Island sagt Nein zu neuen EU-Beitrittsgesprächen
Dass die Abstimmung um die Wiederaufnahme der Gespräche zum EU-Beitritt ein knappes Rennen wird, zeichnete sich schon im Vorfeld ab. In den ersten Zwischenergebnissen am frühen Morgen (Schweizer Zeit) hatte das Befürworterlager die Nase leicht vorne. Doch schliesslich kippte die die Entscheidung zu Gunsten des Nein-Lagers: Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RUV Islands stimmten 52,8 Prozent gegen und 47,2 Prozent für die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsgespräche. Die Hauptstadt Reykjavik war die einzige Region des Landes, in der eine Mehrheit die Vorlage unterstützte.
Island ist reich und unabhängig – darum will das Land trotzdem in die Krisen-EU
Es war nicht das erste Mal, dass sich Island mit einem EU-Beitritt auseinandersetzte: Bereits 2009 hatte Island während einer schweren Finanzkrise einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Der Prozess wurde unter einer EU-skeptischen Regierung unterbrochen und 2015 wurden die Gespräche durch Island beendet. Gemäss Medienberichten argumentierten die Befürworter eines erneuten Anlaufs mit der Sicherheit des Landes angesichts des Ukraine-Kriegs sowie den zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten. Ausserdem erhofften sie sich eine Senkung der hohen Zinsen im Land. Die Gegner befürchteten hingegen einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über die für das Land wichtigen Fischereigewässer.
Liechtenstein behält EWR-Partner
Das Nein der Isländer zur Gesprächen über einen EU-Beitritt ist auch für Liechtenstein relevant. Denn Island ist neben Norwegen und Liechtenstein das dritte Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Auch bilden Liechtenstein, Norwegen, Island und zusätzlich die Schweiz die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA). Nach einem EU-Beitritt Island wären nur noch Liechtenstein und Norwegen im EWR, was zu strukturellen Veränderungen in der EWR-Architektur geführt hätte, wie Aussenministerin Sabine Monauni in der Antwort auf die Kleine Anfrage von Stefan Öhri (VU) ausführte. Um sich auf dieses Szenario eines möglichen Zwei-Länder-EWRs vorzubereiten, hatte die Regierung vergangenes Jahr entsprechende eine Arbeitsgruppe, die sich mit den Auswirkungen von europapolitischen Ereignissen wie mögliche Veränderungen im EWR, auf das Land Liechtenstein und seine internationale Einbindung befasst, eingesetzt. Nun ist ein EU-Beitritt Island aber längerfristig vom Tisch. Norwegen hat bereits zweimal gegen einen EU-Beitritt gestimmt. Wie eine Umfrage von August 2025 zeigt, lehnt diesen 55 Prozent der norwegischen Bevölkerung immer noch ab. Jedoch ist aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten, insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine, das Thema EU im nordischen Land wieder präsenter. Doch effektive Bemühung zeichnen sich in Norwegen noch nicht ab. (red)
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