• Holocaust-Gedenktag
    Michael Baum, Yael Teitler, Dominique Hasler, Albert Frick, Florian Marxer und Evelyne Bermann.  (Eddy Risch)

Holocaust-Gedenktag im Takino

Anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau startete das Amt für Auswärtige Angelegenheiten zusammen mit dem Filmclub im Takino Schaan gestern Abend eine Filmreihe, die gegen das Vergessen ankämpfen soll.

Die Filmreihe, lanciert vom Amt für Auswärtige Angelegenheiten in Zusammenarbeit mit dem Filmclub, soll sich neben dem Kampf gegen das Vergessen auch mit der Frage der moralischen Schuld, dem Nährboden von Radikalisierungen und dem Umgang mit der Wahrheit beschäftigt. Gezeigt wurde das lange verschollen geglaubte Werk «Die Stadt ohne Juden» aus dem Jahr 1924.

Um 17 Uhr betrat Panagiotis Potolidis-Beck vom Amt für Auswärtige Angelegenheiten das Podium im Takino. Emotional ergriffen bedankte er sich bei den zahlreichen Anwesenden für das Interesse. Neben vielen Gästen aus der Bevölkerung nahmen auch Landtagspräsident Albert Frick, Innenministerin Dominique Hasler, Polizeichef Jules Hoch und diverse weitere bekannte Gesichter aus Politik und Gesellschaft am Anlass teil. Es gebe in den nächsten drei Wochen noch vier weitere Filmvorführungen in Liechtenstein, die Vor- und Nachbesprechungen beinhalten würden und auch für Schulen sehr zu empfehlen seien, erklärte Potolidis-Beck weiter.

Das «dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte»

Vor der Vorführung des Stummfilms hielt Innenministerin Dominique Hasler eine Eröffnungsrede, die das emotional erdrückende Thema den Anwesenden vor Augen führte. Das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte dürfe auf gar keinen Fall vergessen werden. In den Konzentrationslagern kamen neben sechs Millionen Juden auch unzählige Homosexuelle, Romas, Menschen mit Behinderungen und Andersdenkende ums Leben. Es sei doch genau dieses Multikulturelle und Alternative, das unser heutiges Leben so dermassen bereichere und wertvoll mache. Es gebe wenig Gedanken, die zum Thema Holocaust noch nicht formuliert wurden und doch sei es die grosse Aufgabe der Politik, die Menschen zu sensibilisieren. Hass und Radikalität wie ihn die Nationalsozialisten gelebt haben, dürfe es in der heutigen Zeit nicht mehr geben. Andächtig rief Innenministerin Hasler zu einer Schweigeminute für alle Opfer auf und bedankte sich bei den Anwesenden, dass auch sie sich aktiv gegen Ausgrenzung und für ein liebevolles Miteinander einsetzen.

Wenn die Realität die Fiktion überholt

Nach der Andachtsminute ergriff der Filmkritiker und ziemlich geschichtsvirtuos agierende Hannes Sulzenbacher das Wort. Er zitierte niederschmetternde Kritiken an dem Stummfilm «Die Stadt ohne Juden» und zeichnete die Odyssee des verschollen geglaubten Werks nach, das durch einen Zufallsfund auf einem Flohmarkt in Paris erst vor wenigen Jahren in vollständigem Umfang für die Nachwelt zugänglich gemacht werden konnte.

Der Schwarz-Weiss-Streifen erzählte in einer Metapher, wie Antisemitismus aus dem Nichts entstehen kann und welche Folgen eine Vertreibung von Juden für das gesellschaftliche Miteinander haben kann. Brisant an dem Buch zum Film ist die Voraussicht des Schriftstellers Hugo Bettauer. Denn dessen «erfundene» Geschichte aus dem Jahr 1922 wurde am 10. März 1925 von der Realität überholt, als er von einem NS nahen Attentäter angeschossen wurde.

Auch während der Vorstellung des Films im Takino gab es hin und wieder Déjà-vus, denn nicht nur das Auftreten des Bundeskanzlers im Film erinnerte irgendwie an Donald Trump, auch als die Juden, die aus dem Staat «Utopia» verschwinden mussten, in die Züge stiegen, lief vielen Zuschauern im Takino ein eiskalter Schauer über den Rücken. Es wurde allen klar in Schaan, die Erinnerung an diese dunklen Tage sind wichtig, denn Hass entsteht leider auch heute noch schneller als Liebe. (ci)

28. Jan 2019 / 10:09
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