• 20180118 Schauspiel Clean City in Schaan TAK SAL
    Fünf Migrantinnen, die in Griechenland zu Putzfrauen degradiert wurden, erzählen im Dokumentartheater «Clean City» aus ihren Leben.  (Nils Vollmar)

Ruhm für putzende Migrantinnen

Mit Standing Ovations wurde der Mut von fünf unfreiwilligen Putzfrauen belohnt, die ihre Migrationsgeschichte in Griechenland im Dokumentartheater «Clean City» auf der Bühne zeigten. Am Mittwoch machte die Truppe Halt in Schaan.
Schaan. 

Ein aussergewöhnliches Stück stand am vergangenen Mittwoch auf dem Programm im SAL. Keine richtigen Schauspielerinnen standen auf der Bühne, sondern Frauen aus dem realen Leben, die nichts anderes als sich selbst spielten. Ursprünglich waren Mabel, Rositsa, Fredalyn, Drita und Valentina Architektin, Akademikerin oder klassische Sängerin. Die Umstände in ihren Ländern zwangen sie jedoch dazu, ihre Heimat zu verlassen und sich in einem neuen Land – in diesem Fall Griechenland – auf die Suche nach einer besseren Zukunft zu machen. Doch die Zukunft wurde nicht besser, denn alle fünf mussten als Putzfrauen anheuern.

Dass sie ihre Rolle verinnerlicht haben, zeigte Rositsa schon mit ihrem ersten Satz: „Ich will nach der Vorstellung keine Kaugummis unter den Stühlen sehen! Denken Sie an die Putzfrauen, die danach sauber machen müssen.“ Wie auf einem Pferdemarkt seien sie nach ihrer Ankunft von ihren künftigen Arbeitgebern ausgewählt worden. „Die ist zu dünn, die kann nicht hart arbeiten.“ Oder „die ist zu dick, die isst zu viel“, waren Aussagen, die über sie gemacht wurden. Als Rositsa bei einer Familie als Babysitterin unterkam, musste sie erstmals laut weinen, da sie ihre eigenen Kinder in Bulgarien zurückgelassen hat. „Weine nicht vor den Kindern“, war dann auch gleich der erste Befehl, den sie erhielt. Sie habe tagelang nur gewartet, bis sie ins Bett und damit weinen konnte. Die studierte Architektin Fredalyn hielt es keinen Monat bei ihrem neuen Arbeitgeber aus, denn dieser bot ihr noch in den ersten Wochen eine heimliche Affäre gegen Geld an. Als sie ablehnte, bekam sie nicht mal ihren bisher verdienten Lohn und musste ohne Geld nochmals neu anfangen. Ihrer Familie hat sie oder auch die ehemalige Dozentin Drita nichts von ihrem neuen Job gesagt. Zu fest haben sie sich geschämt. (mk)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» von Freitag, 19.1.2018.

18. Jan 2018 / 13:44
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