• Verschiedene Aufträge und Messeauftritte sind dem Schauspieler Leander Marxer in den vergangenen Wochen durch die Lappen gegangen.

Verärgert über die ewige Jammerei

«Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen», sagt Schauspieler Leander Marxer. Als «Hans Franz vo Mura» appeliert er an die Vernunft.

Als «Hans Franz vo Mura» steht er in weissem Träger-Unterhemd vor dem Kühlschrank und bestellt sich bei der Gemeinde Essen. Authentisch, wie man Leander Marxer kennt. Mit seiner Figur «Hans Franz» appelliert der Schauspieler im Auftrag der Gemeinde Mauren-Schaanwald an die Einwohner, zu Hause zu bleiben. Für Leander Marxer war dies nicht nur ein Auftrag – «es ist mir ein Anliegen, dass wir nun wirklich die Regeln einhalten und dass wir dabei alle an einem Strang ziehen», sagt Leander Marxer. «Über die ewige Jammerei, was man allenfalls anders hätte machen können, ärgere ich mich richtig.» Viel wichtiger sei es jetzt doch, nach vorne zu schauen – «und zwar optimistisch!» Und mittlerweile seien die Massnahmen ja auch wieder gelockert, sodass ein gemeinsames Mittagessen im Restaurant oder das Feierabendbier an der Bar auch wieder möglich ist. 

Regiearbeit in Österreich wurde abgesagt

Optimistisch bleibt Leander Marxer, auch wenn in den vergangenen Wochen all seine Jobs abgesagt wurden. Unter anderem eine grössere Regiearbeit in Österreich, bei der es um eine Neuverfassung des Stücks «Franz und Sissi» im Rahmen eines Kabaretts gegangen wäre. Zudem sind dem Schauspieler verschiedene Messeauftritte durch die Lappen gegangen, als Zeremonienmeister konnte er keine Trauungen mehr durchführen und alle Events mit seiner Augusta sind ebenso ins Wasser gefallen. «Es ist tatsächlich eine Absage nach der anderen reingeflattert und bis mindestens Ende September ist tote Hose.» Natürlich entfallen da-mit auch Gagen. «Ich habe aber schon früh gelernt, auch mit wenig Geld auszukommen – irgendwie geht es immer», sagt Leander Marxer bescheiden. Zur Not bestehe immer noch die Möglichkeit, die Zeit mit Arbeiten auf dem Bau zu überbrücken. «Wenn, dann muss ich nur um mich Angst haben, eine eigene Familie habe ich ja nicht», sagt er. Durchfüttern müsse er nur seine Katze – «und die kann im schlimmsten Fall noch selbst mausen gehen», lacht der Schauspieler.  Vorerst nutzt der Schauspieler aber mal die Zeit für Vorarbeiten, damit er auch bereit ist, wenn es dann tatsächlich wieder losgeht. «Es gibt Texte, die ich am Vorbereiten bin, allzu viel planen kann ich aber nicht.» Er nehme es einfach wie es kommt. 

Hat den Morgenspaziergang  für sich entdeckt

Leander Marxer lässt sich nicht einmal dann aus der Ruhe bringen, wenn ihm droht, aus Thailand nicht mehr ausreisen zu können, wie es Ende März der Fall war. Wegen der Corona-Krise wurden sämtliche Flüge gestrichen – und machten schliesslich auch dem Liechtensteiner einen Strich durch die Rechnung. Beziehungsweise konnte er noch umbuchen und drei Tage früher als geplant wieder in die Schweiz fliegen. Vom Amt für Auswärtige Angelegenheiten habe er ein Formular bekommen, mit dem er ausreisen konnte – «das hat alles wunderbar funktioniert.» Zurückgekommen sei er in erster Linie wegen seiner Familie. «Wenn es nur um mich gegangen wäre, hätte ich den Aufenthalt eben verlängert und mal richtig thailändisch kochen gelernt.» Weil er sich aber um seine Familien Sorgen machte, hat er sich für die Rückreise entschieden.  Er habe sich überlegt, während das öffentliche Kulturleben stillsteht, online etwas aufzuziehen. Er habe sich im Netz ein bisschen kundig gemacht und schnell war klar: «Eine richtig gute Sache lässt sich nicht so einfach aus dem Boden stampfen.» Weil er aber nicht einfach irgendetwas machen wollte, habe er sich dann klar dagegen entschieden. «Ausserdem tut es auch gut, mal komplett runterzufahren.» So nutze er diese Zeit gewissermassen auch zur Entschleunigung. Beispielsweise gehe er jeden Morgen rund eine Stunde spazieren, was er zuvor noch nie gemacht habe. «Es ist jeden Tag aufs Neue fantastisch, was sich da im Ruggeller Riet, entlang dem Kanal, für eine Kulisse auftut.» Kürzlich habe er zwei Hasen beim Herumtollen zugesehen, auch einen Biber habe er in diesen Tagen beobachten können. Er schöpfe daraus viel Energie und somit auch wieder Kreativität. «Ich fühle mich derzeit überhaupt nicht getrieben – sondern lasse mich eher treiben.» Und dies alles mit viel Optimismus, bald auch wieder seinen Job als Schauspieler ausüben zu können.  

Serie – Teil 50

Das «Vaterland» hat sich bei liechtensteinischen freischaffenden Kulturschaffenden, die im In- und Ausland arbeiten, erkundigt, wie es ihnen derzeit geht und was die derzeitige Lage für sie konkret bedeutet. Heute mit dem Schauspieler Leander Marxer, weitere Kulturschaffende folgen.

24. Mai 2020 / 20:08
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