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Trio mit Schwung an den Podium-Konzerten

Mit dem Trio Mélange wurden am vergangenen Sonntagvormittag die Podium-Konzerte im TAK wieder aufgenommen.
Liechtenstein TaK Podium Konzerte 2020 Trio Melange
Auf der Bühne des TAK blies ein junges Vorarlberger Trio mit der Besetzung Oboe, Klarinette und Fagott. (Bild: Eddy Risch)

Blasmusik lag am Sonntagvormittag in Schaan in der Luft. Auf der Gasse bestritt die Harmoniemusik mit einem Frühschoppen beim Restaurant Pur ihren ersten Auftritt in diesem Jahr überhaupt. Auf der Bühne des TAK blies ein junges Vorarlberger Trio. Nein, keinen Marsch, keine Polka. Die beiden Bregenzerwälder Bläserinnen und ihr Dornbirner Kollege wurden zwar in der Blasmusik sozialisiert, doch im Trio Mélange widmen sie sich der «klassischen» Bläserkammermusik in einer speziellen Besetzung. Und damit schenkten sie am Sonntag dem Publikum im TAK-Saal eine schwungvolle Vormittagsstunde.

Auf die besondere Besetzung wies Maestro Graziano Mandozzi auch gleich in seiner Begrüssung hin. Der Leiter der Podium-Konzerte freute sich sichtlich, wieder junge Künstler aus der Region mit einem interessierten Publikum zusammenbringen zu dürfen. Mit dem Trio Mélange nahm gleich zum Start der neuen TAK-Saison ein Ensemble aus der Nachbarschaft den im März abgerissenen Faden der Podium-Konzerte wieder auf. Mit der Besetzung Oboe, Klarinette und Fagott pflegen die Vorarlberger die eher junge Tradition des «Trio d’anches». Der französische Begriff bezeichnet das Rohrblatt bei Holzblasinstrumenten.

Virtuose Holzbläser
Mit Ludwig van Beethovens «Trio op. 87» stellte sich das Trio Mélange vor. Beethoven liess es 1806 als Streichtrio drucken. Geschrieben hat er es aber über zehn Jahre früher, kurz nach seiner Übersiedlung nach Wien für Bläsertrio, allerdings in der Besetzung für zwei Oboen und Englisch-Horn. Die Bearbeitung entsprach dem Geist der Beethoven-Zeit und erlaubte den drei jungen Künstlern, ihre Fähigkeiten ins beste Licht zu rücken. Jedes Instrument erhielt die Gelegenheit, in den Vordergrund zu treten. Dieses bewusste Wechselspiel zwischen Ensembleklang und kleinen Solopassagen zeichnete das Trio Mélange aus und zog sich durch das gesamte Programm. Die Führungsrolle an der Oboe übernahm Anna Eberle mit hellem Klang, der auch im Forte kaum Schärfen aufwies. Johanna Bilgeri verfügte über einen volltönenden, satten Fagottklang, den sie mit viel Wärme zu modulieren verstand. Damit gestaltete sie melodischen Passagen mit intensivem gesanglichem Schmelz. Andererseits dominierte sie dadurch oft den Ensembleklang. Die Klarinette steuerte Paul Moosbrugger mit gradliniger Stimmführung, grosser Beweglichkeit und gezielter Zurückhaltung bei.

Französische Moderne
Mit diesen Eigenschaften gestaltete das Trio Mélange nicht nur das Beethoven-Trio, welches ohne den ausgedehnten Kopfsatz erklang, äusserst lebendig. So wie Beethoven Unterhaltungsmusik seiner Zeit benutzte, spielten sich Jacques Ibert und Pierre Max Dubois im 20. Jahrhundert mit musikalischen Formen von Barock und Klassik. Iberts «Cinq pièces en trio» sind Aperçus vol-ler Witz und Verve. 1935 
entstanden, nutzten sie polytonale Farben und gipfelten in einem «quasi marziale» mit schwungvollen Bewegungen und spritzigem Aufschäumen. Die verschobenen unregelmässigen Takte im «Trio d’anches» von Dubois präsentierten die Vorarlberger mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Wie im Stafettenlauf wurden die Motive reihum gereicht und mit ironischen Zwischenrufen kommentiert. Den Abschluss bildete der «Libertango» von Astor Piazzolla. Im betont avancierten Tempo zeigte sich ein beinah schon aggressiver Zug, der die elegische Melodie von melancholischem Sentiment befreite. Mit einem Originalsatz von Alexandre Tansman verabschiedete sich das Trio Mélange mit einem weiteren Werk voller französischem Esprit. (hw)

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