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Pflegepatienten nehmen 8 Medikamente pro Tag

Die Medikation von 535 Pflegebedürftigen wurde untersucht. Es wurde auch festgestellt, dass häufig Psychopharmaka verschrieben werden.
SPITEX,  WOHNZIMMER, DOSIERER, MEDIKAMENT, TABLETTEN,
Vergleichsweise hoch ist in Liechtenstein mit 33 Prozent die Anzahl an Patienten, die zehn oder mehr Arzneimittel zu sich nehmen. (Bild: Keystone)

Im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit wurde die Medikation von 535 Pflegebedürftigen untersucht. Ziel war es zu erheben, wie gefährlich die Wechselwirkungen mehrerer gleichzeitig verabreichter Medikamente sind. Die untersuchten Senioren waren durchschnittlich 80 Jahre alt und zu 66 Prozent weiblich. Zudem wurden sie zu ungefähr gleichen Teilen von Spitexdiensten (48 Prozent) respektive im Pflegeheim (52 Prozent) betreut.

Die Studie dokumentiert, dass die Pflegebedürftigen in Liechtenstein im Durchschnitt pro Tag acht unterschiedliche Medikamente zu sich nehmen. Diese Zahl stimmt mit jenen der Schweiz und weiteren eu­ropäischen Ländern überein. Vergleichsweise hoch ist hierzulande aber die Anzahl an Patienten, die zehn oder mehr Arzneimittel zu sich nehmen. Sie liegt bei 33 Prozent.

Bemerkenswert ist – so heisst es in der Studie – der deutliche Unterschied in der Anzahl verordneter Wirkstoffe zwischen Pflegeheim und Spitex-Patienten. Nahmen Spitex-Patienten durchschnittlich neun Arzneimittel ein, waren es bei Pflegeheimbewohnern 13. Über die Gründe hierfür könne nur spekuliert werden. Eine genauere Analyse der Situation ist auch im Hinblick auf die Gesundheitskosten von Interesse, heisst es weiter in der Studie.

Je mehr Medikamente, umso mehr Wechselwirkungen

Mit einer zunehmenden Zahl an Medikamenten steigt unter anderem auch das Risiko für Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten. Solche Interaktionen steigen überproportional mit der Anzahl angewendeter Medikamente an. Die Studie unterscheidet Wechselwirkungen mit unterschiedlichem Schweregrad. So waren, bezogen auf die täglich verabreichten Medikamente, fünf Prozent der Patienten mindestens einer potenziell schwerwiegenden Interaktion ausgesetzt. In der Studie heisst es, dass etwa jede fünfte schwere Wechselwirkung auf die gleichzeitige Einnahme eines Kalium-Supplements mit dem kaliumsparenden Diuretikum «Spironolacton» zurückzuführen ist. Daraus resultiert das Risiko einer schweren Hyperkaliämie – dies ist eine oft lebensgefährliche Elektrolytstörung, bei der die Kaliumkonzentration im Blut erhöht ist.

Psychopharmaka wird häufig verschrieben

Besonderes Augenmerk wurde auch auf die häufige Verschreibung von Psychopharmaka hierzulande gelegt. In der Fachliteratur werden sie mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten schwerwiegender Wechselwirkungen verbunden. Zwei Drittel der untersuchten Pflegebedürftigen wurden mit mindestens einem Psychopharmakon der Klassen Antidepressiva, Antipsychotika, Sedativa/Tranquilizer und/oder Mood Stabilizer behandelt. Bei Pflegeheim-Patienten lag die Psychopharmaka-Behandlung mit 88 Prozent höher als bei Spitex-Patienten mit 61 Prozent. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Psychopharmaka hierzulande häufig zum Einsatz kommen. Auch hier ist laut Studie eine genauere Überprüfung angezeigt. 

Die Studie zeigt, dass es in Liechtenstein Verbesserungspotenzial bei der Anwendung von Medikamenten gibt. Die Einführung von elektronischen Patientendossiers mit Interaktionsdatenbanken oder die Überprüfung der Medikation durch einen Apotheker können unterstützend wirken. Es ist aber auch eine gute Koordina­tion der behandelnden Fachleute erforderlich. (qus)

Hinweis

Die Studie ist unter «www.regierung.li/ministerien/ministerium-fuer-gesellschaft/downloads/» abrufbar.

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