• Reportage Alp Gapfahl in Steg
    Hüten rund 50 Mutterkühe mit Kälbern auf der Alp Gapfahl: Martin Bürzle mit seinen Söhnen Samuel und Vincenc.  (Daniel Schwendener)

Anzahl Mutterkühe in den Alpen zugenommen

Die Alpbetreiber in Liechtenstein müssen gewisse Massnahmen umsetzen, um Konflikte zwischen Rindvieh und Wanderer zu vermeiden.

Das Konfliktpotenzial zwischen Kühen und Wanderern in den Alpen steigt. Der zunehmende Bergtourismus und die vermehrte Haltung von Mutterkühen sind die Gründe dafür. Denn Mutterkühe schützen ihre Kälber und können angreifen, wenn sie eine Situation als bedrohlich wahrnehmen. So häufen sich auch Unfälle mit Todesfolge. Hauptursache ist meistens das Mitführen eines Hundes, der von der Kuh als Raubtier eingestuft wird. Aktuell wurde vor zwei Wochen in der Schweiz ein Hund von Mutterkühen zu Tode getrampelt.
In Liechtenstein sind gravierende Unfälle mit Rindvieh im Alpgebiet selten. Der letzte Zwischenfall, bei dem eine Person verletzt wurde, liegt einige Jahre zurück. Trotzdem haben das Amt für Umwelt und die Alpbesitzer auf die Veränderung reagiert. Denn die Anzahl Mutterkühe auf Liechtensteins Alpen hat stark zugenommen. Auf fast drei Viertel aller Liechtensteiner Inlandalpen befinden sich Mutterkühe. Laut Daten vom Amt für Umwelt wurden 2018 346 Tiere gesömmert, welche der Kategorie Mutter- und Ammenkühe zugeordnet werden. Das sind 13 Prozent aller Tiere auf den Alpen und rund doppelt so viele Tiere wie noch vor zehn Jahren. 

Reportage Alp Gapfahl in Steg

Mutterkühe gibt es in unterschiedlichen Rassen. Für Wanderer kann es deshalb schwierig sein, zu erkennen, ob es sich bei einer Rinderherde um Mutterkühe ­handelt.

Vorsichtsmassnahmen müssen umgesetzt werden

Nach der überarbeiteten Sömmerungsverordnung sind die Alpbetreiber verpflichtet, Mutterkuhweiden mit einer offiziellen Warntafel zu kennzeichnen. Weiters muss dafür gesorgt werden, dass abkalbende Mutterkühe, Mutterkühe mit jungen Kälbern und Mutterkühe nach Abort auf einer Weide abseits der Wanderwege untergebracht werden. Ausserdem werden Tiere, die aggressiv auf den Menschen reagieren, in Liechtenstein nicht geduldet. So ist das Alppersonal verpflichtet, das Verhalten der Mutterkühe intensiv zu beobachten und auffällige Tiere dem Alpvogt zu melden und erste Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Diese Tiere müssen unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb 24 Stunden in den Heimbetrieb zurückgestellt werden. 
Trotz Vorsichtsmassnahmen sind Zwischenfälle nicht auszuschliessen. Dies zeigt ein tödlicher Vorfall im Jahr 2014 in Österreich, der vor Gericht landete. Der Alpwirt wurde in erster Instanz verurteilt. Die Unsicherheit in Österreich ist nun gross. Es wird sogar darüber diskutiert, die Alpen für den Tourismus zu sperren. 

Reportage Alp Gapfahl in Steg

Die grünen Warnschilder kennzeichnen eine Weide, wo sich Mutterkühe befinden. Die Weide darf betreten werden, aber die Rinderherden sollten umgangen werden.

Haftungsfrage ist eine zivilrechtliche Angelegenheit

In Liechtenstein ist die Sperrung der Alpen für Wanderer zwar kein Thema, aber auch hier ist bei einem Unfall die Haftungsfrage eine zivilrechtliche Angelegenheit. «Es ist zwingend notwendig, dass Betriebe, die Mutterkühe halten eine Haftpflichtversicherung abschliessen, in der durch Tiere verursachte Unfälle miteingeschlossen sind», sagt Daniel Kranz vom Amt für Umwelt. Auch müssen die Alpbetreiber nachweisen können, dass sie alle Massnahmen zur Verhinderung von Unfällen getroffen haben. Die Massnahmen können mit Hilfe einer Checkliste geprüft, umgesetzt und dokumentiert werden. Bei einem allfälligen Unfall wird zur Klärung der Haftungsfrage aber auch das Verhalten des Freizeitnutzers bewertet. Für diesen gilt, Abstand zu weidenden Rindviehherden zu halten und Hunde davon abzuhalten, sich der Herde zu nähern. (manu)

 
Verhaltensregeln für Wanderer
 
Auf Hinweistafeln der Alpbetriebe achten
 
Ruhiges Verhalten im Nahbereich von Rinderherden – insbesondere bei Mutterkühen. Tiere nicht mit hektischen Bewegungen erschrecken
 
Tiere nicht streicheln oder füttern. Vor allem Kinder vom Streicheln und Füttern der Kälber abhalten
 
Nicht direkt durch Herden durchgehen. Insbesondere nicht zwischen Kuh und Kalb
 
Frühzeitig in grossem Bogen ausweichen, vor allem wenn ein Hund dabei ist. Den Hund anleinen und wenn möglich oberhalb der Herde vorbeigehen
 
Hunde davon abhalten, sich den Herden zu nähern
 
Hunde im Falle eines Angriffs sofort von der Leine lassen und sich in Sicherheit bringen. Ein Angriff ist in der Regel gegen den Hund und nicht gegen den Menschen gerichtet
10. Aug 2019 / 06:00
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