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    Peter C. Matt, Liechtensteins Botschafter in Genf.

«Corona hat den Alltag gründlich auf den Kopf gestellt»

Auch in Genf lösen Telefonate und Videokonferenzen persönliche Treffen ab und sind zum wichtigsten Arbeitsinstrument geworden.

Die Botschafter Liechtensteins im Ausland kämpfen in Zeiten der Corona-Krise mit allerlei Tücken. Je nach Standort und Entwicklung der Pandemie begegnen sie diesen jedoch unterschiedlich. Der Kanton Genf ist neben dem Tessin einer der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Kantone. Die Mitarbeitenden der Ständigen Vertretung in Genf arbeiten deshalb mehrheitlich von zu Hause aus – dies in Nachachtung der Empfehlungen der Schweizerischen Bundesbehörden. Wie in allen anderen Botschaften ist auch hier das grösste Manko: persönliche Kontakte.

Mitarbeitende teilweise wieder zurück im Büro

Wie Botschafter Peter C. Matt berichtet, sei auf Rotationsbasis derzeit eine minimale Präsenz im Genfer Büro gewährleistet. Im Hinblick auf die sich entspannende Situation würden zukünftig vermehrt Mitarbeitende wieder in den Büros der Ständigen Vertretung arbeiten. Alle internationalen Organisationen in Genf sowie die meisten Vertretungen würden ihre Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten lassen. Inzwischen holen aber auch die verschiedenen Organisationen, etwa die Welthandelsorganisation WTO, indes Mitarbeitende ebenfalls vermehrt ins Büro zurück.

«Seit Mitte März sind sämtliche physischen Treffen bei allen Organisationen in Genf abgesagt. Es finden auch keinerlei soziale Anlässe statt. Treffen sind nur virtuell möglich», berichtet Botschafter Peter C. Matt. Die Situation diesbezüglich sei bei den einzelnen Organisationen aber sehr unterschiedlich. «Die Genfer Mission ist ja zuständig für den Genfer UNO-Sitz, die WTO sowie Efta. Die vierwöchige März-Session des UNO-Menschenrechtsrats musste am 13. März zum Ende der dritten Woche unterbrochen werden. Seither fanden auf UN-Hauptsitzebene in Genf kaum Aktivitäten statt, abgesehen insbesondere von einem virtuellen Briefing der Hochkommissarin für Menschenrechte über die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Menschen­rechte.» Auch die meisten in Genf angesiedelten Sonderorganisationen der UNO würden nur mit stark reduziertem Betrieb laufen – mit Ausnahme natürlich der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Physische Treffen: Nach wie vor Bedenken

Derzeit werde geplant, die ­suspendierte März-Session des Menschenrechtsrats am 15. Ju­ni wieder aufzunehmen, unter Einhaltung strenger Schutzvorkehrungen. Im Anschluss daran soll die Juni-Session des Rats stattfinden. «Ob dies wirklich möglich sein wird, ist derzeit noch nicht restlos klar, da es nach wie vor Gesundheitsbedenken im Hinblick auf die Wiederaufnahme physischer Treffen gibt», so Matt. Auch in der WTO würden bis auf Weiteres keine physischen Treffen stattfinden. Die für Anfang Juni in Kasachstan geplante 12. Ministerkonferenz der WTO musste um ein Jahr auf Juni 2021 verschoben ­werden.

Erfolgreiche Verhandlung via Videokonferenz

Verschiedene Organe der WTO, etwa der Allgemeine Rat – das höchste ständige Organ der WTO – haben indes bereits mehrfach per Videokonferenz getagt. Auch verschiedene Unterorgane des Allgemeinen Rats würden virtuelle Treffen abhalten. Dasselbe gelte für die Efta. «Die Efta-Staaten haben gute Erfahrungen mit Videokonferenzen. Sie nutzen dieses Format bereits seit Längerem, um physische Verhandlungsrunden kostengünstig und optimal vorzubereiten.» Mit Chile konnte zudem kürzlich erfolgreich eine volle Verhandlungsrunde per Videokonferenz abgehalten werden. Und auch der Efta-Rat auf Botschafter-Ebene sowie der Efta-Drittlandausschuss, zuständig für die Efta-Freihandelsverhandlungen, haben bereits virtuell getagt. «Das für Ende Juni geplante Efta-Ministertreffen in Genf musste allerdings auf Herbst verschoben werden.»

«Physische Treffen sind nicht zu ersetzen»

«Der Lockdown und die Unmöglichkeit, Treffen durchzuführen, haben unseren Alltag gründlich auf den Kopf gestellt», bestätigt Peter C. Matt. Videokonferenzen und Telefonate seien zum wichtigsten Arbeitsinstrument geworden. «Es zeigt sich, dass man damit einiges erreichen kann. Allerdings wird auch klar, dass Videokonferenzen physische Treffen und den persönlichen Kontakt mit anderen Diplomaten nicht zu ersetzen vermögen.» Gerade bei schwierigen Gesprächen sei der persönliche Kontakt sehr wichtig. Schwierig sei auch die Beschlussfassung in den einzelnen Organisationen ohne Durchführung von Treffen. «Die Erfahrungen des Lockdowns werden unsere Arbeitsmethoden sicher auch nach ­Bewältigung der Corona-Krise verändern, indem wir etwa vermehrt Videokonferenzen einsetzen werden, als wir dies bisher gemacht haben.» (dv)

27. Mai 2020 / 07:00
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