• Vernissage in Vaduz
    Die Referenten des Abends wie auch die an der Ausstellung Beteiligten: Sarah Hundert, Hasan Jama Nurdin, Nina Georgiev, Silvia Hoffmann (vorne, v. l.); Alaa Aldeen Al Adli, Bernhard Frommelt, Toni Büchel und Roland Korner (hinten, v. l.).  (Daniel Schwendener)

«Dieses Beispiel sollte Schule machen»

Der Kunstverein Schichtwechsel eröffnete am Dienstag die zweite Ausstellung zum Thema Menschenrechte im Heiligkreuz 19 in Vaduz. Dieses Mal hat er die Schreinerei Noldi Frommelt genauer unter die Lupe genommen.
Schaan/Vaduz. 

Der Schichtwechsel-Vorstand um Laura Hilti, Patricia Bachmann und Cornelia Wolf machte sich für seine zweite Ausstellung auf die Suche nach sozialen, integrativen Betrieben in Liechtenstein. Dabei stellte sich unter anderem die Frage: Wenn schon viele Liechtensteiner keine Arbeit finden, wie ist es dann für Menschen ohne Deutschkenntnisse, Arbeit zu finden? «Schnell wurde uns bei der Recherche die Schreinerei Noldi Frommelt AG genannt», so Präsidentin Laura Hilti.

Menschlichkeit im Arbeitsalltag
So arbeiten 40 Personen aus 17 Nationen beim Schaaner Traditionsbetrieb. «Durch die Interviews wurde uns noch viel stärker bewusst, welch grossen Wert solche sozialen Firmen wie die Schreinerei Frommelt haben», so Cornelia Wolf. Auch, dass sich die Menschen immer weniger mit Qualitätsprodukten eindecken, kam zur Sprache: «Es machte uns sehr nachdenklich, dass in einem reichen Land immer weniger Leute bereit sind, für handgemachte Produkte etwas mehr zu zahlen», so Patricia Bachmann. Alle drei zeigten sich beeindruckt von der Menschlichkeit in der Firma, die auch in den von Toni Büchel für die Ausstellung geführten Interviews zum Ausdruck kam.

In einer Gesellschaft, in der der Druck zu arbeiten, sehr präsent ist, interessierte Toni Büchel besonders, was es für Flüchtlinge bedeutet, eine fixe Arbeitsstelle zu haben und inwiefern diese die Integration erleichtert. Die Antworten in den zehn Interviews, die Toni Büchel mit den Mitarbeitern der Schreinerei Frommelt führte, bestätigten ihm, dass der Firmengründer seine Ankündigung ernst nimmt, seinen Arbeitern tolle Arbeitsplätze bieten zu wollen. Den selben Eindruck hatte Illustratorin Nina Georgiev, die bei den Interviews mit dabei war und die Interviewten porträtierte. Sie habe viele spannende und berührende Geschichten gehört und zeigte sich fasziniert von der Tatsache, wie viele unterschiedliche Nationen in diesem Betrieb zusammenarbeiten.

«Solange wir es uns leisten können»
Wie man es vom Kunstverein Schichtwechsel gewohnt ist, kommen bei ihren Ausstellungen jeweils alle Sichtweisen vor. Und so hielt auch Geschäftsführer Bernhard Frommelt einen Kurzvortrag. In sozialem Umfeld aufge- wachsen, sei ihm sehr schnell beigebracht worden, andere Menschen am eigenen Wohl teilhaben zu lassen. Ihm sei aber manchmal nicht wohl, wenn er sehe, wie schnell er unter Druck von seinen Grundwerten abweiche. «Solange wir es uns noch leisten können, nach den Grundsätzen der Menschenrechtsartikel zu leben, machen wir das», war sein Fazit.

Als ein Beispiel der integrierten Arbeiter kam Hasan Jama Nurdin aus Somalia zu Wort, der seit sechs Jahren bei der Schreinerei Frommelt beschäftigt ist. In Dialekt gefärbtem Deutsch begrüsste er die zahlreichen Gäste mit einem «Hoi miteinander» und zeigte sich sehr dankbar über die Chance, die ihm Bernhard Frommelt gab: «Ich habe viel Glück mit Bernhard; denn er hat viel Geduld mit uns».

«Diese Chance ist nicht selbstverständlich»
Dass die Firma nicht nur Migranten integriert, sondern auch körperlich behinderten Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz bietet, darüber sprach Sarah Hundert, die seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist. Zwar konnte sie ihre Lehre als Chemielaborantin noch abschliessen, aber nicht mehr auf dem Beruf bleiben. So gab ihr Frommelt 2012 die Chance, bei ihm eine Zweitlehre als kaufmännische Angestellte zu machen. Da unter anderem auch das Büro eine Umstrukturierung brauchte, sieht sie diese

Chance als nicht selbstverständlich an: «Ich bin sehr froh über so einen Betrieb, der jedem die Chance gibt für einen Job», sagte Hundert. Von solchen Betriebe sollte es viel mehr geben, meinte sie. Auch schätze sie es, mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammenzuarbeiten: «Am Anfang war das schon etwas komisch, wenn man drei Mal fragen musste, wie die Person überhaupt heisst.» Die Bemühungen der Schreinerei Frommelt AG würdigte auch Silvia Hoffmann vom Verein für Menschenrechte: So liege die Besonderheit des Betriebs darin, dass Integration im Alltag gelebt wird: «Dieses Beispiel sollte Schule machen.» Auch das Rahmenprogramm der Vernissage war betriebsintern abgedeckt: Hasan Nurdin und Alaa Aldeen Al Adli, auch bekannt als Aladin, kochten für den Apéro und Jean-Jacques Mengou Tata spielte Musik. Die Ausstellungen mit Auszügen aus den Interviews, Fotografien von Roland Korner und den Illustrationen von Nina Georgiev sind noch bis 8. September im Heiligkreuz 19 in Vaduz zu sehen. (mk)

23. Aug 2018 / 18:11
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