• 26. Liechtensteiner Literatursalon, Landesbibliothek in Vaduz
    Zum 26. Literatursalon in der Landesbibliothek lud Armin Öhri die einheimischen Literaten Willy Marxer, Henning von Vogelsang, Silke Knöbl und Markus Meier (v. l.) ein.  (Nicolaj Georgiev)

26. Literatursalon mit erfahrenen Künstlern

Am Freitag bot ein literarisches Quartett mit 262 Jahren an Lebenserfahrung in der Landesbibliothek sowohl amüsante Mundartgedichte als auch Texte, die zum Nachdenken anregen.
 
Zu Beginn des 26. Literatursalons musste Armin Öhri, Mitinitiant und Moderator der Veranstaltungsreihe, eine bittere Pille schlucken: So wenig Zuschauer wie am Freitag – es waren knapp über 20 Personen – hatte er bislang noch nie in der Landesbibliothek begrüsst. Gerade nach den vergangenen Erfolgen, in denen man einen Schnitt von 50 Besuchern aufwies, zeigte er sich enttäuscht. «Ich habe soeben erst erfahren, dass die gesamte Landesverwaltung heute ihr Weihnachtsessen hat», suchte Öhri nach einer Erklärung. Nichtsdestotrotz ist es ihm gelungen, vier Schreibende auf die Bühne zu bringen, die zusammen einen Erfahrungsschatz von stolzen 262 Jahren aufweisen. Und wie jeder von seinen eigenen Grosseltern weiss, wissen ältere Mitmenschen, wie man fesselnde Geschichten erzählt. 
 
Mundartverse treffen auf Satire und leichte Sprache
 
Während die nachfolgenden Leser allesamt professionelle Schreiber sind, bildete Willy Marxer sozusagen die Ausnahme innerhalb des literarischen Quartetts. Der Architekt im Ruhestand, aufgewachsen in Nendeln, hatte offensichtlich wenig Bühnenerfahrung. Bevor er mit einigen Werken aus seinem im Oktober erschienenen Gedichtband «Aber, aber ...!» den Abend eröffnete, wandte sich der «Versli-Schmed» an Armin Öhri. So fragt er, ob das Wasser auf dem Pult für ihn sei und sagte dann: «Du musst mich einfach stoppen, wenn die Zeit um ist. Ich habe keine Stoppuhr bei mir.» Seine Gedichte, bei denen er auf Alltagssituationen zurückblickte, hatten eine bissige, zeitkritische Note, wie er sie in seinen Leserbriefen pflegt. In einem Beispiel regte sich der Nendler darüber auf, dass eine Frau den «duftenden» Kot ihres Hundes nicht aufnimmt. «Wenn’s vellecht a Hübsche wär, denn wär mis Gwitter ned so schwer», reimte Marxer.
 
Auf ihn folgte Henning von Vogelsang, den man laut Armin Öhri eigentlich gar nicht vorzustellen brauchte. «Vaterland»-Lesern dürfte der Gampriner bekannt sein. In seinen Beiträgen für die Rubrik «Blick zurück» beschäftigt er sich vor allem mit historischen, christlichen oder kulturellen Themen. Deshalb fühlte er sich zu einer Warnung verpflichtet: «Achtung, der nachfolgende Text ist Satire.» Wie Öhri vorher ausführte, habe von Vogelsang extra für die Veranstaltung einige Fragmente zu einem Text zusammengesetzt. «Man kann unseren Volksvertretern nicht aufs Dach steigen, denn dieses bröckelt ohnehin schon», waren wohl die zwei einprägsamsten Zeilen des anspruchsvollen Beitrags, bei dem ihm von Goethes Besuch in einer Vaduzer Taverne eine stimmige Überleitung zur «Burn-out-Klinik» Gaflei gelang. 
 
Silke Knöbl stellte drei Geschichten und Illustrationen aus ihrem Kinderbuchprojekt vor, das in leichter Sprache verfasst ist. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Linus. Die Figur ist an einen Liechtensteiner Jungen angelehnt, der das Down-Syndrom hat und am Freitag im Publikum sass. «Linus trägt zwar denselben Namen und die Geschichten basieren auf wahren Begebenheiten. Doch sie sind nicht dieselbe Person», stellte die freiberufliche Texterin klar. Das Projekt, das aus einer Abschlussarbeit resultierte, soll eine Brücke zwischen Beeinträchtigten und dem Rest der Gesellschaft schlagen. Anschaulich schilderte die Triesenbergerin eine Szene am Strand, in der sich Linus auf einen fremden Mann legte. Da sich der Junge davor im Sand herumtollte, sah der Schlafende, dem der Gast auf seinem Rücken entging, danach wie ein «paniertes Schnitzel» aus. 
 
Für den Abschluss des Abends war Markus Meier verantwortlich. «Das Schreiben liegt seiner Familie im Blut», stellte Armin Öhri den Vaduzer vor. So handelt es sich beim selbstständigen Kommunikationsberater und Herausgeber des Liechtensteiner Alpenmagazins «Panorama» um den Enkel der Mundartdichterin Ida Ospelt-Amann und den Cousin von Kabarettist Mathias Ospelt. Die lautesten Lacher des Abends lieferten seine Verse über den Polterabend von Johann «Hans» Ospelt. Im Gegenzug für 15 Harasse Bier versprach dieser seinen Freunden am Altar «Nein» zu sagen, andernfalls müsste er ihnen dieselbe Menge spendieren. Am nächsten Morgen beichtete der Bräutigam dem Pfarrer seine Leichtsinnigkeit, der sofort eine Lösung für das Dilemma fand. So fragte er Johann «Hans» Ospelt nicht, ob er seine Angebetete Maria Beck zur Frau nehmen möchte. Stattdessen wollte der Geistliche wissen, ob er etwas gegen die Hochzeit hätte. 
 
Nächster Literatursalon ist am Valentinstag
 
Nach 75 Minuten lud Armin Öhri die Gäste dazu ein, noch am Büchertisch oder Apéro zu verweilen. Davor lieferte er in Hinblick auf den nächsten Literatursalon ein Geständnis ab. Dieser findet mit dem 14. Februar, am Valentinstag, erneut an einem unüberlegten Datum statt. Doch der Initiant nahm es mit Humor: «Natürlich kann man auch mit dem Schatz kommen und wer keinen hat, begegnet ihm dann vielleicht hier in der Landesbibliothek.» (gk)
02. Dez 2019 / 13:18
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