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«Trotz Abstand ist die emotionale Nähe da»

Die Gamserin Judith Dürr spielt ab Samstag bei den Schlossfestspielen Werdenberg in der Oper «Carmen» die Zigeunerin Frasquita.
Probe Carmen 5.8.2020
Für Judith Dürr ist es eine Herausforderung, sich nicht zu stark aufs Spielen einzulassen, damit sie nicht vergisst, auf die Reinheit des Gesanges zu achten. (Bild: Robin Egloff)

Zum ersten Mal nehmen Sie eine Solistenrolle bei den Werdenberger Schlossfestspielen ein. Wie kam es dazu?
Judith Dürr: Vor eineinhalb Jahren hatte ich ein Monteverdi-Konzert mit dem Ehemaligen-Chor der Kanti Sargans, wo jemand vom Verein der Schlossfestspiele zum Zuhören kam. Nach diesem Auftritt haben sie mich zum Vorsingen eingeladen. Beim Vorsingen habe ich dann die Rolle bekommen. Auch kannte ich William Maxfield schon von früher.

In «Carmen» spielen Sie die Rolle der Zigeunerin Frasquita. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Als erstes habe ich das ganze Libretto gelesen, alle Stücke gut studiert und technisch daran gearbeitet. Auch an der französischen Aussprache musste ich feilen.

Schauspielern muss man bei einer Oper ja auch. Wie schwierig ist das für Sie?
Eigentlich nicht sehr. Die Musik sagt einem so viel, was man szenisch machen muss, dass es mir nicht so schwerfällt. Aber auch, weil ich es sehr gerne mache. Man bekommt aber auch Hilfe vom Regisseur.

Was sind die besonderen Herausforderungen dieser Rolle?
Dass die Ensemblesachen musikalisch wirklich sitzen, dass alle genau zusammen singen. Neben unseren verschiedenen Ensembles haben wir auch ein Quintett mit zwei Männern. Und dass das wirklich schön klingt, ist glaube ich die grösste Herausforderung. Was ebenfalls eine Herausforderung ist, dass ich mich nicht zu stark aufs Spielen einlasse und ich nicht vergesse, auf die Reinheit des Gesanges zu achten.

Und technisch?
Es ist schon auch technisch anspruchsvoll. Es gibt schon einige hohe Töne und Linien, die klar sein sollten.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern?
Super. Ich finde, wir sind ein gutes Team. Wir kommen sehr gut miteinander aus. Dann macht es noch viel mehr Freude, miteinander zu spielen. Da meine Rolle – im Gegensatz zu Carmen – keine tragische ist, sollte man diese Freude auch auf der Bühne zeigen. Durch das, dass wir so ein gutes Team sind, fällt mir dies umso leichter.

Anfang Jahr standen Sie mit der Operette Balzers als Jodlerin auf der Bühne. Wie gefiel ihnen diese Rolle im Vergleich zur Frasquita?
Ehrlich gesagt gefällt mir Frasquita schon mehr, weil ich mehr auf der Bühne bin und mehr zu spielen habe. Bei der Operette war sehr schön, dass ich den Anfangsjodler machen durfte. Daher hat mir auch diese Rolle sehr gefallen, aber Frasquita ist noch wie ein Schritt weiter. Es ist wunderschöne Musik und es gibt viel zu singen.

Auch die Schlossfestspiele sind von den Coronamassnahmen betroffen. Gibt es irgendwelche Besonderheiten, die im Probenablauf berücksichtigt werden müssen?
Als wir noch drinnen probten, machten wir alle 40 Minuten eine Pause, um den Raum lüften zu können. Die Abstände mussten eingehalten und die Hände ständig desinfiziert werden. Auch mussten wir jeden Tag angeben, dass man gesund ist. Und wenn man sich nicht wohlgefühlt hätte, hätte man nicht an die Proben kommen dürfen. Des Weiteren mussten wir uns bereit dazu erklären, uns nur mit unserem bekannten Umfeld zu umgeben, die Swiss-Covid-App herunterzuladen und keinen grösseren Menschenansammlungen beizuwohnen.

Wie läuft es jetzt draussen?
Draussen müssen wir zum Glück nicht die ganze Zeit Pausen machen zum Lüften. Auch jetzt noch müssen wir jeden Tag angeben, dass wir gesund sind. Auch beim Spielen achten wir darauf, dass wir die Abstände einhalten und uns einander nicht ins Gesicht singen. Es gibt eine Regel, dass man fünf Minuten näher beieinander sein darf, und danach wieder Abstand nehmen muss.

Gab es auch Coronatests?
Soweit ich weiss nicht, denn bis jetzt war auch noch niemand krank.

Und wie schaut es mit dem Platz auf der Bühne aus?
Die Bühne ist jetzt um ein Drittel grösser, damit der Chor genug Platz hat. Es ist schön, eine so grosse Bühne zu haben (lacht).

Regisseur Kuno Bont ist ja bekannt für seine unkonventionellen Inszenierungen. Was gibt es dieses Mal Besonderes?
Es gibt zum Beispiel szenische Kniffe, die auf das Abstandhalten aufmerksam machen. Da darf ich jetzt noch nicht zu viel verraten, aber Kuno Bont hatte viele gute Ideen. Man hat nicht das Gefühl, dass etwas fehlt wegen dem Abstand, sondern es ist immer noch super spannend. Denn die emotionale Nähe ist ja da.

Was schätzen Sie an seiner Arbeit?
Dass er uns kreative Freiheit lässt, damit wir machen dürfen, was wir wollen. Er gibt uns ein Grundgerüst und lässt uns spielen. Danach gibt er uns während dem Spielen immer wieder neue Ideen und verfeinert die Abläufe. Auch hat er zusammen mit René Düsel ein interessantes Bühnenbild entwickelt. (mk)

Tickets und Infos www.carmen20.ch

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