• 20190115 Kabarett Mike Müller, Schaan
    20190115 Kabarett Mike Müller, Schaan _Nils Vollmar  (Nils Vollmar)

Wer wäre Nordkorea - das Unter- oder das Oberland?

Schauspieler Mike Müller begeisterte am Dienstagabend das Publikum im ausverkauften TAK in Schaan mit seinem Soloprogramm «Heute Gemeindeversammlung». Der Schweizer ging auch auf lokale Feindbilder ein.

Eigentlich ist der Dienstagabend für Mike-Müller-Fans ja für den «Bestatter» reserviert. Derzeit läuft auf SRF die letzte Staffel der Serie, in der Müller den Beerdigungsunternehmer Luc Conrad spielt. Wer die Bühne dem Fernseher vorzog, wurde nicht enttäuscht, als Müller im ausverkauften TAK sein drittes Soloprogramm «Heute Gemeindeversammlung» präsentierte.

Dabei zeigt Müller auf, wie eine mutmasslich langweilige Gemeindeversammlung mit Trak- tanden wie Subventionen für Kindergeburtstage, Wahl eines Skilagerhauses oder Zonenplanänderung doch an Fahrt gewinnen kann und schliesslich darin gipfelt, dass der Gemeindepräsident, in Liechtenstein wäre das der Vorsteher, seinen Job los sein wird.

Müller spielt alle Rollen selbst

Zu Beginn steht Müller als Gemeindepräsident Raoul Furrler mitten im Publikum und erledigt gleich bilateral noch ein paar Pendenzen. «Ich habe mit der Spitex gesprochen», sagt er zu einer Frau, «die werden Ihnen bald jemand Freundlicheres zuteilen.» Oder: «Haben Sie es sich bezüglich Amts des Friedensrichters überlegt?», fragt er einen Mann. «Jeder, der lesen und schreiben kann, sollte ein Amt in der Gemeinde übernehmen.» Alle Rollen wurden von Müller selbst und immer im gleichen Outfit gespielt. Zur Unterscheidung dienen Mimik sowie vor allem verschiedene Dialekte, die Müller gut beherrscht. Als er einen Vertreter aus Fiesch im Kanton Wallis spielt, welcher der Gemeindeversammlung sein Skilagerhaus anpreist, zeigt der Schauspieler, dass er sogar den Walliser Dialekt auf dem Kasten hat. Diesen hat er so gut drauf, dass man Mike Müller gerne ein- mal auf «bärgerisch» hören würde.

Ein Mandat bei den Vereinten Nationen

Am Schluss des Stücks ist Furrler sein Amt los, da er die Vertrauensfrage stellte und das Votum verlor. Dabei hatte er doch noch so grosse politische Pläne, ja sogar internationale: «Ein Amt bei der UNO, das wäre was für mich.» Er würde sich das durchaus zutrauen. Denn: «Wer schon mal einen Landabtausch zwischen zwei bockigen Bauern durchbrachte, der kann auch im arabischen Raum zwischen religiösen Fanatikern erfolgreich vermitteln», ist der Gemeindepräsident überzeugt.

Vaduz ist zwar Hauptort, aber nicht sexy

An der Gemeindeversammlung ist die Aufgleisung der Fusion mit der Nachbargemeinde gescheitert. Zum Schluss geht Müller auf die lokalen Gegebenheiten in Liechtenstein ein und sinniert darüber, wie eine Fusion in Schaan mit einer Nachbargemeinde aussehen würde: «Schaan könnte mit Vaduz fusionieren», schlägt er vor. Doch er hat auch bedenken: «Vaduz ist Hauptort und Residenz, Touristenmagnet sowie Verwaltungssitz aber sexy ist es nicht.» Darauf gibt es Szeneapplaus. «In Schaan hingegen gibt es Kultur, Dorfleben und Industrie.» Eine Fusion mit Vaduz wäre also ein brutaler Abstieg.

Österreichisches Leistungsverständnis

Buchs wäre interessanter. Von dort kämen immerhin schon viele Pendler nach Schaan. Auch die Infrastruktur dafür sei vorhanden: «Es gibt sogar eine Langsamverkehrsbrücke, die Bern bezahlt hat.» Eine Fusion mit Buchs wäre auch wirtschaftlich interessant. Schliesslich würden hochbezahlte Manager zwar tagsüber bei Hilti in Schaan arbeiten, aber nach der Arbeit nach Buchs gehen, nur um dort zu schlafen und somit auch dort die Steuern zu bezahlen, womit Schaan Steuersubstrat verliert. «Gute Steuerzahler dürfen zwar in Liechtenstein arbeiten, müssen aber in der Schweiz schlafen», fasst Müller zusammen. Für die Schweizseiesjagut,wennbezüglich Steuern das Schlafen wichtiger sei als das Arbeiten. Aber für ihn sei das schon beinahe ein österreichisches Leistungsverständnis.

Differenzen zwischen Unter-und Oberland

Eine Fusion von Ober-und Unterland sei wohl undenkbar. «Das wäre ja, wie wenn Nord-und Südkorea fusionieren würden», sagt Müller. Und die grosse Frage wäre dann, welcher Landesteil für Nordkorea stehen würde.

(jeb)

17. Jan 2019 / 11:30
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