• Operette Der Bettelstudent
    Pompöse Kostüme und kraftvolle Gesänge prägen den Bettelstudenten.  (Daniel Schwendener)

Gesanglich und darstellerisch imposante Inszenierung

Am Freitagabend feierte die Operettenbühne Vaduz mit der Inszenierung des Bettelstudenten im ausverkauften Vaduzer Saal Premiere. Trotz kurzfristigen Grippeausfällen meisterten der 40-köpfige Chor sowie die 14 Solisten ihre Gesangsparts bravourös.
Vaduz. 

Ein fröhlicher Marsch erklingt aus dem Orchestergraben, hinter dem zugezogenen Vorhang tanzen Paare eine Mazurka. Plötzlich kämpft sich die Comptesse Laura (Anna Gschwend) durch den Vorhang durch – dicht gefolgt vom Oberst Ollendorf (Christian Büchel), der sie sexuell bedrängt. Und siehe da – die junge Frau wehrt sich und schlägt dem Oberst zwei Mal mit dem Fächer ins Gesicht. Der Gedemütigte zieht wütend ab, sie bleibt am Boden zerstört zurück.

Fotostrecke: Der Bettelstudent - Vorstellung
Operette Der Bettelstudent
Operette Der Bettelstudent
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Operette Der Bettelstudent
Operette Der Bettelstudent

„Ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst“
Szenenwechsel. Drei glatzköpfige Wärter klopfen einen Jass vor den Gefängnisgittern. Mehrere Frauen stürmen auf die Bühne und bitten mit ihrem feinen, und gleichzeitig stimmgewaltigen Gesang herzzerreissend um Einlass zu ihren gefangenen Männern. Kerkermeister Enterich (Paul Erkamp) willigt ein, um zuvor noch einige der Geschenke zu konfiszieren. Mit seinem rüpelhaften Auftreten und Aussagen wie „Für einen Mann zwei Flaschen Wein, das könnte schädlich sein“ sorgt er für erste Lacher im Publikum. Gleichzeitig beeindruckt das imposante Bild, das der über 40-köpfige Chor in ihren „schäbigen“ Kostümen hinter den düster beleuchteten Gefängnisgittern abgibt.

Video

Premiere der Bettelstudent
Premiere Bettelstudent - erste Reaktionen.

Die Idylle hält nicht lange, als jäh eine königliche Delegation eintrifft und sich die Frauen schleunigst vom Acker machen müssen. Schnell wird klar, dass der Besuch Ollendorfs im Gefängnis etwas mit seinen Racheplänen zu tun hat, als er inbrünstig den Bettelstudent-Klassiker singt: „Ach ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst“. Er lässt sich zwei junge, schöne Häftlinge bringen, die er der Comptesse als Fürsten verkaufen will. Die zwei Auserkorenen (Michael Mogl, Mindaugas Jankauskas) wehren sich wie wild und werden von den Aufsehern gewalttägig gebändigt. Mit einem humorvollen Übergang leitet Regisseurin Astrid Keller die nächste Szene ein, als die zwei Häftlinge plötzlich gemeinsam mit den gegnerischen Soldaten ein Tänzchen aufführen.

Strategien, um Armut zu verbergen
Feierlich wird es auch auf der Frühjahrsmesse, wo die drei noblen Damen Laura, Palmatica und Bronsilawa Nowalska (Anna Gschwend, Barbara Jaggi-Pietrzak und Nadja Nigg) erstmals mit einem äusserst synchronen Fächeraufschlag auf der Bühne erscheinen. Während das „niedrige“ Bauernvolk – angeführt von der Wirtin Rej mit einer verrückten Frisur wie aus Alice im Wunderland (Miriam Dey) – mit allerlei Leckereien lockt und mit einem Tanzbär sowie einer menschlichen Puppe für Unterhaltung sorgt, muss sich die Familie der Gräfin Nowalska Strategien ausdenken, um ihre Armut zu verbergen. Mit dem Lied „Einkäufe machen sollten wir eigentlich“ und Phrasen wie „Zucken die Achseln verächtlich so so“ treten die drei Frauen nicht nur gesanglich, sondern auch choreografisch als harmonische Einheit auf. Während Laura und Palmatica ihre vornehme Rolle konsequent durchziehen, lässt sich die hemdsärmlige Bronislawa von ihrem Hunger leiten und verguckt sich statt in den Fürsten in dessen Sekretär. Laura hingegen hat nur Augen für den scheinbaren Fürsten Wybicki („der Bettelstudent“, Michael Mogl)und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Trotz ihrer nicht ganz ausgeheilten Halsentzündung meistert Anna Gschwend das anspruchsvolle Lied „Höchste Lust und tiefstes Leid“ mit seinen zahlreichen Koloraturen perfekt und schliesst mit diesem gesanglichen Höhepunkt den ersten Akt.

Eindrucksvolles Bühnenbild
Durch das Geld des Bettelstudenten geniesst die Gräfinnen-Familie ihren neuen Wohlstand und missbraucht ihren Diener Onuphrie (Pascal Weder) – sehr zur Unterhaltung des Publikums – als Fussablage. Eine romantische Szene jagt die nächste, zum Beispiel als sich Bronislawa und Sekretär Jan Janicki mit kraftvollen Stimmen gegenseitig ihre Liebe bekunden und danach wild über sich herfallen, was mit einem besonderen Applaus gewürdigt wurde. Auch Laura und der Bettelstudent präsentieren mehrere mitreissende Duette, die ihre unendliche Liebe zum Ausdruck brachten. Besonders imposant wirkte dabei auch das eindrucksvolle Bühnenbild (Leopold Huber), als alle 50 Darstellerinnen und Darsteller in pompösen Barockkleidern die Hochzeit Lauras und Wybickis feierten.

Grosses Klangvolumen
Für weitere eindrückliche Vorstellungen sorgten die stimmgewaltigen Männer, der Kerkermeister Enterich wie auch der geschmähte Oberst Ollendorf – wie die weiteren Gesangsparts immer sehr gut abgestimmt mit dem Sinfonieorchester Liechtenstein. Für Unterhaltung sorgten nicht nur die Liechtenstein-Version eines Liedes, die zahlreichen humorvollen Sprüche, die ins Geschehen eingebaut wurden, sondern auch die humorvolle Verkörperung des Sekretärs durch Mindaugas Jankauskas, der wie ein batteriebetriebenes Häschen über die Bühne rauschte. Besonders hervorgestochen ist auch der Chor mit einem reinen, grossen Klangvolumen sowie einer detailreichen Choreografie (Sunny Walterspiel). Das Premierenpublikum war überzeugt – es dankte der Operettenbühne Vaduz mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen.

Weitere Aufführungsdaten bis Februar unter www.operette.li

27. Jan 2019 / 22:55
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