• Nadine Frick lebt seit knapp zwei Jahren in Sydney. Im Mai hat sie mit ihrem Podcast über Liechtensteiner im Ausland begonnen.

Ein Stück Heimat in die Ferne bringen

Die Coronakrise habe ihr gezeigt, wie schnell ein Mensch isoliert ist. Um Abhilfe zu schaffen, hat Nadine Frick einen Podcast lanciert. 

Die Coronakrise hat sie ihren Job als kreative Texterin in Sydney, Australien, gekostet. Den Kopf in den Sand zu stecken, kam für die Balznerin Nadine Frick allerdings nicht in Frage. Sie liess ihren schnelllebigen Alltag hinter sich und nutzte die Zeit, um sich ein paar Gedanken über die aktuelle Lage zu machen. Dabei wurde der 29-Jährigen, die seit knapp zwei Jahren am anderen Ende der Welt lebt, eines schnell klar: «Diese Situation isoliert viele Menschen nicht nur physisch, sondern auch mental.» Ihr letzter Besuch in der Heimat liegt wegen der Reisesperre über ein Jahr zurück. «Ich hatte immer sehr engen Kontakt zu meiner Heimat und vermisse das Vertraute», gesteht Nadine Frick. Deshalb war es der Balznerin wichtig, ein Format für Zusammengehörigkeit und Austausch zu schaffen. Ihre Lösung: Ein Podcast über Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner im Ausland. Anfang Mai startete sie mit ihrem Projekt. Alleine auf Spotify hat der Podcast bereits über 1000 Menschen erreicht. «Dafür, dass ich eben erst angefangen und bisher nichts investiert habe, bin ich mehr als zufrieden», sagt die 29-Jährige. Die meisten Zuhörer kommen laut Nadine Frick aus Liechtenstein – und damit ist sie genau bei ihrer Zielgruppe gelandet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Liechtensteiner Hörer im Ausland oder daheim leben: Der Podcast soll dazu dienen, verschiedene Ansichten, Meinungen und Erlebnisse festzuhal-ten – und diese quasi zu einer Art Heimat in der Ferne werden lassen. «Oder für die Daheimgebliebenen etwas Ferne in die Heimat bringen», ergänzt die Balznerin. 

Humorvolle und unverblümte Gespräche
Bisher hat Nadine Frick fünf Folgen ihres Podcasts veröffentlicht, in denen sie mit Liechtensteinerinnen und Liechtensteinern, die im Ausland leben, über die aktuelle Situation, das Heimatgefühl, Rösti und Birchermüesli oder das Reisefieber spricht. Zu ihren Gästen gehören unter anderem Lamar Schädler, der in den USA lebt, Gabriella Alvarez-Hummel, die sich nach mehrjähriger Südamerika-Reise derzeit in Argentinien befindet oder Aurel Huber, der symphatische Barbesitzer in Bangkok. Die Podcast-Folgen sind kurzweilig, humorvoll und unverblümt. Auch stellt Nadine Frick ihren Gästen jeweils die Aufgabe, während des Gesprächs ein Motiv zu zeichnen, das die Liechtensteiner im Ausland an ihre Heimat erinnert – der Stift darf dabei nicht abgesetzt werden, die Ergebnisse sind kreativ und witzig. Bisher sind die Rückmeldungen zum Projekt der Balznerin sehr positiv ausgefallen: «Ich habe wahnsinnig viel Zuspruch und Solidarität erhalten. Das hat mich sehr überrascht», erklärt die 29-Jährige. 
Auf ihre Gesprächspartner ist Nadine Frick bislang über Freunde oder Bekannte aufmerksam geworden – einige der Auslandsliechtensteiner kennt sie auch persönlich. Ihr Ziel ist es, 20 Ausgaben vom Podcast «Liechtensteiner*innen im Ausland» zu publizieren. Ein paar weitere Zusagen habe sie bereits erhalten und sie freue sich schon sehr auf die nächsten Folgen. «Jede Unterhaltung macht sehr viel Spass, ist unglaublich interessant und bringt Überraschendes mit sich», beschreibt Nadine Frick die Arbeit an ihrem Projekt. «Mir persönlich gibt der Podcast hauptsächlich neuen Mut und neue Inspiration. Und weckt selbstverständlich auch das Fernweh.» Obwohl die 29-Jährige noch nie zuvor einen Podcast gemacht hat, besteht die grösste Herausforderung für sie lediglich in der Tonqualität – die Folgen werden per Videokonferenz aufgenommen, weshalb der Ton je nach Hintergrundgeräuschen oder Qualität des Mikrofons variieren kann. Ansonsten fällt es Nadine Frick keineswegs schwer, ein spannendes Gespräch aufzubauen. Das liegt wohl daran, dass sie selbst Auslandsliechtensteinerin ist und sich deshalb bestens in die Situation ihrer Gesprächspartner hineinversetzten, ihre Freuden und Ängste teilen und mit ihnen offen und ehrlich über das Leben im Ausland sprechen kann. Pro Folge investiert die Balznerin etwa fünf bis sechs Stunden – diese Zeit nimmt sie sich gerne dafür. Denn die Balznerin steckt sehr viel Herzblut in ihr Projekt. 

