• Schauspiel Shooter in Schaan
    Waffennarr Troy (Michael Gnat) steckt Jim Bender (Ean Sheehy) mit seiner Begeisterung für Waffen an.  (Daniel Schwendener)

Wie konnte es so weit kommen?

Fünf Männer – drei Waffen und ein toter Jugendlicher. Dies ist die Ausgangslage von Sam Grabers Stück «Shooter», das die Liechtensteiner Regisseurin Katrin Hilbe diese Woche von New York nach Konstanz und Schaan gebracht hat.
Schaan. 

«Alright – wir müssen vollständig sein» – mit diesen und weiteren Worten begrüsst der schnäuzige Ex-Polizist Troy (Michael Gnat) überschwänglich die anwesenden Besucher im TAK. Doch die freudige Stimmung währt nicht lange: Das Licht geht aus, Blaulichter heulen und drehen sich auf dem Bühnenbild, einem Vorhang aus Plastikfolie, während ein Mann sich mit hängenden Schultern auf einen Stuhl fallen lässt. Es ist Jim Bender (Ean Sheehy), ein Familienvater, der einen Amoklauf verhinderte, indem er einen bewaffneten Jugendlichen auf dem Weg zur Schule erschoss.
Sein Kopf stark nach vorne geneigt, weint er bitterlich. «Bist du ok?», fragt ihn ein Mann im Anzug (David Perez-Ribada), der sich als sein Jugendfreund Ben-David herausstellt und ihm nun als Anwalt zur Seite stehen will. Während Jim Bender in seiner Verzweiflung versinkt und sich um den Gesundheitszustand des Jungen sorgt, trichtert ihm Ben-David ein, wie er sich vor Gericht zu verhalten hat: «Sag einfach nichts, vor allem nicht, was du getan hast». 

Schwierigkeiten, über Gefühle zu sprechen
Einfühlsam nahm sich Katrin Hilbe der schwierigen Thematik der steigenden Waffengewalt unter Jugendlichen an. Auf der einen Seite der selbstsichere Waffennarr, der keinerlei Kritik zuliess, auf der anderen Seite ein enttäuschter Ehemann wie auch ein zurückgezogener, verletzter Jugendlicher (mitleiderregend gespielt von Nicholas-Tyler Corbin). Sie alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie sich schwertun, über Gefühle zu reden. 
Dank dem überzeugenden Spiel der fünf Akteure sieht sich der Zuschauer in die Gefühlszustände der Protagonisten hineinversetzt und er leidet regelrecht mit. Verstärkt wird die Spannung, die sich über das ganze Stück erstreckt, durch das ausgeklügelte Sounddesign von Andy Evan Cohen, der in den entscheidenden Momenten mal schrille, mal entspannte Geräuschkulissen erzeugt. Auch wenn es vermutlich die wenigsten zugeben wollen, sowohl der Mörder wie auch der vermeintliche Amokläufer und sogar der Waffennarr schaffen es in diesem Stück, beim Publikum Sympathien zu erzeugen. Und man fragt sich unweigerlich: Wie konnte es so weit kommen? (mk)

18. Jan 2019 / 19:08
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