• Drogen-Prozess
    Die Tochter bestritt, in die Drogengeschäfte ihres Vaters involviert gewesen zu sein.  (D-Keine)

Wegen Drogengeschäften vor Gericht

Während der Vater in U-Haft sitzt, musste sich die Tochter gestern vor Gericht verantworten. Ihr wurde vorgeworfen, in die Drogengeschäfte involviert gewesen zu sein.

«Ich schwör’s dir, ohne Scheiss, wir haben den Stoff nicht gestreckt, aber wir wollen dir auf alle Fälle entgegenkommen», spricht eine junge Frau durchs Telefon. Es ist die Stimme einer 31-jährigen Frau aus der Schweiz, die sich gestern vor Gericht verantworten musste. Dass sie dies jemals gesagt haben soll, kann sie nicht bestreiten. Weil die Behörden schon länger den Verdacht auf Drogenhandel hatten, wurden Telefonate abgehört und aufgezeichnet.  Sie leugnet dennoch, an dem Drogengeschäft aktiv beteiligt gewesen zu sein. «Ich habe diesen Anruf für meinen Vater gemacht.» Dieser sei während des Telefonats zwar neben ihr gestanden, sei aber nicht fähig gewesen, mit dem Drogenkunden selbst zu sprechen. Zugedröhnt. «Er hat mich angeleitet, was ich sagen muss und ich habe diesen Gefallen für ihn getan», sagte sie vor dem Richter.

Nachdem sich das Gericht den aufgezeichneten Anruf  während der Verhandlung am Landgericht Vaduz gestern noch einmal angehört hat, stellte der Richter allerdings fest, dass sie sich wie eine «Geschäftsfrau» anhöre. In dem Gespräch betont sie immer wieder, dass sie nur gute Qualität verkaufen würden. Sie bot dem Abnehmer schliesslich an, dass er den Stoff sofort zurückbringen könne, sie würden es für ihn «aufkochen» und ihm wieder zurückgeben, denn er sei ein langjähriger, guter Kunde. Er solle anrufen, sobald er bei der Wohnung angekommen sei, sie würde ihn abholen. Die Tochter spricht ohne Pausen, wie sie zu erwarten wären, hätte sie ihr Vater Satz für Satz angeleitet, wie sie behauptet. «Das mag für Aussenstehende vielleicht wirklich so klingen, als wäre ich involviert gewesen», räumte sie gestern ein. «Ich habe aber weder Verkäufe getätigt noch mit Drogen gehandelt», beteuerte die 31-Jährige. «Ich habe nur im Namen meines Vaters gehandelt.» Ebenso, als sie in die Schweiz gefahren sei und ihm Geld gegeben habe, um dort Kokain abzuholen. Worum es bei dem Geschäft genau ging, darüber sei nie gesprochen wurde. «Aber ja, ich konnte es mir schon denken.»

Hochschwanger und ab dem Sommer arbeitslos

Schliesslich gab die Beschuldigte gestern auch zu, einst Kokain an drei Personen verkauft zu haben. An weitere Verkäufe könne sie sich nicht erinnern. «Es kann schon sein, dass ich in der Wohnung meines Vaters Stoff an Abnehmer übergeben habe, aber wissen tu ich es nicht mehr.»

Der Verteidiger stellte den Antrag auf Diversion. Die Sachlage sei klar und die Beschuldigte sei geständig, begründete der Verteidiger. Der Richter liess sich darauf ein und stellte das Strafverfahren ein. Er verhängte eine Geldbusse in der Höhe von 3000 Franken. Die 31-Jährige – hochschwanger und ab dem Sommer arbeitslos – bat um eine Ratenzahlung, 1000 Franken pro Monat könne sie stemmen.

Weniger glimpflich könnte es für ihren Vater ausgehen, der in U-Haft sitzt. Die untersuchungsrichterlich bewilligte Abhörung von Telefongesprächen erhärtete den Verdacht, dass der in Schaan wohnhafte Mann Kokain an Konsumenten in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz verkaufte. Im Rahmen der arbeitsintensiven Untersuchung hat die Polizei über 700 abgehörte Telefonate ausgewertet und 41 mutmassliche Abnehmer befragt. In der von der Staatsanwaltschaft eingebrachten Anklageschrift wird ihm vorgeworfen, von Herbst 2017 bis zur Verhaftung mindestens 1200 Gramm Kokain angekauft und an zahlreiche Konsumenten für 100 bis 120 Franken pro Gramm verdealt zu haben. Der Strafrahmen beträgt 1 bis 20 Jahre Freiheitsstrafe. (bfs)

10. Mai 2019 / 08:35
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