Plattform schaffen, um sich gegenseitig auszutauschen
Hauptsächlich geht es Nadine Frick bei ihrem Podcast darum Spass zu haben, interessante Gespräche zu führen und das eine oder andere zu lernen. Gleichzeitig ist es ihr Ziel, dass  aus dem Podcast ein internationales Netzwerk von Liechtensteinerinnen und Liechtensteinern entstehen soll, auf das jeder zugreifen kann. «Ich wünsche mir, dass Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner im Ausland eine Plattform haben, auf der sie sich austauschen können und sich verstanden sowie unterstützt fühlen.» Denn die bisherigen Gespräche mit Auslandsliechtensteinern hätten ihr gezeigt, dass oft dieselben Themen zur Sprache 
kämen: Beispielsweise wie toll Liechtensteins Natur ist, die privilegierte sowie finanziell gute Lage des Landes und nicht zu vergessen die Sicherheit, die es seinen Einwohnern bietet. «Aber selbstverständlich wird auch Kritik geübt. Zum Beispiel an unserer strikten Arbeitsweise, der fehlenden Spontaneität oder der zu geringen Flexibilität.» Deshalb möchte die in Sydney lebende Balznerin anderen Auslandsliechtensteinern die Gelegenheit geben, ihre Geschichte zu erzählen, damit handkehrum auch die Menschen im «Ländle» etwas aus diesen mitnehmen können. 

Mit Sydney ging ein Traum in Erfüllung
Nadine Frick hat es selbst schon früh in die Welt hinaus gezogen. Die heute 29-Jährige verbrachte die vergangenen 
15 Jahre mehr oder weniger im Ausland. Ihre Matura hat sie 
an der Tourismusschule in Bludenz absolviert und während dieser Zeit dort im Internat gelebt. Ihre Sommerpraktika hat Nadine Frick derweilen in München, Mallorca und Brüssel bestritten und nachdem sie nach dem Abitur ein Jahr in einem Wiener Hotel gearbeitet hat, begann die Balznerin ihr vierjähriges Studium in Amsterdam. Währenddessen absolvierte sie ein Auslandssemester in Kopenhagen sowie ein Pflichtpraktikum in Berlin. In der deutschen Hauptstadt hat Nadine Frick dann auch für ein New Yorker Start-up gearbeitet, bevor sie das Jobangebot aus Sydney erhielt.
«Es war schon immer mein Traum, eine gewisse Zeit in Australien zu verbringen. Sowohl mein Vater als auch meine Schwester waren beide länger dort.» In die Hauptstadt von New South Wales habe sich Nadine Frick direkt verliebt. «Die Lebensqualität, die Nähe zur Natur und die pulsierende Stadt haben es mir angetan», schwärmt sie. Doch die Arbeitslage in Australien ist schwierig, da es für das Visum, das die Balznerin besitzt, strenge Regeln und kaum Absicherungen gibt. «Leider ist mein Job dem Coronavirus zum Opfer gefallen.» Sie habe erst im Dezember eine neue Stelle angetreten und sei deshalb die erste Angestellte gewesen, die gehen musste, nachdem das Unternehmen den grössten Auftraggeber verloren hatte. «Deshalb werde ich in den kommenden Monaten meine Möglichkeiten erwägen und mich nach Alternativen umsehen», erklärt Nadine Frick. (jka)

Zum Nachhören
Der Podcast «Liechtensteiner*-innen im Ausland» kann auf Spotify, iTunes oder Google angehört werden. Auch ist Nadine Frick mit ihrem Projekt auf Instagram unter «lie.imausland» anzutreffen.

08. Jul 2020 / 21:47
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