• Eröffnung Literaturhaus Schaan
    Die Literatur hat in Schaan ein neues Zuhause.

Eine Baustelle für mehrere Kulturen

Nach 18 Jahren der Wanderung hat das Literaturhaus einen festen Wohnsitz, nämlich an der Poststrasse 27 in Schaan. Das neue Gebäude soll ein Treffpunkt für alle Kulturinteressierten des Landes werden.
Schaan. 

In Vaduz spricht man derzeit über Pläne für ein «Haus des Sports», in Schaan «eröffnete» am Freitag das Literaturhaus – oder besser gesagt eine Baustelle, die dem langgehegten Traum des gleichnamigen Vereins allmählich näher rückt. Dieser ist laut Präsident Roman Banzer über 18 Jahre lang von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort «vagabundiert», bevor er demnächst sesshaft wird. 

Fotostrecke: Eröffnung Literaturhaus in Schaan
Eröffnung Literaturhaus Schaan
Eröffnung Literaturhaus Schaan
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Eröffnung Literaturhaus Schaan

Den Neubau an der Poststrasse 27 teilt das Literaturhaus mit dem Filmclub, dem Antiquariat von Hansjörg Risch und der Buchhandlung von Bernadette Kubik-Risch. Angesichts des nicht abgeschlossenen Baus lässt sich dieser Treffpunkt der Kultur – zumindest noch im Moment – schwer vorstellen. Nichtsdestotrotz waren die Verantwortlichen und geladenen Gäste in Feierlaune, wohl wegen der «Kooperation und Kommunikation zwischen Literaturinteressierten aus dem ganzen Land», wie Roland Marxer, Präsident der Kulturstiftung, das Projekt betitelte. Zudem lädt der Pavillon vor dem Haus bereits zum Verweilen und zu anregenden Gesprächen ein. Die Eröffnung wurde musikalisch vom Stefan Frommelt Trio begleitet.

Aurelia Frick sagt kein einziges Wort
Bevor er Kulturministerin Aurelia Frick die Bühne überliess, formulierte Roman Banzer einen klaren Wunsch: «Wenn Sie uns zukünftig fragen, wie viele Mitarbeiter wir haben, möchte ich Ihnen eine Zahl grösser als Null nennen.» Dass sie ein Gespür für das Rampenlicht hat, bewies Frick mit einer Adaption einer Szene aus der romantischen Komödie «Love Actually»: Statt einen von vielen Vorträgen zu halten, liess sie Worte auf Papierblättern für sich sprechen. Im Kontext des ereignisreichen Donnerstags, an dem sie  einige einprägsame Zitate lieferte, kommt diesen eine besondere Bedeutung zu. Ein Beispiel aus ihrer – für eine Politikerin – überraschenden Performance: «Rein, ehrlich, pur – nur das Wort.»

Besuchermagnet über Schaan hinaus
Als nächstes lenkte der Moderator den Fokus auf die Heimat des Literaturhauses. «Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurden Kulturinstitutionen in dieser Gemeinde nicht immer so herzlich begrüsst», meinte Banzer. Seiner Meinung nach habe die Kultur, als Wendepunkt nannte er das TAK, die Schaaner menschlich gemacht. 

Seine Willkommensrede begann Vorsteher Daniel Hilti am Tag vor der Eröffnung. «Als ich um 6.15 Uhr hier vorbeigeschaut habe, dachte ich mir: ‹Mein Gott und Vater, was ist da los?›» Aufgrund der Baustelle wollte er sich per E-Mail an Banzer vergewissern, ob die Veranstaltung tatsächlich am folgenden Tag stattfindet. Die Antwort fiel relativ kurz aus: «Verkopf dich nicht.» Eine solche Gelassenheit hätte der Vorsteher auch gern, scherzte er. Die nachfolgenden Worte von Hilti waren eine Ode an das neugeborene Literaturhaus. «Dich hat der Himmel geschickte», habe der Vorsteher zu Hansjörg Quaderer, Vorstandsmitglied des Literaturhauses, gesagt, als dieser ihm das Projekt vorstellte. Immerhin sei es der Gemeinde stets ein Anliegen gewesen, das Zentrum weiter aufleben zu lassen und neben vielen weiteren Angeboten gehöre auch die Kultur dorthin. Für diesen Zweck lässt sich Schaan nicht lumpen, wie die Summen von 75 000 Franken für das Literaturhaus und 79 600 Franken für die Bestuhlung der beiden Kinosäle zeigen. «Bei diesem sehr vielversprechende Programm bin ich überzeugt davon, dass wir hiermit einen Besuchermagneten geschaffen haben, der über Schaan hinaus geht.»

Eine Improvisation, die für Applaus sorgt
Vor dem Hauptvortrag von Stefan Zweifel, mitten in der Veranstaltung, begrüsste Roman Banzer den zu Beginn untergegangenen Markus Wille, Geschäftsführer des Filmclubs. «Du trägst Mitschuld, dass wir in diesem Haus sind», erläuterte der Präsident des Literaturhauses. 

In seinem Vortrag über die «Dringlichkeit der Literatur» setzte sich Zweifel mit der Beziehung zwischen Autor und Kritiker auseinander. Dass der Referent ein Experte in diesem Bereich ist, manifestiert sich nicht nur in seiner literarischen Sprache, sondern auch darin, dass er beide Rollen ausübt. «Der Autor liegt da und kuscht vor den Kritikern», lautete seine erste These, für die er das Bildnis einer Couch beim Psychiater verwendete. Gegen Ende seiner Ausführungen, für die der Zürcher den längsten Applaus von allen einheimste, kehrte er den Spiess um: «So sitzt zuletzt der Autor aufrecht und ich liege als Leser vor ihm, nicht wissend, was sein Text bedeutet. Ich weiss aber, dass ich mich nach ihm sehne.» Roman Banzer freute sich im Anschluss darüber, dass er Zweifel zu einer Improvisation geraten habe.

Kulturstiftung möchte diesen Weg weitergehen
«Für mich ist Belesenheit eine Horizonterweiterung», so Roland Marxer, Präsident der Kulturstiftung, und zugleich der letzte Referent des Abends. Es sei schon eine Weile her, seit das Literaturhaus ihm das Projekt zum ersten Mal vorgestellt habe. Danach sei eine Weile nichts mehr passiert, bis dann die Kooperation mit dem Filmclub ins Spiel kam. «Mit der Leistungsvereinbarung sind wir jetzt drei Jahre auf einem guten Weg und ich hoffe, dass wir diesen fortsetzen werden», zeigte sich Marxer zuversichtlich. (gk)

16. Jun 2019 / 22:45
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