• Vortrag in Vaduz
    Regierungsrätin Aurelia Frick weigerte sich Originalrechnungen vorzulegen.  (Daniel Schwendener)

Über 100'000 Franken für den «äusseren Auftritt»

Heute sollte Regierungsrätin Frick der GPK des Landtags nun endlich die ungeschwärzten Rechnungen für die Beraterhonorare 2018 vorlegen. Im Fokus stehen dabei die Dienstleistungen von Maria Pinardi – keine Unbekannte in Liechtenstein.

Vor einer Woche kam es im Landtag fast zum Eklat. Grund war die Weigerung von Regierungsrätin Aurelia Frick, der Geschäftsprüfungskommission (GPK) Originalrechnungen im Rahmen der Kontrolle der Landesrechnung vorzulegen. Es geht gemäss GPK um etwa 60 Rechnungen für Beratungen. Unklarheiten gab es für die GPK vor allem bei Beratungen im Kommunikations- und Medienbereich. «Aufgrund der vorliegendenden Rechnungskopien ergaben sich für die GPK weitere Fragen, da nicht erkennbar war, um was für konkrete Dienstleistung es sich handelte», erklärte die GPK in einer Stellungnahme. Vor allem verlangte die GPK auch die Detail-Listen, welche bei gewissen Rechnungen erwähnt wurden.

Doch Regierungsrätin Aurelia Frick weigerte sich am 27. Mai, der GPK die Listen auszuhändigen. Nach der erneuten Intervention erhielt sie die Listen mit geschwärzten Stellen, «aufgrund des Persönlichkeitsschutzes» der Personen, welche bei den Gesprächen mit den Beratern anwesend waren. Nach der Debatte im öffentlichen Landtag wich Regierungsrätin Aurelia Frick doch von ihrer Haltung ab und versprach der GPK, dass sie heute die Listen ungeschwärzt vorlegt. Dies zurecht, wie die grosse Mehrheit der Landtagsabgeordneten der Ansicht ist. Denn die GPK hat als Kontrollorgan  das Recht, in sämtliche Unterlagen der Regierung, der Verwaltung und der Justizverwaltung Einsicht zu verlangen.

Der GPK-Vorsitzende Thomas Rehak erklärte im Landtag mehrmals, dass es bei der Kontrolle der Beraterrechnungen darum geht, festzustellen, ob die Zweckmässigkeit und die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. «Wäre die verantwortliche Ministerin von vornherein den gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen, wäre diese zweistündige Debatte im öffentlichen Landtag nicht nötig gewesen», erklärte die GPK in ihrer Stellungnahme.

Mehr als 100 000 Franken für eine Medientrainerin

Ohne diese öffentliche Debatte wäre aber auch nicht bekannt geworden, dass Regierungsrätin Aurelia Frick in ihren Ministerien im Jahr 2018 Berateraufträge im Medien- und Kommunikationsbereich für über 200 000 Franken vergeben hat. Im Fokus der GPK stehen mit Sicherheit die Rechnungen von «Pinardi Seminare» im bündnerischen Pany. Hinter diesem Einfrau-Unternehmen steht die gebürtige Rheintalerin Maria Pinardi. Sie hat 2018 für über 514 Arbeitsstunden zu einem Satz von 200 Franken die Stunde Beratungsdienstleistungen für Regierungsrätin Aurelia Frick abgerechnet. Somit hat sie mehr als die Hälfte der von der GPK in Frage gestellten Honorare in Rechnung gestellt . Sie machte sich gemäss ihrer Internetseite 1998 als Medien- und Kommunikationstrainerin selbstständig. Davor war sie als Radio- und Fernsehjournalistin tätig. Sie bewirbt ihre Kommunikationsseminare damit, dass es «dabei primär um den äusseren Auftritt geht». Diesen scheut sie aber offensichtlich selbst. Es gibt von ihr praktisch keine öffentlichen Fotos. Nebst den Seminaren für den öffentlichen Auftritt bietet sie auch Persönlichkeits-Seminare an. Diese bewirbt Maria Pinardi so: «In diesen Seminaren stossen Sie das Tor zu Ihrem Innern auf. Sie entdecken dort Ihre ureigene Weisheit, welche Ihnen weiterhilft, zukünftig den Platz im Leben einzunehmen, nach dem Sie sich schon immer gesehnt haben.» Diese Seminare bietet sie regelmässig in Liechtenstein an.

