• Ihr Album-Release fiel genau in den Beginn der Corona-Krise: Countrymusikerin Suzie Candell.

Selbsterfüllende Prophezeihung geschrieben

Countrysängerin Suzie Candell bringt am 27. März ihr neues Album «Restless» heraus. Die geplante CD-Präsentation im Schlösslekeller Vaduz musste abgesagt werden. Das Album erscheint jedoch trotzdem.

Für die Präsentation von Suzie Candells neuem Album «Restless» waren einige Auftritte in der Region geplant, wovon diejenigen bis Mai vorerst abgesagt wurden. «Für manche werden wir uns bemühen, einen Ersatztermin zu finden, aber es steht momentan noch alles in den Sternen und wer weiss, wie lange das Veranstaltungsverbot noch dauert», erzählt die junge Musikerin. «Das Jahr hat leider deshalb auch nicht mehr Tage und Wochenenden und da die Programme vieler Veranstaltungsorte bis Ende des Jahres bereits stehen, wird sich wohl einiges bis ins nächste Jahr verschieben.» Das Veranstaltungsverbot trifft besonders selbstständige Kulturschaffende hart, so auch Suzie Candell. Wenn auch die Termine im Sommer verschoben werden müssten, würde es für die 33-Jährige prekär, wie sie sagt. «Ich habe sehr viel Zeit, Geld und Liebe in mein neues Album gesteckt und dieses nicht live präsentieren zu können, schmerzt nicht nur seelisch, sondern natürlich auch finanziell. Hätte ich geahnt, dass meine erste Single ‹Flat Broke Blues› zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung wird, hätte ich vielleicht einen anderen Song geschrieben», scherzt die Musikerin. «Damals konnte ich noch drüber lachen, immer knapp bei Kasse zu sein und habe den Song quasi als ‹Worst Case Szenario› geschrieben, um mich bei Laune zu halten.»

Radios als Unterstützung
Als Alternative für die vielen abgesagten Konzerte sieht Suzie Candell wenig gute Möglichkeiten. Die meisten physischen CDs würde sie normalerweise an Konzerten verkaufen. Das Geld über Online-Streams oder Downloads wieder reinzuholen, sei für unabhängige Künstler sehr schwer. «Da bräuchte ich bei 0,007 Cent pro Stream die tausendfache Streaming-Anzahl bei Spotify oder iTunes, um am Ende des Tages etwas auf dem Konto zu spüren.» Natürlich würde sie auf ihren Social-Media-Kanälen für ihr neues Album werben. Auch läuft eine europaweite Bemusterung durch ihr Label und sie versuchen, viele Radiostationen zu erreichen und zu überzeugen, ihre Songs zu spielen. Derzeit spielen viele Schweizer Radiosender vermehrt lokale Künstler, um die nationale Musikszene mittels Tantiemen finanziell zu unterstützen. «Das finde ich super und da würde ich doch mal ganz lieb und nett mit dem Zaunpfahl in Richtung Schaan winken», so Suzie Candell. «Radio-Plays sind eine tolle Möglichkeit, nun die regionalen Künstler zu unterstützen, die eigene Songs schreiben und bei der Suisa angemeldet sind. Ein Ed Sheeran oder eine Taylor Swift verhungern möglicherweise weniger schnell als wir.»

Auch Zweitjob nicht möglich
Neben ihrer Karriere als Musikerin ist Suzie Candell normalerweise selbstständig als mobile Reitlehrerin unterwegs. «Ich gebe ausschliesslich Einzellektionen an der frischen Luft, was bis letzte Woche unter Einhaltung des Mindestabstandes auch noch erlaubt war», so Candell. «Leider hat der Schweizerische Pferdesportverband auch dies inzwischen ausdrücklich verboten und somit fällt auch diese Einnahmequelle für mich weg.» Sie habe aufgehört, dieses Verbot zu hinterfragen. «Reitstunden sind derzeit nicht lebensnotwendig. Das sehe ich ein.» Viele Reitställe hätten externen Personen bereits davor den Zutritt untersagt, so dass sie ohnehin gezwungen war, sehr reduziert zu arbeiten, nun gehe es gar nicht mehr. «Es wird wohl sehr knapp werden in den nächsten Monaten, zumal das Frühjahr normalerweise meine Haupteinnahmemonate sind, in denen ich mir ein kleines Polster für den Winter und die Sommermonate schaffe, wenn einige Pferde auf der Alp sind oder Schüler in den Ferien», erklärt die Pferdeliebhaberin.

Live-Stream-Konzerte geplant
Doch die vielseitig begabte Musikerin lässt den Kopf nicht hängen: Ihr Mann Roger Szedalik und sie hätten natürlich auch schon die Idee gehabt, kleine Live-Stream-Konzerte von zu Hause aus zu geben. Sehr viele Künstler machen das derzeit. Sie wollen damit etwas herumexperimentieren und hoffen, dem einen oder anderen vor dem Bildschirm ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. «Hier geht es uns aber mehr darum, ein Zeichen zu setzen, dass Musik verbindet und uns besonders in schweren Zeiten Hoffnung und Freude schenkt.» 

Die fernere Zukunftsplanung ist noch etwas ungewiss: «Ich bin derzeit zugegebenermassen noch in der Schockstarre und die Unsicherheit, wie lange dieser Zustand noch andauert, lähmt mich etwas.» Sie hoffe, dass sich bald ein Ende abzeichnet. «Dann gebe ich wieder Vollgas und versuche für nächstes Jahr viele Auftritte an Land zu ziehen», so Candell. In der Zwischenzeit wolle sie zu Hause viel üben, ein paar neue Songs schreiben und ihr neues Album übers Internet promoten. «Ihr dürft mir gerne alle dabei helfen. Teilen und Liken ist nach wie vor kostenlos und ein gutes Mittel gegen Langeweile», appelliert sie an ihre Fans. (mk)

Hörproben des Albums gibt es auf www.suziecandell.com

26. Mär 2020 / 15:34
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