• Katrin Eggenberger
    Kulturministerin Katrin Eggenberger: «Ich hoffe und setze alles daran, dass die Kulturschaffenden so rasch als möglich unterstützt werden.»  (zvg)

«Die Dringlichkeit ist mir bewusst»

Wie Kulturschaffende aus Liechtenstein finanziell unterstützt werden, ist noch unklar. Es werden Taten folgen, verspricht die Kulturminsterin.

Vonseiten der Regierung ist bereits kommuniziert worden, dass Kulturhäuser wie auch Kulturschaffende auf eine finanzielle Unterstützung zählen dürfen. Wie diese genau aussehen wird, ist noch unklar. «Die Regierung arbeitet derzeit mit Hochdruck an der konkreten Ausgestaltung der verschiedenen Massnahmen», sagt Kulturministerin Katrin Eggenberger auf Anfrage. «Wichtig ist mir, zu erwähnen, dass die vorgesehene Unterstützung für Kleinst- und Einzelunternehmen wie auch für selbstständige Kulturschaffende gilt, die sowohl vom Versammlungsverbot als auch von der Schliessung der Kulturhäuser betroffen sind und keine Auftrittsmöglichkeiten mehr haben.» Zudem könnten die Kulturbetriebe prüfen, ob sie aufgrund der Schliessung der Kulturhäuser für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung geltend machen können. 

15 Anfragen über Hotline eingegangen
Wie Katrin Eggenberger sagt, sind bis zum 3. April rund 15 Anfragen von Kulturschaffenden über die Hotline eingegangen. «Wir machen uns im Moment weiter ein Bild von der Gesamtsituation in diesem Bereich», so die Kulturministerin. So stehe das Ministerium auch direkt mit Verbänden und Vereinigungen von Kunstschaffenden in engem Kontakt. «Wichtig ist, dass sich die Kulturakteure, die Hilfe brauchen, bei uns melden, dass sie sich auch informieren – genauso wie es Unternehmen und andere Vereine auch machen.» Die Probleme und Sorgen seien vielfältig. «Wenn wir diese kennen, können wir gezielt helfen und unterstützen. Das ist mein Anspruch.» Es sei ihr wichtig, die Betroffenen und ihre Anliegen bestmöglich zu verstehen – «und dabei ist ein persönlicher Kontakt, wenn auch bei der aktuellen Lage über Umwege, äussert wertvoll». 

Noch nicht alle Details geklärt
Die Verunsicherung unter Kulturschaffenden sei deutlich zu erkennen. «Dennoch spüre ich gerade in der Kultur auch sehr viel positive Energie.» Und Kreativität: «Musiker finden Wege, im virtuellen Raum gemeinsam Musik zu machen. Wir wissen von Musikern, die jeden Tag das Fenster öffnen und einige Lieder auf ihren Instrumenten spielen, was die Nachbarn sehr erfreut.» Zudem gebe es spontane Lesungen im Internet. Ausgewählte Konzerte von Liechtensteiner Musikern,  zum Beispiel der Musikakademie und des Sinfonieorchester sLiechtenstein (SOL), werden vermehrt im Liechtensteiner Fernsehen übertragen und das Skino bringt die eigene Filmauswahl über ein neues Programm ganz einfach nach Hause ins Wohnzimmer. Dies seinen nur einige positive Beispiele, die zeigten, dass Kultur allgegenwärtig sei, die Menschen auch in dieser Ausnahmesituation erreiche und Abwechslung biete. «Und eines ist klar: Künstler sind auch Lebens- und Überlebenskünstler. Sie lassen sich nicht so leicht unterkriegen. Das freut mich sehr.»
Katrin Eggenberger hofft, dass die Kulturschaffenden so rasch als möglich unterstützt werden können. «Es ist ein begonnener Prozess und die Anträge werden jetzt gestellt.» Die Kulturministerin betont, dass das Ministerium alle Anliegen und Fragen aufnehmen will, um konkrete Hilfe zu bieten. «Es sind aber bei Weitem noch nicht alle Details klar. So ehrlich möchte ich sein.» Sie bitte daher um Verständnis, dass zunächst die Modalitäten, wie die Unterstützung im einzelnen Fall aussehen kann, ausgearbeitet werden müssen und dann so bald als möglich Taten folgen. «Mir ist die Dringlichkeit bewusst.»

Unterstützung auch  von der Kulturstiftung
Neben der staatlichen Unterstützung aufgrund der finanziellen Einbussen durch den Coronavirus verweist Katrin Eggenberger auf die klassische Kulturförderung, also die herkömmliche Unterstützung, die über die Kulturstiftung Liechtenstein läuft. «Die Kulturstiftung bemüht sich um einen angemessenen Umgang bei Ausfällen und Verschiebungen», sagt Elisabeth Stöckler, Geschäftsleiterin der Kulturstiftung, auf Anfrage. Kreative Lösungsvorschläge würden gerne unterstützt, konkrete Massnahmen würden in den nächsten Wochen benennbarer. «Wir haben dazu demnächst eine ausserordentliche Stiftungsratssitzung via Telefon und Video», so Stöckler. Im fortlaufenden Austausch mit dem Ministerium für Äusseres, Justiz und Kultur und dem Amt 
für Kultur bringe die Kulturstiftung die konkreten Nöte und Situationen ein, damit die politischen Rahmenbedingungen dann möglichst gut formuliert werden könnten.

Schweizer Bund stellt 280 Millionen für Kultur bereit
In der Schweiz ist die Coronahilfe für Kulturschaffende bereits angelaufen: Insgesamt 280 Millionen Franken für die Kultur hat der Bundesrat schon Ende März angekündigt. Jetzt ist klar, wie diese erste Tranche aufgeteilt werden soll: 100 Millionen Franken für nicht gewinnorientierte Unternehmen und 25 Millionen Franken für Kulturschaffende sind als Soforthilfe vorgesehen; weitere 145 Millionen Franken stehen als Ausfallentschädigung zur Verfügung. Für Kulturvereine im Laienbereich stehen 10 Millionen Franken bereit.

196 Franken pro Tag für Kulturschaffende
Auch Kulturschaffende können Soforthilfen von höchstens 196 Franken pro Tag beantragen. Voraussetzung ist, dass das Einkommen 40 000 Franken (Einzelperson) oder 60 000 Franken (Ehepaar) nicht übersteigt. Für jedes weitere zu unterstützende Familienmitglied kann zusätzlich je 10 000 zur Einkommensgrenze dazugerechnet werden. Höhere Einkommenswerte schliessen eine Nothilfe aus. Für die einzelnen Akteure heisst das: Nicht gewinnorientierte Kulturunternehmen können zinslose Darlehen beantragen. (bfs)

Hinweis
Kulturbetriebe und selbstständige Kulturschaffende können sich in Liechtenstein in erster Linie über die Webseite corona.avw.li beim Amt für Volkswirtschaft melden und die entsprechenden Antragsformulare erhalten. 

06. Apr 2020 / 23:27
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