• 9-Millimeter-Patronen der Ruag laufen durch den Fabrikationsprozess
    Ein Hilfsinstruktor verletzte einen Besucher einer Schaaner Schiessanlage durch einen sich lösenden Schuss.  (Keystone)

Schiessunfall: Bedingte Geldstrafen verhängt

Ein Probeschiessen im Shooting-Center in Schaan im Juli 2019 endete fatal: Ein Besucher verletzte sich am Rücken schwer. Am Donnerstag Nachmittag kam es zur Gerichtsverhandlung.

«Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen», sagte der Geschäftsführer des RMS Shooting Centers in Schaan. Und zwar auf jenen Nachmittag im Juli vergangenen Jahres, als sich in dem Schiesskeller ein Schuss der Langwaffe Winchester löste und sich dadurch ein Gast durch mehrere Kugelsplitter am Rücken schwer verletzte. Gestern musste sich der Geschäftsführer vor Gericht verantworten, ebenso wie sein Hilfsinstruktor, der die Waffe an der Wand deponierte, ohne zu kontrollieren, ob sie noch geladen war. Der Schiesskeller war an jenem Nachmittag von einer Gruppe von Männern gebucht, die dort einen Junggesellenabschied feierte. Für einer von ihnen endete diese Feier im Krankenhaus mit 14 Kugelsplittern im Rücken. Drei weitere Männer verletzten sich leicht. Allesamt erlitten die Männer einen Schock. 

«Ich konnte den Unfall noch nicht verdauen»
Ein Schock war es auch für den Hilfsinstruktor, ein 34-jähriger Mann aus der Schweiz. Er bezeichnete sich selbst als einen «guten und erfahrenen Schützen», wie er sagt. Auch habe er mit einer Winchester schon geschossen und wisse wie die Waffe funktioniere. Eine ausdrückliche Instruktion des Geschäftsführers für den Umgang mit dieser Langwaffe hätte es aber nicht gegeben. So hätten sie abgemacht, dass er sich während des Events um die Pistolen kümmert und der Geschäftsführer um die Langwaffen. «Beim Aufräumen hat es sich dann aber anders ergeben», so der Hilfsinstruktor. Während der Geschäftsführer die Männergruppe aus dem Keller in den Eingangsbereich zu ihrem Apéro begleitete, habe er die Langwaffe an der Waffenwand versorgen wollen. «Ich kann mir heute noch nicht erklären, weshalb ich zuvor nicht kontrolliert habe, ob sie noch geladen ist.» Ebenso wenig, weshalb er die Waffe bei der Abzugsöffnung einhängte anstatt bei der Griffhalterung. Zudem war der Lauf auf die Männergruppe gerichtet – mit fatalen Folgen: Beim Aufhängen der Waffe löste der Haltebolzen den Abzug. Das Projektil traf zuerst das Visier einer anderen Langwaffe, wobei es zersplitterte. Die Splitter trafen schliesslich den Mann, der unmittelbar daneben stand, am Rücken. 
Seit dem Unfall habe er den Schiesskeller kaum mehr besucht – «ich konnte den Unfall noch nicht verdauen», sagte der Hilfsinstruktor. «Die Schuld trage ich – und es tut mir leid.»

Geschäftsführer will extra nicht entladen haben
Der Geschäftsführer des Shooting-Centers bekannte sich gestern nicht schuldig. Allerdings trage er die Verantwortung dafür, wie er sagte. Als er die Winchester auf den Tische legte, habe er bewusst nicht kontrolliert, ob es noch Munition im Lager der Waffe hätte. «Denn hätte ich die Waffe vor den Besuchern entladen, hätten die sich ganz schön erschrocken, weil dabei die Patronen wild durch die Luft geflogen wären.» Eine Erklärung, die der Richter dem Geschäftsführer aber nicht abnehmen wollte. «Das Entladen der Waffe gehört ganz klar zur Professionalität», argumentierte er und ärgerte sich ausserdem darüber, dass die Waffen an der Wand aufgehängt und nicht beispielsweise in einem Schrank deponiert werden. «Die Halterung habe ich vom Lieferanten übernommen», rechtfertigte sich der Geschäftsführer. Mittlerweile hänge er die Waffen aber anders auf. Und als weitere Konsequenz arbeite er bei einem Event auch nicht mehr mit Hilfsinstruktoren zusammen. «Entweder ich führe das Probeschiessen mit den Gästen alleine durch oder es wird mich dabei mein Sohn unterstützen, der mittlerweile bestens geschult ist.»

Andauernde gesundheitliche Folgen
Solch ein Probeschiessen wird das Opfer dieses Schiessunfalls bestimmt nicht mehr so schnell besuchen. 14 Splitter bohrten sich in seinen Rücken, davon konnten bei einer Operation unter Vollnarkose acht entfernt werden. Sechs Splitter verblieben in seinem Körper, einer davon in der Wirbelsäule. Einen Monat lang war der Mann krank geschrieben und noch heute hat er durch die Muskelverletzungen starke Rückenschmerzen, die ihn in seinem Alltag einschränken. Das Opfer möchte dafür einen Zuspruch von rund 120 000 Franken geltend machen. 
10 000 Franken erkannte der Hilfsinstruktor gestern an, entsprechende Gespräche mit der Versicherung seien im Gange. Ebenso sprach der Geschäftsführer dem Opfer eine noch unbestimmte Geldsumme zu, auch er sei mit der Versicherung noch im Gespräch. 

Anträge auf Diversion abgewiesen
Beide Angeklagten stellten einen Antrag auf Diversion, wogegen sich der Staatsanwalt aber vehement aussprach. Für ihn handle es sich um eine grobfahrlässige Körperverletzung, da sei eine Diversion ausgeschlossen. Auch der Richter sah schliesslich von einer Diversion ab. Er verhängte dem Hilfsinstruktor eine bedingte Geldstrafe in der Höhe von 240 Tagessätzen à 80 Franken, womit die gesamte Geldstrafe 19 200 Franken beträgt. Lässt sich der bislang unbescholtene Mann drei Jahre lang nichts zu Schulden kommen, muss er die Geldstrafe nicht bezahlen. Dem Geschäftsführer verhängte der Richter ebenfalls eine bedingte Geldstrafe mit 120 Tagessätzen, wobei er den einzelnen Tagessatz mit 50 Franken bemass, so dass die Strafe schliesslich 6000 Franken beträgt. Weiters verhängte er gegenüber dem Shooting-Center eine sogenannte Verbandsgeldstrafe in der Höhe von 2000 Franken. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. (bfs)

05. Mär 2020 / 19:28
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