«Eine Umfahrungsstrasse löst das Problem nicht»

Tagung Liechtenstein ist Europameister im Autofahren und verfügt weltweit über einen der höchsten Motorisierungsgrade. Diese Ausgangslage macht es nicht leichter, eine Verkehrsdebatte zu führen. Wie sehr diese aber nötig ist, zeigte sich gestern Abend einmal mehr.

«Veränderungen brauchen Durchhaltewillen und gute Ideen.» Dies eine der zentralen Aussagen anlässlich der 12. Tagung zum betrieblichen Mobilitätsmanagement in Unternehmen und Verwaltung. An Ideen mangelt es übrigens nicht – aber an der Umsetzung hapert es. Und zwar nicht nur in Bezug auf das betriebliche Mobilitätsmanagement, sondern auch in Bezug auf die Lösung der Verkehrsproblematik. Im Rahmen der gestrigen Fachtagung in der Hofkellerei Vaduz wurde dem Liechtensteiner in Bezug auf sein Verkehrsverhalten einmal mehr der Spiegel vorgehalten und aufgezeigt: Massnahmen sind nötig, wenn das Land nicht schon bald im Verkehr ersticken will.

Klar ist für Regierungschef-Stellvertreter und Verkehrsminister Daniel Risch: Betriebliches Mobilitätsmanagement ist eine Teilantwort auf den steigenden Verkehr. Gezielt eingesetzt bringe es nicht nur Kosteneinsparungen mit sich, sondern wirke sich auch auf die Standortattraktivität aus. Aber: «Zwang ist jedoch nicht das richtige Mittel, um zum Umstieg auf Velo oder den öffentlichen Verkehr zu bewegen. Der Mensch muss aus Überzeugung umdenken.» Und das sollte er wohl möglichst schnell tun, wie Urs Haefeli, Gesellschafter von Interface Politikstudien in Luzern, überzeugt ist. Er hat Liechtenstein bereits in der Vergangenheit in Verkehrsfragen beraten und weiss deshalb: «Der Durchgangsverkehr beträgt nur 4 Prozent – Liechtenstein kann seinen Verkehr souverän steuern.»

Der grösste Teil sei hausgemacht und Liechtenstein sei das höchstmotorisierte Land Europas, weshalb es nicht ausreiche, einfach eine Umfahrungsstrasse zu bauen. «Das ist eine schwierige Ausgangslage für eine Verkehrsdebatte», ist er sich bewusst. Natürlich wachse aber auch gleichzeitig der Pendlerverkehr überproportional, weshalb ein weiteres Verkehrswachstum zu erwarten sei, die Engpässe an den Rheinbrücken würden damit noch grösser. Als grosse Herausforderungen sieht er aber auch die Digitalisierung sowie den demografischen Wandel: Automatisiertes Fahren mache den motorisierten Individualverkehr (MIV) künftig nämlich noch attraktiver. Im betrieblichen Mobilitätsmanagement sieht er nicht nur Chancen für Firmen, sondern auch für den Staat und die einzelnen Arbeitnehmenden: Gesündere Mitarbeitende, besseres Firmenimage, Kostenersparnisse beim Infrastrukturausbau bzw. der -erhaltung, bessere Gesundheit und sinkende Mobilitätskosten für die Haushalte sind nur einige davon.

FL.A.CH ist Schlüsselprojekt für  nächstes Programm

Einer, der die Vorteile des betrieblichen Mobilitätsmanagements kennt, ist Inficon-Geschäftsführer Urs Wälchli. Das Unternehmen ist in Sachen BMM ein Vorzeigebeispiel. Wälchli weiss aber auch: «Veränderungen brauchen Durchhaltewillen und gute Gründe.» Und dabei sei das Führen der BMM keine Sachfrage – es sei eine Führungsfrage, das Verhalten zu beeinflussen.
Dass mehrere Unternehmen diesem Beispiel folgen würden, wünscht sich Daniel Gut, Stadtpräsident von Buchs und Präsident des Vereins Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein. Doch auch er weiss: Das BMM ist nur eine von vielen Massnahmen, die dazu beitragen können, einem Verkehrskollaps entgegenzuwirken. Weitere Massnahmen sind im Agglomerationsprogramm Werdenberg-Liechtenstein festgehalten und auch regional abgestimmt.

«Ein zentraler Pfeiler für die nachhaltige Raumentwicklung und eine koordinierte Planung von Verkehr, Siedlung und Landschaft», so Gut. Er zeigte auf, was bisher bereits umgesetzt werden konnte und welche Ziele als Nächstes angestrebt werden. Nach drei erfolgreichen Generationsprogrammen soll nun ein viertes umgesetzt werden – doch ob dies geschieht, hängt laut Daniel Gut ganz von einem Schlüsselprojekt ab: Der S-Bahn FL.A.CH. «Kommt dieses Projekt nicht, ist ein weiteres Agglomerationsprogramm unsicher – und das wäre sehr bedauerlich.» Gut ist überzeugt, dass die S-Bahn einige Verlagerungen des Verkehrs ermöglich würde. «Sie ist vor allem ein Arbeitspendler-Angebot, das hilft, den Strassenraum für den ÖV zu entlasten. Und eine Verlagerung auf die S-Bahn entlastet auch den Strassenraum für den motorisierten Individualverkehr.» Sollte die vierte Generation des Agglomerationsprogramms, das derzeit in Erarbeitung ist, allerdings umgesetzt werden können, soll übrigens auch die Stauproblematik an den Rheinübergängen in Haag-Bendern, Sevelen-Vaduz und Schaan-Buchs angegangen werden. (dv)

20. Mai 2019 / 22:14
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