• LIHK 2017
    Brigitte Haas: «In einigen Exportmärkten gibt es ein Licht am Horizont.»  (zvg)

«Weitsichtige Investitionen tätigen»

Das gute Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern lässt LIHK-Geschäftsführerin Brigitte Haas zuversichtlich in die Zukunft blicken. Kurzarbeit ist für sie das wichtigste Instrument aus dem Massnahmenpaket der Regierung.

Weltweit leidet die Wirtschaft unter den Folgen von Covid-19. Auch Liechtenstein bleibt nicht verschont. Als Wirtschaftsverband und Arbeitgebervertretung ist die Liechtensteinische Industrie- und Handelskammer (LIHK) gefordert. 

Brigitte Haas, welches waren bzw. sind für die LIHK die grössten Herausforderungen? Müssen Sie und Ihre Mitarbeitenden Überstunden schieben? 
Brigitte Haas: Seit Ende Februar sind wir als Verband tagtäglich mit den vielen offenen Fragen beschäftigt, die sich unseren Mitgliedsunternehmen aufgrund der Coronakrise stellen. Wir geben unser Bestes, um kreative Wege und Lösungen zu finden, damit die Probleme pragmatisch und rasch gelöst werden. Und ja, wir stemmen in den letzten Monaten sehr viel – dafür auch ein herzlicher Dank an mein engagiertes Team.

In einem gemeinsamen Papier haben LIHK, Wirtschaftskammer und LANV Antworten zu rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit Covid-19 zusammengestellt. Wer spricht persönlich mit welchen Anliegen vor? 
Ob grosse oder kleinere Mitgliedsunternehmen, alle haben aufgrund der nie dagewesenen Situation viele Fragen. Beispielsweise ging oder geht es um Wohnortsperren, Quarantäne, Homeoffice, Kurzarbeit, Grenzübertritte, besonders gefährdete Personen, Lohnfortzahlung, Betriebskantinen-Einschränkungen, Schutzkonzepte, Ferien und vieles mehr.

Liechtensteins Exporte haben im 2. Quartal 2020 um knapp 40 Prozent ab­genommen. Eine Zahl, die Sorgen macht?
Liechtenstein ist als exportorientiertes Land mit einem sehr kleinen Heimmarkt auf eine weltweit funktionierende Wirtschaft angewiesen. Der starke Einbruch zeigt, dass derzeit die ganze Weltwirtschaft leidet und wir davon nicht ausgenommen sind. In einigen Exportmärkten gibt es ein kleines Licht am Horizont, jedoch werden die nächsten Monate sehr herausfordernd.

Im März hat Liechtenstein ein Hilfspaket für die Wirtschaft in Höhe von 100 Millionen Franken geschnürt. Die Gemeinden haben zusätzlich 20 Millionen gesprochen. Das wird wohl nicht reichen.
Den heutigen Stand der Ausgaben kennen wir nicht. Die Abrechnungen bei Kurzarbeit können beispielsweise bis zu drei Monaten verzögert gestellt werden, weshalb kaum wirklich aussagekräftige Zahlen vorliegen und es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, eine Aussage zu machen.

Mehr als 500 Unternehmen haben bisher Kurzarbeit angemeldet. Werden viele weitere dazukommen?
Das ist sehr wahrscheinlich, denn es gibt Betriebe, bei denen die Krise sich erst verzögert bemerkbar macht. Jedoch darf gesagt werden, dass es auch Unternehmen gibt, die derzeit wieder von der Kurzarbeit absehen können.

Kann Kurzarbeit, die in den letzten Monaten wohl den grössten Teil des Hilfspakets in Anspruch genommen hat, die Situation abfedern?
Kurzarbeit ist für die LIHK-Mitgliedsunternehmen das wichtigste Instrument aus dem Massnahmenpaket der Regierung. Die Betriebe setzen alles daran, Entlassungen möglichst zu vermeiden und Arbeitsplätze zu erhalten, um nach dem Abflachen der Krise mit den angestammten Mitarbeitenden zu neuer Stärke zu finden. Für Kurzarbeit sind 50 Millionen aus den 100 Millionen des Massnahmenpakets vorgesehen. Gemäss meinen Informationen sind von März bis Anfang Juli ca. 22 Millionen abgerechnet worden. Wie bereits erwähnt, kann Kurzarbeit jedoch bis zu drei Monaten verzögert abgerechnet werden. So­mit sagt die Zahl nicht aus, wie viel Kurzarbeit z. B. bis Ende Juni wirklich genutzt werden musste. Der Abrechnungsstand per Ende Juni ist erst Ende September klar.

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen trifft es teilweise hart. Wer steht auf der Kippe? Sind hierzulande auch grosse Player gefährdet?
Generell werden es Unternehmen schwer haben, die schon vor der Coronakrise Schwierigkeiten hatten. Sie haben wahrscheinlich nur ein geringes Finanzpolster, das bereits während der Krise für Löhne und Mieten aufgebraucht wird und somit für notwendige Investitionen fehlt.

Die LIHK setzt sich für circa 40 Mitgliedsunternehmen ein. Unterstützung benötigen jedoch gerade jetzt auch Nichtmitglieder. 
Viele Lösungen, welche die LIHK gemeinsam mit den Ministerien oder den Amtsstellen finden konnte, kommen allen Unternehmen und Arbeitskräften im Land zugute. Unterstützung ist wichtig, weshalb vielleicht weitere Unternehmen Verbänden beitreten und dadurch Solidarität und Anerkennung für die wichtige Verbandsarbeit zeigen.

Einige Unternehmen setzen nicht nur auf die Risiko­länderliste der Behörden, sondern wenden strengere Kriterien für ihre Mitarbeiter an. Wäre hier nicht eine ganzheitliche Regelung angezeigt? 
Jedes Unternehmen ist der Gesundheit aller seiner Mitarbeitenden verpflichtet. Deshalb ist es Sache der Betriebe, welche Kriterien sie anwenden, um ihre Verantwortung wahrnehmen zu können. Sie informieren ihre Mitarbeitenden im Vorfeld über diese Risikoländerlisten. Es sollte derzeit jedem Einzelnen von uns bewusst sein, in welch herausfordernden Zeiten wir leben und wir alle – Betriebe ebenso wie Mitarbeitende – eine grosse Verantwortung für die Gesundheit aller tragen.

Wirtschaftsminister Daniel Risch ist überzeugt, die Krise gemeinsam gut meistern zu können. Sind Sie derselben Ansicht? 
Die Massnahmenpakete der Regierung spielen eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Krise. Die LIHK ist überzeugt davon, dass das gute Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern dazu beiträgt, um zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können. Neben dem Krisenmanagement braucht es nun auch weitsichtige Investitionen in die Zukunft unseres Landes, wofür aktuell der wichtige Ausbau der S-Bahn steht.

Interview: Gabi Eberle

31. Jul 2020 / 06:09
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