• Christoph Stöckel
    Christoph Stöckel von der Flüchtlingshilfe erklärt die Idee des Flüchtlingslohns. Bild: Daniel Schwendener  (Daniel Schwendener)

Asylsuchende sollen einen Flüchtlingslohn erhalten

Weil die Chancen von Asylsuchenden auf dem nationalen Arbeitsmarkt schon lange mehr schlecht als recht sind, bringt die Flüchtlingshilfe einen Flüchtlingslohn ins Spiel.

Die Zeiten für Asylsuchende auf dem hiesigen Arbeitsmarkt waren schon mal besser. Damals, in den 1990er-Jahren, als im ehemaligen Jugoslawien der Krieg tobte und es Menschen auf der Suche nach Schutz vermehrt auch nach Liechtenstein verschlug, reagierte das Fürstentum auf die Situation unter anderem mit veränderten arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Flüchtlinge sollten hier fortan ohne Anlaufzeit auf Arbeitssuche gehen und Geld verdienen können. «Und das hat sich in der Folge auch bewährt», sagt Thomas Lendi, Geschäftsführer des Vereins Flüchtlingshilfe. Für beide Seiten. Am Markt bestand Bedarf an Arbeitskräften im Tieflohn-Segment. Umgekehrt hätten nicht wenige ihre spätere Rückkehr in die Heimat mit mehreren 10 000 Franken antreten und so mit ihrer Familie eine neue Existenz aufbauen können, erzählt der stellvertretende Geschäftsführer, Christoph Stöckel.

Die Gegenwart ist eine andere. Wer heute im Fürstentum Asyl beantragt oder als vorläufig aufgenommene Person gilt, hat auf dem Arbeitsmarkt meist einen schweren Stand. Sogenannte Low-Level-Jobs seien oft schon durch andere ausländische Arbeitnehmer besetzt oder wegrationalisiert worden, so Lendi. Bietet sich dennoch eine Jobchance, treten Asylsuchende unweigerlich in Konkurrenz zu besser qualifizierten Arbeitskräften. Sie sind per Gesetz «mit jedem x-beliebigen Arbeitnehmer gleichgestellt», erklärt Stöckel. Heisst auch: Wie jedem anderen Arbeitnehmer steht ihnen der Mindestlohn zu. Für Arbeitgeber macht sie das nicht eben attraktiver. Was im Sinne des Asylsuchenden gedacht war, gerät ihm zum Nachteil.

Die Hemmschwelle herabsetzen

Um hier gegenzusteuern, hat die Flüchtlingshilfe unter Einbezug von Vertretern aus Wirtschaft und Politik die Idee eines Flüchtlingslohns entwickelt. Der Ansatz sieht vor, dass Asylsuchende zu einem in allen Branchen identischen Stundenlohn eingestellt werden, der unterhalb ihres jetzigen Mindestverdienst angesiedelt ist. Die Hemmschwelle, eben diese Personen zu engagieren, soll so herabgesetzt werden. Dreimal, immer im Abstand von vier Monaten, wird der Lohn des Arbeitnehmers anschliessend erhöht, bis am Ende ein Niveau erreicht wird, das mit dem heutigen vergleichbar ist.
Noch ist der Flüchtlingslohn nichts weiter als ein Konzept. Die ersten Rückmeldungen lassen die Urheber aber zuversichtlich in die Zukunft blicken. Sowohl der ArbeitnehmerInnenverband als auch das Ausländer- und Passamt haben dem Projekt laut Stöckel ihre Zustimmung erteilt. Für ihn ist das nicht weiter überraschend: «Der Flüchtlingslohn schafft eine Win-Win-Situation.» (ob) 

28. Feb 2018 / 06:00
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