• Vaterland Stammtisch Schaan
    Die «Klosterbrüder» bei ihrem letztjährigen Auftritt beim «Vaterland-Stammtisch» im «Rössle» in Schaan.  (Tatjana Schnalzger)

Die «Klosterbrüder» singen wieder

Seit drei Jahren sind die «Klosterbrüder» während der Fasnachtszeit in Schaan und der Region singend und musizierend unterwegs.

Begonnen hat die Geschichte der «Klosterbrüder» im Jahr 2017. Das Alterskomitee der Gemeinde Schaan musste für die Seniorenfasnacht ein Programm auf die Beine stellen. Rita Rüdisser vom Senioren­treff «Treff am Lindarank» fragte bei ihrem Chef Albert Eberle an, ob er eine Büttenrede halten könne. «Dann habe ich gefragt, ob etwas Gesungenes auch ginge», so Eberle. Natürlich ging auch das und Albert Eberle begann, Lieder über das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen im Land zu schreiben. Innerhalb von zwei Monaten verfasste er sieben Lieder: über das Scheitern der Hängebrücke, das kranke Landesspital, die nicht vorhandene S-Bahn, das verloren gegangene Skimuseum, den zum Tode verurteilten Biber und die Frauenquote. Sogleich fragte Albert Eberle seinen Kollegen Stefan Ahrens vom Männergesangsverein Schaan – den «Schlagerprinzen» – an, ob dieser ihn als Tenor begleiten würde. «Wir nutzen seither unsere Gesangsstunden bei Michael Burtscher, um unsere Lieder einzustudieren», so Eberle. Der Musiklehrer wie auch andere Musiker begleiten sie am Klavier. So traten die neu gegründeten Klosterbrüder in der ersten Fasnacht nicht nur am Seniorenanlass der Gemeinde auf, sondern auch im Altersheim St. Laurentius und im Kloster St. Elisabeth. «Unsere Lieder sind gleich sehr gut angekommen», erzählt Albert Eberle stolz. «Am besten das vom Biber.»

Stefan Frommelt als drittes Bandmitglied
Da die bisherigen Musiker für die Auftritte bezahlt werden mussten, machte sich Albert Eberle nach der ersten Saison auf die Suche nach einem fixen dritten Band­mitglied. Und da er Entwicklungshelfer bei Bruder Stefan Frommelt (†) in Afrika war, habe er dessen gleichnamigen Neffen immer wieder an Anlässen getroffen. «Ich traute mich nicht, Stefan Frommelt (Musiklehrer) zu fragen, ob er bei uns mitmachen möchte und habe mich deshalb bei ihm nach einem Schüler von ihm er­kun­digt. Total überraschend hat er angeboten, selbst mitzumachen», so Eberle. Seit vergangenem Jahr nehmen die «Klosterbrüder» zusätzlich zum Gesangsunterricht auch Grup­pen­stunden bei Klavierlehrer Stefan Frommelt, wo sie das Gelernte verfeinern. Dabei haben sie auch schon erste Lieder aufgenommen. Als Erkennungsmelodie hat sich das Lied «Die ‹Klosterbrüder› singen wieder und halten den Spiegel euch vor» etabliert, das vor jedem Auftritt gesungen wird. In die kom­menden Lieder führen die «Klosterbrüder» mit kleinen Geschichten und Erklärungen – unterstützt von Karikaturen von Katja Nigsch – ein. 

Wie eine gesungene Fasnachtszeitung
Im ersten Jahr sei vor allem die Kürze der Auftritte kritisiert worden. Dies liess sich Albert Eberle nicht zweimal sagen und schrieb den Sommer über zahlreiche weitere Lieder: über das Schicksal der Medicnova, den Parteiaustritt Johannes Kaisers, den Rausschmiss von Aurelia Frick, die Störungen der Telecom, die Absage der Tour de Ski oder die Aufsplitterung der Unabhängigen. Das Medley «Corperate Gouvernance» nahm die Probleme beim Radio L, die Kündigungen beim LED, den Abgang von Uni-Rektor Jürgen Brücker wie auch die China- und Russland-Vorliebe des Landesmuseum-Direktors Rainer Vollkommer in die Mangel. Eine Triesner Melodie von Pepi Frommelt findet sich in einer Hip-Hop-Version mit dem Titel «Brüader luagend uf d’ Schwösterli» ebenso im Programm. Auch ein Casino-Lied darf nicht fehlen, oder eines über die drei Schaaner Vorsteher. «Wenn ein Lied nicht mehr aktuell ist, lassen wir es weg oder schreiben es um.» Die Lieder sind voll von bissigen Anspielungen wie «Kennt ihr den Aurelio? Frick als Mann müsst nicht erdulden, Misstrauensantrag und Rausschmiss auch»; «Beim Harry ist klar, ohne Streit wäre es wahr, da nähme sein Aufstieg kein End’.» oder «Sie rufen schnell aus im Faulziegelhaus, in GPKs viel Lärm gemacht.» Bisher hätten sie noch keine negativen Rückmeldungen zu ihren Texten erhalten. «Bei uns kriegt jeder sein Fett weg», schmunzelt Eberle und ergänzt: «Unser Auftritt ist wie eine gesungene Fasnachtszeitung.» 

Feilen an den gesanglichen Fähigkeiten
Zuerst seien die Lieder etwas zu vollgeladen gewesen mit Botschaften, sodass die Leute überfordert waren. «Aus diesem Grund habe ich begonnen, einfachere Lieder zu schreiben, die weniger Hintergrundwissen erfordern, sowie auch die Lieder massiv gekürzt», erklärt Eberle.
Vergangenes Jahr haben die «Klosterbrüder» erstmals eine Förderung von der Kulturstiftung Liechtenstein erhalten. «Da wir daran arbeiten wollten, dass man unsere Texte besser versteht, haben wir Stimmtrainerin Bea Salzmann für einige Tage engagiert», so Eberle. «Das erste, was Bea machte, war, unsere Noten zu verwerfen», erzählt Albert Eberle. Auch Sprach- und Stimmtraining stand auf dem Programm. «Wir haben also das ganze erhaltene Geld in das Feilen an unseren Fähigkeiten gesteckt.» Mit Bea Salzmann haben die «Klosterbrüder» nicht nur eine gute Lehrerin gefunden, sondern auch ein zeitweiliges Gruppenmitglied. «Wenn jemand von uns verhindert ist, singt sie aushilfsweise mit», freut sich Eberle. 

Weg von der Fasnacht in Richtung Kabarett
Dieses Jahr treten die «Klosterbrüder» wieder bei der Seniorenfasnacht in Schaan (16. Februar), im Altersheim St. Laurentius (25. Februar) und im Kloster St. Elisabeth auf. Bereits zum zweiten Mal sind sie dieses Jahr für die Präsentation des «Maurer Räbahobels» engagiert. «Bis jetzt waren wir eine Fasnachtsband; jedoch wollen wir weg von der Fasnacht mehr in Richtung Kabarett», erklärt Eberle. «Wir möchten mehr in die Richtung «lustige Singspiele» aus den 1930er-Jahren gehen. Bänklesänger braucht es nämlich nicht nur an der Fasnacht.» Wie bereits letztes Jahr wollen die «Klosterbrüder» wieder im Vaduzer Schlösslekeller auftreten. Wann genau, ist noch nicht klar. (mk)

13. Feb 2020 / 10:05
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