• MO Landesrechnung, Vaduz
    Thomas Kieber, Leiter Landeskasse, Regierungschef Adrian Hasler und Andreas Gritsch, Leiter Stabstelle Finanzen, hatten gestern allen Grund zur Freude. Sie verkündeten einen Gewinn von 53 Millionen Franken in der Landesrechnung 2018.  (Tatjana Schnalzger)

Trotz Gewinn ist Vorsicht geboten

Zum Plus von 53 Millionen Franken habe die Konjunktur geführt. Wegen der Unsicherheit dieses Faktors warnt Regierungschef Adrian Hasler davor, die Sparbüchse zu weit zu öffnen.
Vaduz. 

Der Verlust 2013 von 86 Millionen Franken war ein Schock-Moment, welcher den Schatzmeistern der Landeskasse die Augen öffnete. Wenn sich Regierungschef Adrian Hasler seither für etwas einsetzt, dann für einen gesunden Staatshaushalt und Sanierungsmassnahmen. Sein Engagement trägt Früchte: Per 31. Dezember 2018 weist Liechtenstein ein Eigenkapital von 2,7 Milliarden Franken auf. Die Landesrechnung schliesst mit einem Gewinn von 53 Millionen Franken ab. Rechnet man zu diesem Betrag weitere 16 Millionen dazu, liesse sich das neue Landesspital auf der «grünen Wiese» in Vaduz, welches die Regierung von den fünf vorgestellten Vorschlägen bevorzugt, beinah aus der Portokasse bezahlen.

Gestern betonte Andreas Gritsch, Leiter Stabstelle Finanzen, dass sich sowohl der Personal- als auch Sachaufwand im Vergleich zu den Summen von 2010 deutlich entlastet habe. Gegenüber dem Vorjahr sind die Steuereinnahmen um 50 Millionen Franken gestiegen, was vor allem auf die guten Ergebnisse der einheimischen Unternehmen zurückzuführen ist. Dahingehend sprach Regierungschef Adrian Hasler ihnen ein Lob aus. Obwohl man mitterweile wieder auf «stabilen Füssen» stehe, denkt der Finanzminister längerfristig und möchte mit den Mitteln weiter sorgsam umgehen. Er argumentiert mit jener betrieblichen Tätigkeit, die vergangenes Jahr – entgegen den Erwartungen des Ministeriums für Präsidium und Finanzen – hauptächlich zu diesem Gewinn geführt hat: «Das Ergebnis ist vonseiten der Wirtschaft sehr starken Schwankungen unterworfen. Massgebend ist, wie sich die Konjunktur weiterentwickelt.»

Anlagestrategie bleibt «nach wie vor konservativ»

Dieses Jahr mahnt demnach die unsichere Wirtschaft zur Vorsicht. Als die Landesrechnung 2017 vorgestellt wurde, wies der Regierungschef darauf hin, dass es an der Börse «auch wieder einmal einen Rückschlag geben» kann; die Landeskasse erwirtschaftete damals 159,6 Millionen Franken durch Aktien und Anlagen. Das Finanzergebnis 2018 gibt ihm mit einem Minus von 8,4 Millionen Franken sozusagen recht. Thomas Kieber, Leiter Landeskasse, stimmte seinem Chef angesichts der politischen Unsicherheiten und den fallenden Stimmungsindikatoren zu.  «Die Anlagestrategie kann mit einem Aktienanteil von einem Drittel nach wie vor als konservativ bezeichnet werden», meint der Schatzhüter. Wie er ausführte, sei diese gegenüber dem Vorjahr in Form einer weiteren Diversifizierung «leicht angepasst» worden. Die positiven Wertveränderungen der LLB-Aktien, an denen der Staatshaushalt beteiligt ist, haben dem negativen Finanz­ergebnis entgegengewirkt. So habe sich die Dividende der Landesbank gemäss Kieber um fünf Millionen Franken auf rund 35 Millionen Franken erhöht. 

