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    Conjaqua spielte eine Mischung aus zeitgenössischer klassischer Musik und non idiomatischer Improvisation.  (Julian Konrad)

Filmische Klangteppiche zum Auftakt

Hannah Wirnspergers Quartett Cojaqua gab einen experimentellen Auftakt zur 14-tägigen Live-Sessions-Reihe mit hiesigen Musikern. 

Die Reihen füllten sich am Montagabend in den Little Big Beat Studios in Eschen nur schleppend, als Hannah Wirnspergers Quartett Cojaqua seine Liechtenstein-Premiere feierte. Nur zur Hälfte gefüllt war der grosse Aufnahmeraum im Eschner Tonstudio, doch die Besucher, die sich auf den Weg nach Eschen machten, schienen begeistert vom Dargebotenen. Auch die Organisatoren, Karl Gassner von der Tangente und «Little» Konzett vom Tonstudio, waren voll des Lobes für die vier jungen Musikerinnen: «Hammer! Das war ein super Start!», waren sich die beiden einig.

Im Improvisieren aufgegangen
Die Beschreibung im Programmheft liess es bereits vermuten, dass das Konzert ziemlich experimentell werden könnte. «Cojaqua erkundet die verblassende Linie zwischen traditionell notierter und frei improvisierter Musik», hiess es dort. Und sie hielten ihr Versprechen: Die vier Musikerinnen gingen so in ihren Improvisationen auf, dass das erste Stück (in das eine kurze Komposition von Bettina Skrzyp­czak eingebaut war) ganze 45 Minuten dauerte. «Gut, jetzt haben wir grad noch Zeit für ein kurzes, letztes Stück», sagte Tontechniker «Little» Konzett nach dem Applaus den Zuschauern und Musikern über die Kopfhörer. Die vier liessen sich nicht aus dem Konzept bringen und änderten kurzerhand das Programm. Statt der zwei weiteren angekündigten Stücke präsentierten sie eine grafisch notierte Eigenkomposition der Flötistin, die auf der von Triesenberg aus sichtbaren Bergkette basiert.

Spannungsbogen fast eine Stunde aufrecht gehalten
Ein schriller Pfiff – Stille – ein Tastenanschlag – ein verzerrter Nachhall. Einmal mit der Gitarre (Klara Germanier), einmal mit der Tuba (Annika Granlund). Wieder ein schriller Pfiff und verschwindend leise Töne, dann ein kräftiges Intermezzo mit der Flöte (Hannah Wirnsperger) – sanft begleitet von der Tuba. Dann ein Klang vom Klavier (Meret Siebenhaar) – ausgelöst durch das Zupfen im Flügelinnern. Dazu passend die verzerrten Gitarrenläufe. Mal klangen die Tonerzeugnisse wie ein säuselnder Wind, mal wie ein Flugzeugstart, mal wie ein knarzender Estrichboden und ein andermal wie eine Kirchenglocke. Durch den vielfältigen Einsatz von Hilfsmitteln wie Magneten, Eisenstäben oder einem Cellobogen war es nicht immer möglich, herauszufinden, von welchem Instrument welches Geräusch stammt. Das Publikum jedenfalls lauschte konzentriert bis zum Schluss, denn die vier Musikerinnen schafften es durch die Variation von Lautstärke und Tempo, den Spannungsbogen die ganzen 45 Minuten aufrecht zu halten. Schloss man die Augen, fühlte man sich in eine nervenaufreibende Filmszene hineinversetzt. Und man fragte sich, wie man auf einer Tuba oder Querflöte so verschwindend leise spielen kann. Dass die Musikerinnen ihre Instrumente beherrschen, war offensichtlich. Denn die vier haben sich während dem Musikstudium in Luzern kennengelernt und – wo könnte es anders sein – beim Schwerpunktfach Improvisieren. «Falls jemand Probleme mit unserer Musik hatte, stehen wir gerne noch für Fragen zur Verfügung», sagte Gitarristin Klara Germanier grinsend zum Schluss.

Aufnahmetechnisch etwas vom Schwierigsten
Dass das Konzert ein Wagnis war, das gelungen ist, bestätigte auch Studiobetreiber «Little» Konzett: «Ich habe mich nie so richtig getraut und bin froh, dass wir jetzt einmal so etwas gemacht haben.» Diese Extreme von Null auf 100 seien auch aufnahmetechnisch etwas vom Schwierigsten. «Man muss Akzente setzen, aber nicht zu stark, damit die Atmosphäre nicht verändert wird.»

In eine andere klassische Richtung geht das Festival bereits am Tag darauf mit Hieronymus Schädlers Duo Armoniac, das mit Werken des jungen wie auch gereiften Mozart aufwartet. Morgen geht es weiter mit Roger Szedalik und Karin Ospelt alias Puck & Tatti. (mk)

Vorverkauf/Reservation
Für alle Veranstaltungen gibt es noch Tickets. Manche sind jedoch schon gut gebucht. Tickets gibt es unter Tel. +423 373 28 17, www.littlebigbeat.li/tickets oder info@tangente.li

11. Aug 2020 / 11:10
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