• wagon of freight train with containers
    «Die ÖBB will die S-Bahn nur mitfinanzieren, weil dann mehr lange Güterzüge kreuzen können», hört man derzeit im Unterland öfters.  (Artem_Egorov)

Die Angst der Unterländer vor den Güterzügen

Im Liechtensteiner Unterland befürchten viele, dass wegen dem S-Bahn-Projekt auch mehr Güterzüge fahren werden. Ist das tatsächlich so?

«Die ÖBB will die S-Bahn nur mitfinanzieren, weil dann mehr lange Güterzüge kreuzen können», hört man derzeit im Unterland öfters. S-Bahn-Gegner Thomas Rehak gab ähnliche Bedenken im Interview mit dem «Volksblatt» zu Protokoll: «Die ÖBB lässt sich von uns Liechtensteinern den Doppelspurausbau für den internationalen Güter- und Personenverkehr mitfinanzieren.» Tatsächlich jedoch ist der Schienengüterverkehr seit Jahren rückläufig: Im Zuge der 
Finanzkrise 2008 brach das Frachtaufkommen auf den Schienen massiv ein, was auch die Rail Cargo Austria betraf. Davon hat sie sich nie mehr erholt. Seither hat der Strassengüterverkehr europaweit die Schiene abgehängt (siehe Grafiken untenstehend). Bereits heute könnten viel mehr Güter auf der Schiene transportiert werden, aber die Nachfrage ist schlichtweg nicht da. Die Coronakrise verschärft die Situation zusätzlich, da Lkw-Transporte deut-lich flexibler sind und ohne Umladen auskommen. «Der Kostennachteil der Schiene gegen- über der Strasse wird in einer derartigen wirtschaftlichen Krise dem Schienengüterverkehr das Genick brechen», sagte Roman Hebenstreit, Konzernbetriebsratsvorsitzender der ÖBB, kürzlich dem Wiener «Kurier». 

Wer dafür zahlt
In der Absichtserklärung zwischen Liechtenstein und der ÖBB sind die Streckenabschnit-te nach ihrer Funktionsweise aufgeteilt worden. Die Änderungen für den Fern- und Güterverkehr passieren in Abschnitt 4, Infrastruktur-Kilometer 10,900 bis Kilometer 12,278. Gemäss Aufteilungsschlüssel trägt die ÖBB dort 100 Prozent und Liechtenstein 0 Prozent der Aufwände. Die Kosten für diesen Ausbau in Höhe von rund 24 Millionen Franken werden demnach komplett von der ÖBB übernommen. 

Weniger Güterverkehr durch die S-Bahn?
Die Kapazitäten auf den Eisenbahnschienen werden nach der Regel «Personennahverkehr vor Fernverkehr vor Güterverkehr» vergeben. In Gesetzesform liest sich das wie folgt (Eisenbahngesetz Liechtenstein, Art. 23): «Kann das Eisenbahninfrastrukturunternehmen aufgrund fehlender Kapazitäten nicht allen Anträgen auf Zuweisung von Fahrplantrassen stattgeben, so sind Leistungen des vertakteten Schienenpersonennahverkehrs vor jenen des grenzüberschreitenden Schienenpersonenfern- und Schienengüterverkehrs vorrangig zu berücksichtigen.» Heisst übersetzt: Je dichter eine Strecke mit Personennahverkehr befahren wird, desto weniger Kapazitäten bleiben für den Fern- und Güterverkehr übrig. Durch die Frequenzsteigerung der S-Bahn erhöht sich die Zahl der Personennahverkehrszüge mit Halt in Liechtenstein von 18 auf 48 – mit der Möglichkeit zum Ausbau auf bis zu 70 Halte.  (db)

08. Jul 2020 / 19:52
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