• Jury Wort des Jahres
    Eine Jury unter der Leitung von Daniel Quaderer (rechts) wählte «Regenwassergebühr» zum Wort des Jahres in Liechtenstein.

«Regenwassergebühr» ist das Wort des Jahres

Eine sechsköpfige Jury kürte am Freitag aus 400 Vorschlägen das Wort «Regenwassergebühr» zum Liechtensteiner Wort des Jahres gekürt. Das Unwort des Jahres heisst «Sozialexport». Das Dialektwort des Jahres ist der Ausspruch «Hoi metanand».
Vaduz. 

Der kleine Bürger gegen das Establishment: Nicht nur in den USA, sondern auch in Liechtenstein haben Menschen das Gefühl, von der politischen Elite nicht ernst genommen zu werden. Exemplarisch dafür steht die im Jahr 2016 in Triesen eingeführte «Regenwassergebühr». Kaum wurden die Pläne zur Einführung dieser Gebühr bekannt, regte sich heftiger Widerstand. «Unser Volk soll nicht zahlungspflichtig werden, wenn es regnet», hiess es dazu in einem Leserbrief. Knapp 1100 Unterschriften wurden gesammelt, der Gemeinderat liess sich jedoch nicht erweichen und hielt an der Gebühr fest. Schliessich  ist die Gemeinde von Gesetzeswegen dazu verpflichtet, die Kosten für Abwasseranlagen kostendeckend nach dem Verursacherprinzip auf die Einwohner aufzuteilen.

Unwort des Jahres: Sozialexport

Das Arbeitsortprinzip gibt vor, dass Beiträge oder Prämien für Sozialleistungen dort anfallen, wo gearbeitet wird. Und konsequenterweise auch dort ausbezahlt werden, wo gearbeitet wird. Wegen des hohen Anteils von Grenzgängern wird in Liechtenstein bei der Auszahlung ein Teil der Sozialleistungen wie z.B. AHV-Gelder ins Ausland exportiert. Dass diese Selbstverständlichkeit „Wer gibt, dem wird gegeben“ unter dem Schlagwort «Sozialexport» von einem Teil der Bevölkerung hinterfragt wird, erachtet die Jury despektierlich gegenüber den Menschen, die den Wirtschaftsmotor des Landes am Laufen halten. Deshalb wurde «Sozialexport» zum Unwort des Jahres gewählt.  

Satz des Jahres: Wir brauchen gleich lange Spiesse

Während Jahrzehnten bildete die Grenze Liechtenstein - Schweiz kein Hindernis für grenzüberschreitende Arbeitsaufträge. Erst als Liechtenstein mit dem EWR-Beitritt eine andere Integrationspolitik als die Schweiz einschlug, kam es zu Problemen. Im Rahmen der flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit unterstellte die Schweiz Liechtenstein den gleichen Bedingungen wie die anderen Nachbarländer. Für das liechtensteinische Gewerbe, das ab 2011 mit einer Meldepflicht, einer Kautionspflicht und einer zeitlichen Beschränkung für Arbeitsaufträge konfrontiert wurde, ein schwer nachzuvollziehender Vorgang. Die Wirtschaftskammer Liechtenstein und viele KMUs intervenierten seit mehreren Jahren bei der Regierung und organisierten im Frühjahr 2016 sogar eine Demonstration «für gleich lange Spiesse» vor dem Regierungsgebäude. Das scheint genützt zu haben. Am 1. Dezember konnte eine verbesserte Regelung mit der Schweiz getroffen werden.

Dialektwort/Begriff des Jahres: Hoi metanand

Der Gastauftritt Liechtensteins an der Olma in St. Gallen stand unter dem Motto «Hoi metanand».  Das ist der typische Gruss eines Liechtensteiners, wenn er mehr als eine Person trifft. Die Duzis-Kultur sollte in der Schweiz Sympathien für Liechtenstein wecken.  

Zahl des Jahres: 13‘295

Von 1971 bis 2015 erhielten gemäss Einbürgerungsstatistik 7372 ehemalige Ausländer mit Wohnsitz im Fürstentum die liechtensteinische Staatsbürgerschaft. Berücksichtigt man auch die 5923 im Ausland wohnhaften eingebürgerten Personen, erhielten 13 295 Personen den blauen Pass. Das ist mehr als ein Drittel der heutigen Bevölkerung Liechtensteins.

Die Jury 

Die Aktion «Wort des Jahres» wird seit 2002 in Zusammenarbeit mit dem Liechtensteiner Presseclub (LPC) durchgeführt. Dabei werden wichtige Begriffe gesucht, die in Liechtenstein während des Jahres den öffentlichen Diskurs wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben. Als Jurypräsident amtet Daniel Quaderer vom Büro Wort des Jahres. In der Jury sitzen Sandra Djordjevic (1FLTV), Doris Frick (FL-Botschafterin in Bern), Dr. Dieter Gunz (Universität Liechtenstein), Peter Rutz (LPC-Präsident) und Günther Meier (LPC und Publizist).  (pd)

09. Dez 2016 / 10:56
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