Maria Pinardi

Maria Pinardi scheut den «äusseren Auftritt». Von ihr existiert nur ein Foto. (Bild: pinardi.ch)

Ex-Verwaltungsrätin bei Radio L und Medienhaus AG

Maria Pinardi ist auch auf dem politischen Parkett keine Unbekannte in Liechtenstein. Von Februar 2004 bis Dezember 2005 war sie für die Regierung Verwaltungsrätin von Radio L. Von dieser Position trat sie aber vor Ablauf der Mandatsperiode zurück. Sie begründete dies damals mit der «tiefen Betroffenheit, welche die Vorfälle rund um die Abberufung von Verwaltungsratspräsident Norbert Seeger und Verwaltungsratsmitglied Alexander Batliner» bei ihr ausgelöst hätten. Ihre Karriere als Verwaltungsrätin in der liechtensteinischen Medienszene war damit aber nicht vorbei. Von 2009 bis 2015 war sie Verwaltungsrätin der Vaduzer Medienhaus AG.  Sie wurde auch von verschiedenen Unternehmen und Politikern immer wieder als Medientrainerin engagiert. Dabei ging es aber oft um mehr als nur den Umgang mit Medien vor der Fernsehkamera und Mikrofon. Auch Stilberatung gehörten zu ihren Dienstleistungen. Die über 20 geschwärzten Stellen in den Detail-Listen, welche die GPK sehen will, stammen gemäss Landtagsdebatte hauptsächlich von Rechnungen von Maria Pinardi. Deshalb ist auch weitgehend unklar, für welche Dienstleistungen sie im vergangenen Jahr über 100 000 Franken vom Staat Liechtenstein erhalten hat. Es ist davon auszugehen, dass die GPK hier nicht locker lassen wird.  Dies zeigte sie auch in ihrer Stellungnahme: «Es ist eine elementare Aufgabe der Geschäftsprüfungskommission, bei Unklarheiten oder Verdacht eines Missbrauchs entsprechende Informationen einzuholen, und die Sachlage zu prüfen.» (sap)

Bei diesen Unternehmen gibt es Fragen

Bei etwa 60 Rechnungen für Beratungsdienstleistungen hat die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Landtags Detailfragen an Regierungsrätin Aurelia Frick gestellt. Dabei geht es um ein Honorarvolumen von über 200 000 Franken. Dabei geht es gemäss den Aussagen in der Landtagsdebatte um Dienstleistungen der folgenden Unternehmen:

• PINARDIseminare, Pany

• Kontaktkomponisten, Vaduz

• Financial Architectures, Ruggell

• Predicatori Seminare & Kommunikation, Bischofszell

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5  
13. Jun 2019 / 08:49
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5 KOMMENTARE
Schwarze oder geschwärzte Liste?
Peinlich, peinlich und gar unprofessionell- gell?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 13.06.2019 Antworten Melden
@VetterLudwig
Mittlerweile scheint das farbübergreifend zu funktionieren, wohl System 2.0. Financial Architectures ist rot, mit Landtagserfahrung.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 13.06.2019 Antworten Melden
Danke GPK
Die Firma Financial Architectures, Ruggell, ist ja bereits im Zusammenhang mit den Unklarheiten um den Liechtensteinischen Entwicklungsdienst aufgetaucht, siehe Vaterland vom 29.10.2018. Interessant, was da alles zum Vorschein kommt. Danke, liebe GPK.
Dann darf man wohl auch auf den Bericht der GPK betreffend den LED gespannt sein.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 13.06.2019 Antworten Melden

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