• Nachts im Aufzug
    Die Menschen (Mathias Märk, Roswitha Fehr) begegnen auf ihren Reisen durch die Welten allerlei Märchenfiguren.  (Brigitt Risch)

Eine wilde Reise durch die Märchenwelt

Mit Freude auf der Bühne stehen und die Zuschauer in eine andere Welt entführen: Dies gelang dem «TheaterTrotzdem», einer Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung, bei der gestrigen Premiere in der Probebühne des Jungen Theaters einmal mehr.
Vaduz. 

Eine ältere Frau wird auf einem fahrenden Stuhl über die Bühne geschoben, dabei starrt sie nur auf ihr Handy. Auch die ihr nachfolgenden Passanten halten alle ein Mobiltelefon in der Hand, schreiben Nachrichten oder telefonieren. Dabei fällt eine jüngere Frau (Roswitha Fehr) auf, die einen Brief in der Hand hält. Sie betrachtet ihn kurz, schaut aber gleich wieder aufs Handy. «Hoi du, war dein Tag auch so stressig?», fragt sie ein jüngerer Herr (Mathias Märk). Und weiter: «Ständig hat das Telefon geklingelt.» Auf die Frage, ob sie gemeinsam einen Film schauen, verneint dieser, da er lieber Computer spielen würde. Auf der Suche nach Alternativen betrachtet die Frau den Brief erneut - eine Mitteilung der Bibliothek, dass der Ausweis abläuft und murmelt: «Lesen ist total altmodisch und langweilig».

Märchenwelt ist aus den Fugen geraten
Einige Zeit später betritt ein Zwerg (Melanie Thalmann) die Bühne und ruft: «Ist jemand zuhause?» Verschlafen kommt die Frau (Roswitha Fehr) aus ihrem Zimmer, gefolgt von ihrem Bruder (Mathias Märk), der erstaunt fragt: «Wer bist denn du?» «Ich bin der Zwerg Seppl aus der Märchenwelt.» Und fährt fort: «Bei uns im Märchenland geht alles drunter und drüber.» Er beschwert sich, dass die Menschen zu wenig lesen und besonders keine Märchen mehr. Daher will sie die beiden Geschwister mit in die Märchenwelt nehmen. Nach kurzem Zögern folgen die zwei dem Zwerg zu einem geheimnisvollen Lift. Dieser führt sie direkt in Grimms Märchenwelt, dessen Figuren völlig aus dem Ruder ge- laufen sind: Die sieben Zwerge sind vor dem gewalttätigen Schneewittchen (Pamela Cimino) geflüchtet und wollen keine Zwerge mehr sein, Hänsel (Michael Marxer) und Gretel (Roswitha Fehr) bewerfen das Hexenhaus mit Farbe, beginnen zu kämpfen und «wollen den bösen Wolf aufmischen».

Besuch in der Wüste und Unterwasserwelt
Nun erkennen die Gäste aus der Menschenwelt, dass mit der Märchenwelt etwas nicht in Ordnung ist. «Kommt, wir gehen zu den Märchen der Unterwasserwelt, um zu schauen, ob dort noch alles beim Alten ist», schlägt Zwerg Seppl vor. Gesagt, getan. Mit dem Lift geht es weiter zum Regen- bogenfisch, einem angsteinflössenden Hai und einer Krabbe, die die anderen Meeresbewohner zwickt. «Kleine Meerjungfrau, warte doch, ich liebe dich», ruft ein unglücklicher Prinz (Andreas Aprile). «Nur wegen dir habe ich mein Schloss verkauft», sagt er. «Wegen mir? Ich hab dir doch von Anfang an gesagt, dass ich mich in den Fischer verliebt habe», entgegnet die Meerjungfrau (Marsela Pscheider). «Nur seine Frau, die Ilse Bill, die will vermutlich nicht, wie ich will», sagt sie und versucht, den Prinzen mit des Fischers Frau zu verkuppeln. Ausgerechnet jetzt hat Zwerg Seppl auch noch die Fernbedienung für den magischen Lift verloren. Mit Hilfe der Meereshexe und einem listigen Trick geht es weiter in die Wüste zu den 40 Räubern. Auch dort ist nichts mehr beim Alten, denn diese haben sich mit Hilfe des Arbeitsamts zu Artisten umschulen lassen. Mit Hilfe von Aladdins Wunderlampe soll die Märchenwelt schliesslich wieder in Ordnung gebracht werden, nachdem die Menschen die Wichtigkeit der Märchen und des Lesens erkannt haben.

Lustige Geschichte, liebevoll inszeniert
Die Geschichte «Nachts im Aufzug», geschrieben und inszeniert von Kathleen Pietzko und Stefanie Seidel, überzeugt mit vielen schönen Choreografien, liebevoll angefertigten Kostümen und Requisiten sowie zahlreichen lustigen Ideen und Dialogen. Zum Bei- spiel sorgt die Szene, in der Theres Senti erklärt «Ich gebe zu, sie (die Meereshexe) ist nicht sonderlich sympathisch», für einige Lacher. Und auch die Szene, in der die Hexe aus dem Lebkuchenhaus (Theres Senti) als Streitschlichterin fungiert und dafür mit «Oma, was willst du?» angefahren wird, zeugt von der Kreativität der Autorinnen. Eine besonders gute Wirkung entfalten auch die Liftszenen, bei denen die Darsteller zu fetziger Musik pantomimisch agieren. Es ist eine Freude, zu sehen, mit wie viel Spass und Ehrgeiz die Darsteller bei der Sache sind; zum Beispiel, wenn Mathias Märk seiner Rolle entsprechend lautstark auf der Bühne zu weinen beginnt, Jasmin Löhrer vor lauter Freude lachend aus der Reihe tanzt oder Reno Rüegger als heilbringendes Pferd kräftig wiehert. Das JungeTheater mit Regisseurin Kathleen Platzko, den drei Schauspielern des Theaterplus (Melanie Thalmann, Roswitha Fehr, Marsela Pscheider) und Betreuerin Jana Hoop - die durch spontane Improvisation amüsierte - zeigt einmal mehr, wie man Menschen mit Behinderung hilft, sich würdevoll zu präsentieren und dabei noch Spass zu haben. Umso erfreulicher, wenn die Zuschauer mitbekommen, wie die Darsteller von Produktion zu Produktion Fortschritte machen. (mk)

Weitere Aufführungen: 1. Februar, 3. Februar, 5. Februar, jeweils 19 Uhr, Probebühne des Jungen Theaters Schaan

01. Feb 2019 / 09:48
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