Neubauten werden für mehr Ausgaben sorgen
Dass die Landeskasse die Einnahmen nicht nur hortet, sondern auch ausgibt, führte Andreas Gritsch anhand einer Grafik zu den Beitragsleistungen aus. Vergangenes Jahr wurden insgesamt 341 Millionen Franken ausgeschüttet, davon 201 Millionen Franken (59 Prozent) für die soziale Wohlfahrt und Gesundheit. «Das entspricht 25 Prozent vom gesamten Staatshaushalt. Gemeinsam mit der Bildung deckt dies drei Viertel der Beitragsleistungen ab.» Auf die Landesrechnung 2018 hat sich zum ersten Mal die Reduktion des AHV-Staatsbeitrags auf 30 Millionen Franken (vorher 54 Millionen) ausgewirkt – ein Indiz dafür, dass auch bei gewissen Beitragsleistungen «gespart» wird. 

Die Investitionsrechnung schliesst mit Bruttoinvestitionen von 35 Millionen Franken und Nettoinvestitionen von 19 Millionen Franken – getreu der Leitlinie – ebenfalls moderat ab. Wie Gritsch erwähnte, sei der grösste Beitrag an das neue Pflegeheim in Mauren entrichtet worden. Die Nachfrage von den Gemeinden nach Darlehen sei rückläufig. Hier wurden vergangenes Jahr sechs Millionen Franken ausgezahlt. Bei Weitem am meisten wurde in die Renovation von Hochbauen investiert. Gerade in dieser Sparte werden laut Gritsch in den kommenden Jahren durch das geplante Dienstleistungszentrum und die Umsetzung der Schulbautenstrategie erheblich mehr Mittel fliessen, um die Neubauten zu finanzieren. 

Was den Aufwand betrifft, bleibt die Jahresrechnung unter ihrem Voranschlag. Wie Hasler anmerkte, bewege man sich «praktisch auf dem Niveau vom Vorjahr». Rund die Hälfte des Sachaufwandes wurde für den Unterhalt von Gebäuden und Strassen ausgegeben. «Bei der Instandsetzung von den Schul- und Verwaltungsgebäuden konnten die Kredite nicht komplett ausgeschöpft werden», berichtet Gritsch. Der Personalaufwand, welcher die Angestellten der Verwaltung und Lehrpersonen umfasst, ist gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Millionen Franken gestiegen. Das hänge vor allem mit Anpassungen bei der Besoldung zusammen. 

Gesunder Staatshaushalt als sicheres Polster
«Unter den gegebenen Bedingungen ist es ein sehr erfreuliches Ergebnis, das deutlich über dem Voranschlag liegt. Selbstverständlich ist es unter dem 170-Millionen-Gewinn von 2017, zu dem damals das Finanzergebnis erheblich beigetragen hat», fasst Regierungschef Adrian Hasler zusammen. Wie Thomas Kieber anführte, hatte die Landeskasse 2018 – wie die Mehrheit der Investoren – insbesondere im Dezember eine harte Zeit an der Börse erlebt. Ende März 2019 sieht die Situation auf dem Markt hingegen schon wieder angenehmer aus, wovon eine Anlagenrendite von über fünf Prozent zeugt. «Damit wäre der Verlust, den wir zum Jahresende 2018 aufweisen, eigentlich kompensiert», sagt der Schatzmeister. Umso erfreulicher ist, dass die einheimischen Unternehmen über ihre Steuerabgaben das schlechte Finanzergebnis

kompensieren konnten. Beim Voranschlag für die betriebliche Tätigkeit wurde ein Profit von 20 Millionen Franken erwartet, letztlich sind es dreimal so viel geworden. Daraus resultiert eine Mittelzunahme von 73 Millionen Franken. Finanzminister Adrian Hasler ruht sich keinesfalls auf der guten Konjunktur aus. Stattdessen möchte er dafür sorgen, dass die Sparbüchse sinnvoll genutzt wird: «Ich habe das Gefühl, dass unsere Unternehmen hervorragend aufgestellt sind. Sollten sie aber einmal schlechte Bedingungen haben, resultieren daraus tiefere Steuereinnahmen für die Landeskasse. Aufgrund der starken Abhängigkeit ist es wichtig, dass wir jetzt gute Ergebnisse ausweisen.» (gk)

25. Apr 2019 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
27. Mai 2019 / 10:57
27. Mai 2019 / 08:10
26. Mai 2019 / 16:34
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
lova
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
26.04.2019
Facebook
Top