• Konzert Chorseminar Mozarts Requiem, Schaan
    Das Chorseminar und das SOL überzeugte mit Mozarts Requiem sowie zwei Liechtensteiner Kompositionen.  (Elma Korac)

Schmerz, Trost und Erlösung

Mit Mozarts Requiem deutete das Chorseminar Liechtenstein am Wochenende bereits die Karwoche an. Zwei Liechtensteiner Komponisten setzten neben die Betrachtungen des Klassikers tiefgründige Stimmungsbilder zu Leid und Sterben aus heutiger Sicht.
Schaan. 

Am späten Nachmittag des Palmsonntags präsentierte das Chorseminar Liechtenstein im Schaaner SAL das Ergebnis seiner heurigen Frühjahrssession. Bereits am Vorabend ging das Programm in Vorarlberg über die Bühne. Somit konnten die beiden Liechtensteiner Jürg Hanselmann und Thomas Nipp in der Kulturbühne Ambach in Götzis nicht nur den verdienten Applaus für die Uraufführung ihrer Werke entgegennehmen. Sie feierten gleichzeitig einen veritablen Auslandserfolg, dem etliche Liechtensteiner beiwohnten. Ihre Kompositionen nahmen dabei Bezug auf die Stimmung des Hauptwerks im Programm, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart. Inhaltlich und in der Ausgestaltung setzten sie die Thematik der «letzten Dinge» auf ihre jeweils eigene Art um.

Ergreifende Uraufführungen
Die «Partita» von Jürg Hanselmann entstand bereits 2009 als Einleitung zu Mozarts «Requiem». Da die Aufführung damals nicht zustande kam, musste die Uraufführung der Originalversion für Kammerorchester zehn Jahre bis zu diesem Samstag warten. Die Adaption für Streichquintett wurde allerdings bereits an der Deutschen Oper Berlin gespielt und ist auf CD erschienen. Die Uraufführung des Originals in Götzis hinterliess nicht nur einen tiefen Eindruck. Sie rückte auch das Sinfonieorchester Liechtenstein als starken Partner des Chorseminars ins Rampenlicht. Einzig die Besetzung hat Hanselmann an Mozarts Requiem orientiert: Streicher mit zwei Bassetthörnern und Fagotten. Ansonsten, betont der Komponist, habe er sich während der Komposition bewusst nicht mit Mozart auseinander gesetzt. Er wollte rein instrumental die Idee eines Requiems umsetzen.
Im Verlauf des Abends sollte sich zeigen, wie tief Hanselmann in die Archetypen dieser Gattung eingetaucht ist. Auf dieser Ebene offenbarte die klare Diktion des SOL unter William Maxfield durchaus Parallelen zu Mozart – etwa die prägnanten Punktierungen, mit denen die tiefen Streicher gleich zu Beginn von Hanselmanns «Partita» ein kantiges Thema prägten. Darüber staffelten sich Stimme für Stimme in zunehmender Bedrängung. Die so entstehenden liegenden Klangflächen voller steigender Reibung dominierten dann auch die zentrale Aria. Zerdehnte Melodielinien bauten Dissonanzen auf, die nach strengen Satzregeln stehen blieben – wie Schmerzen, die durchgestanden werden müssen. Peitschten die Streicher den Fandango noch martellato vor sich her, kam in den letzten beiden Tanzsätzen eine Aufhellung. Aber hinter der gelösten Stimmung klangen die Dissonanzen noch wie über Generationen verdrängte Traumata nach.

Mitreissende Gesangsleistungen
Die drei geistlichen Sätze von Thomas Nipp führten Chor und Orchester zusammen. Alle drei waren in der Region noch nie zu hören. «Dass mein Herz» erlebte seine Uraufführung. Der erfahrene Kirchenmusiker Nipp wählte eine gemässigt freie Tonalität mit angereicherten Mehrklängen. Die Reibungen dieser zusätzlichen Spannungstöne forderten den Sängern höchste Konzentration und Durchhaltevermögen ab. So entstanden wunderbar irisierende Wendungen und abgeklärte Momente. Der Text wurde in der musikalischen Gestik hörbar.
In Mozarts Requiem verbreitete der volle und abgerundete Klang des Chores erhabene Stimmung. Das Solistenquartett agierte sehr einheitlich. Besonders die zwei Frauen verschmolzen stimmlich, ohne dabei ihre Individualität aufzugeben. Anna Gschwend liess ihren schlank geführten Sopran mit leichtem Schwung aufblühen. Die Alt-Partie gestaltete Martina Gmeinder mit selbstverständlicher Präsenz, Wärme und angenehm klarem Stilbewusstsein. Mindaugas Jankauskas bestach mit seinem hellen, strahlenden Tenor heuer bereits bei der Operettenbühne Vaduz. Martin Summer nahm seinen dunklen Bass im Ensemble klug zurück, um in den Solopassagen die Qualitäten seiner schweren Färbung geschickt auszuspielen. Vom heftigen Zorn des «Dies Irae» bis zur Mystik des «Confutatis» lenkte William Maxfield Chor und Orchester mit klaren Zeichen. Die Sänger entfalteten ihre Klangfülle durchhörbar mit zielgerichtetem Agieren. Das offenbarte auch Brüche in den von Mozarts Schüler Süssmayr ergänzten Teilen. Mozarts Doppelfuge führt im Kyrie zwingend weiter. Die Wiederholung im «Lux aeterna» als Finale baut eine Verheissung auf, in die lange niemand zu applaudieren wagte. Das Versprechen löste erst das «Ave verum» als Zugabe auf. (hw)

14. Apr 2019 / 20:38
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