• Mit sexuellem Bildmaterial erpresst
    Ein aufregendes Sexabenteuer im Internet kann sich ganz schnell in einen Albtraum verwandeln.  (lolostock)

Die Verlockung der emotionalen Distanz

Das «typische» Opfer einer Erpressung durch sexuelles Bildmaterial gibt es laut Psychologin Sonja Hersche nicht. Abgesehen davon, dass die Betroffenen meist männlich sind. Was jedoch stets zum Tragen kommt, ist die Heimtücke medialer Kommunikation.
Vaduz. 

Dass Aufnahmen, die sie in einem eindeutig sexuellen Kontext zeigen, ins Internet gelangen, ist für die meisten Menschen ein schlimmer Gedanke. «Sextortion», die Erpressung mit delikaten Bildern und Videos, setzt genau hier an. Nur wer die finanziellen Forderungen des Täters erfüllt, entgeht der öffentlichen Demütigung. Oder hat zumindest die Chance darauf. Immer wieder wird das Bildmaterial am Ende trotzdem publik. 
Auch in Liechtenstein geraten Personen in die Fänge von Online-Erpressern. Die Landespolizei spricht von fünf Sextortion-Fällen im jährlichen Durchschnitt. Erst letzte Woche informierte sie in einer Presseaussendung über einen jungen Mann, den eine unbekannte Täterin mit Filmsequenzen aus diversen Videochats zur Zahlung von mehreren Tausend Franken nötigen wollte. Zu einem Geldtransfer kam es nicht. Stattdessen erstattete das Opfer Anzeige.
Männer und Frauen leben Sexualität unterschiedlich
Das Beispiel des jungen Liechtensteiners entspricht insofern der grossen Mehrheit der weltweiten Fälle, als dass der Betroffene ein Mann ist. Für Sonja Hersche, selbstständige Psychotherapeutin und ehemalige Leitende Psychologin Forensik der Klinik Beverin, ist diese Geschlechterverteilung keine Überraschung. «Männer bewegen sich häufiger auf Online-Dating-Plattformen als Frauen, und sie sind auch rascher bereit, auf sexuelle Aufforderungen einzugehen», sagt sie. Zudem zeige die Forschung, dass Männer und Frauen Sexualität unterschiedlich lebten. «Nehmen wir nur das Beispiel, dass die Anzahl Liebschaften bei Frauen und Männern sozial unterschiedlich gewertet wird. Eine Frau wird rasch zum ‹Flittchen›, ein Mann zum ‹tollen Hecht›. In psychologischer Hinsicht wird oft beobachtet, dass Frauen Sexualität eher als Mittel zum Erhalt der Bindung sehen. Sexualität innerhalb der Beziehung ist also sehr wichtig. Für Männer hingegen ist Sexualität oft bereits das Mittel, das überhaupt zu einer Beziehung führt.» (bo)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Samstag, 28. Oktober 2017.

 

28. Okt 2017 / 06:13
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