorfall, von dem er Platzwunden und Hämatome davongetragen hat.

Nicht alle Menschen können es verarbeiten

Elke F. und David K. hatten trotzdem Glück im Unglück. Denn beide wurden von psychischen Spätfolgen verschont und können heute mit dem Erlebten gut umgehen. Geblieben ist trotzdem, dass Elke F. nicht mehr gerne alleine zuhause ist und sie nach wie vor fürchtet, dass erneut eingebrochen wird – vor allem nachts. «Schlimmer ist es für meine zwei Kinder im Alter von 7 und 8 Jahren. Sie waren im Haus, als die Spurensicherung durchgeführt wurde. Ich merke, dass es sie beschäftigt und sie fragen oft nach, was denn passiert ist und warum», so Elke F. Auch für David K. ist die Erinnerung an den Einbruch heute nicht mehr belastend und er weiss: «Ich hatte grosses Glück, dass der Vorfall mich nicht traumatisiert hat.»  Tatsächlich leiden 15 bis 20 Prozent der Einbruchsopfer später unter Ängsten, Nervosität, Schlafstörungen, Alpträumen bis hin zu psychomatischen Störungen. «Die eigene Wohnung, das eigene Haus, sollen der sichere Ort sein. Dort kann man sich zurück ziehen, entspannen, loslassen. Man kann sich die eigenen vier Wände als zweite Haut vorstellen», erklärt Psychotherapeut Walter Kranz.  Dieser Vergleich zeige die Verletzbarkeit und die Wirkung der Verletzungen, vor allem durch einen Einbruch,. «Nach einem Einbruch ist die Wohnung eventuell in einem wüsten Zustand. Wenn alles durchwühlt ist, auch oder gerade im Schlafzimmer, wird Intimität verletzt.

Die Angst vor einem erneuten Einbruch kann zu Schlaflosigkeit führen, Betroffene können die Kontrolle, das Hinhören, nicht lassen. Einschlafen heisst auch Kontrolle abgeben.» Manche Betroffene würden die Rückkehr zur Normalität recht locker schaffen. Bei schwierigem Verlauf seien betroffene Personen in einem Dauerstress. «Sie entwickeln vielleicht Panikattacken. Manche wechseln dann die Wohnung, um die Bilder in ihrem Kopf loszuwerden, Bilder der Beschädigungen zum Beispiel.» Leider haben Angst und Panik laut Kranz eine Tendenz, sich zu verselbständigen, zu «generalisieren», sich von der primären Ursache abzulösen. «Spätestens dann sollte man fachliche Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt wirksame Methoden der Traumatherapie, sie kommen in der Regel ohne Medikamente aus.» (dv)

*Die Namen der Betroffenen wurden geändert
07. Feb 2019 / 05:00
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