• Vincent Herring und seine Mitmusiker spielen einen swingenden Modern Jazz mit einer Selbstverständlichkeit, als gäbe es nichts anderes auf der Welt.  (ARNO OEHRI)

Eine Band wie die Beatles

Der amerikanische Saxofonspieler Vincent Herring stellte mit seinem exzellenten Langzeitquartett das neue Programm «Soul Chemistry» am Freitagabend in der Tangente in Eschen vor. Ein Abend mit swingend-bluesigem Motown Jazz vom Feinsten.
Eschen. 

Aufmerksamen Besuchern des Jazzclubs Tangente sind die vier grossformatigen, leicht verschwommenen schwarz-weiss Bilder (eigentlich handelt es sich um ein dunkles Sepiabraun) an den weinroten Wänden des Konzertraums bestimmt schon öfters aufgefallen. Eines davon, das Bild gleich neben dem Musikereingang, zeigt einen dunkelhäutigen Bassisten mit einem speziellen, kurzkrempigen Hütchen. Das Bild wurde bei einem Konzert vor langer Zeit aufgenommen, als die Wände noch alle weiss waren und sich gerade deshalb diese Bilder, wie von Schattenrissen gezeichnet, machen liessen. Zum Glück gibt es die Tangente Chronik, in der alle Konzerte der vergangenen 39 Jahre verzeichnet sind, denn genau jener Bassist, nämlich der nach den USA ausgewanderte Nigerianer Essiet Essiet, mit dem genau gleichen Typus Hütchen, stand am Freitagabend wieder einmal auf der Tangentebühne - und da lag die Frage natürlich nahe, wann denn der gute Mann zuletzt den Liechtensteiner Jazzclub beehrt habe. 

Nun, das war am 8.November 1994 mit «The Super Quartet», jenem legendären Quartett von Freddie Hubbard, mit Kirk Lightsey und Louis Hayes, kurz nachdem Freddie Hubbard aus dieser Band zurückgetreten war und durch Javon Jackson ersetzt wurde. Vincent Herring war schon früher in Eschen, nämlich im Januar 1993 mit dem ebenso legendären Nat Adderley Quintet, 1995 dann mit der eigenen Band, und noch weiter zurück reicht die Geschichte des Schweizer Drummers Joris Dudli, der im 2. Jahr der Tangente, im Dezember 1981 (!) als Drummer des Art Farmer Quintets sein erstes Stelldichein gab. Wenn man all diese Namen liest, dann weiss man nicht nur, was für sensationelle Formationen schon in frühen Jahren in der Tangente auftraten, man merkt auch, mit welchen Kalibern man es im heutigen Vincent Herring Quartet zu tun hat. Der Pianist David Kikoski war tangente-mässig bislang zwar noch ein unbeschriebenes Blatt, doch wenn in seinem Curriculum Namen wie Chick Corea, Michael Brecker oder John Scofield auftauchen, weiss man auch bei ihm, woher der Wind weht. Nun, Geschichte ist ein grosses Thema in dieser Band, denn der Sound des Quartetts beruht zu hundert Prozent auf der grossen, klassischen, amerikanischen Jazztradition. Es ist ein lupenreiner, soulig-bluesig-swingender Modern Jazz, mit einem durchdringenden Motown Feeling angereichert, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt. (aoe)

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Liechtensteiner Vaterlands» vom Montag, 26. Februar 2018.

25. Feb 2018 / 16:51
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