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Triesner «Miss America» ist wieder zurück

Vor 14 Jahren wanderte Silke Kindle aus Triesen nach Amerika aus, um ihren grossen Traum zu verwirklichen. Nun ist sie wieder zurück.
«Ich bin, wie ich bin und weiss, was ich will»: Silke Kindle aus Triesen.

Früher waren es Mac Gyver, Pretty Woman und Dirty Dancing, wonach Silke Kindle ganz verrückt war. Immer, wenn sie die Filme schaute, tauchte sie in eine andere Welt ein. «Irgendwann bin ich dann total ausgetickt und sammelte einfach alles, was mit Amerika zu tun hatte.» Seit sie denken kann, war sie angefressen von Hollywood und fand Amerika ein faszinierendes Land. Von einem ihrer Kollegen bekam sie deshalb auch den Spitznamen «Miss America».

Ihr Traum war, nach Hollywood zu gehen, dort zu tanzen – am liebsten in einem Film oder einfach nur an einem Filmset zu sein. «Auch wenn ich dort nur den Kaffee servieren müsste, das wärs einfach», verriet sie Ende Oktober 2006 im «Liewo»-Porträt. Um ihre Träume zu verwirklichen, kündigte Silke Kindle Job und Wohnung und wanderte am 13. November 2006 nach Amerika aus. Geplant war nach dem Sprachaufenthalt in Los Angeles eine Tanzausbildung, wenn möglich mit Schauspiel, zu machen. Nun, 14 Jahre später, ist sie wieder zurück in Liechtenstein und erzählt, was sie alles erlebt hat. Sie verrät aber auch, welche Träume wahr geworden sind. 

Bei den «Golden Globes Awards», eine jährlich stattfindende Feier, wo Auszeichnungen für Kinofilme und Fernsehsendungen vergeben werden, lernte Silke Kindle 50Cent (2. v. l.) und seine Freunde kennen.

«Ich war auf Filmsets, servierte aber nicht Kaffee»
«Die vergangenen Jahre waren grossartig und ich habe so viel erlebt, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll zu erzählen», meint Silke Kindle. Bereits in den ersten Jahren packte sie Chancen beim Schopf und ging  manchmal anstatt in die Schule zu Castings. Dadurch ergatterte sie Nebenrollen in Filmen, die zwar in Amerika produziert werden, es aber nicht alle in die Kinos schaffen. «Ich verwirklichte damit also den Traum auf Filmsets zu sein. Servierte dort aber nicht Kaffee, sondern spielte Spaziergängerin, Ticketkäuferin oder Elvis-Fan.» Sie sei unter anderem Statistin in «The Yes Men» mit Jim Carry, «Four Christmases – mein Schatz, unsere Familie und ich» mit Reese Witherspoon und bei «Transformers» gewesen. 

Als es eines Tages hiess, Will Smith sei in Hollywood, um seine Handabdrücke zu hinterlassen, ging sie zum «Chinese Theatre». Dort angekommen, überlegte sie sich, wie sie am besten so nah als möglich zu den Stars kommen könnte. Sie ging zu der Security, unterhielt sich mit ihm, freundete sich an und ehe sie sich versah, stand sie auf einmal nicht nur Will Smith, sondern auch Tom Cruise gegenüber. «Ja, ich bin schlau und gerissen», meint sie lachend.  Da das Tanzen eine ihrer grossen Leidenschaft ist, versuchte sie ihr Glück auch einige Male bei Casting für Musikvideos. «Ich bin unter anderem im Hintergrund bei den Pussycat Dolls, Alicia Keys und Enrique Iglesias zu sehen.» Während die meisten nach Drehschluss ihr Geld nahmen und gingen, blieb sie jeweils noch am Set, da sie wusste, dass ihr das weitere Türen öffnen könnte – je nachdem, wen sie dort kennenlernte. Sie unterhielt sich mit Produzenten, aber auch den Stars – unter anderem mit Enrique Iglesias. Zum «krönenden Abschluss» hätte er sie dann noch auf die Wange geküsst. «Mein erster Gedanke währenddessen war, dass ich niemals mehr mein Gesicht waschen werde.» 

«Ich bin, wie ich bin und weiss, was ich will»
Ein weiteres Highlight der vergangenen Jahre sei gewesen, als sie sich Zutritt zu den Golden Globes verschaffte. Um den Traum, inmitten von Stars und Sternchen zu sein, zu verwirklichen, zog sie ein schönes Kleid an, stylte sich, fuhr los und fand sich dann auf einmal mit ihrem weissen Toyota neben Limousinen wider. Da sie dort glaubhaft behauptete, eine Eintrittskarte zu haben, erklärte man ihr, wo sie parkieren und anschliessend einen Shuttle benutzen könne. Da beim Einsteigen alle ihre Karten zeigten, überlegte sie sich, wie sie es anstellen könnte: «Da ich aber bin, wie ich bin und weiss, was ich will, fing ich an, mich mit dem Busfahrer zu unterhalten, sodass er vergass nach der Eintrittskarte zu fragen und irgendwann nur meinte, ich solle nun Platz nehmen, damit er losfahren könne.» Beim roten Teppich beim Beverly Hilton Hotel angekommen, ging sie über den roten Teppich und selbstbewusst an der Security vorbei. Ehe sie sich versah, war sie mittendrin im Geschehen. «Als Jennifer Lopez an mir vorbeilief, dachte ich, ich befände mich in einem Traum.» 

Ein Tanktop von Vin Diesel im Schrank
Obwohl sie ohne Begleitung an den Golden Globes war, blieb sie nicht lange alleine. Sie wurde von einem Mann angesprochen, der, wie sich später herausstelle, nicht nur ein Schauspieler, sondern auch ein Freund von 50Cent war. «Den restlichen Abend verbrachte ich mit ihm und seiner Clique.» Einige Tage später rief er an, um sie zu einer Feier in Tyrese Gibsons Haus einzuladen. «Als ich dort mit einem blauen Kleid und passenden Handschuhen aufttauchte, begrüsste mich der Gastgeber mit ‹Hey Cinderella›  – dieser Spitzname ist mir bis heute geblieben.» An der Party des R&B-Sängers sei ihr dann die Spucke weggeblieben, als sie auf einmal Vin Diesel entdeckte. Während sie sich überlegte, wie sie ihn ansprechen könnte, war er auf einmal verschwunden und sein Bodyguard kam auf sie zu und meinte, der Schauspieler aus  «The Fast & and The Furious» würde sie gern kennenlernen. «Seit diesem Abend sind wir befreundet, haben uns einige Male getroffen, zusammen gechillt und gefeiert.» Ein Foto mit ihm zusammen gäbe es leider nicht, dafür hätte sie aber ein Tanktop zur Erinnerung: «Dieses durfte ich einmal aus seinem Schrank nehmen.» Heute hänge es in ihrem in Triesen.

Gejobbt als Nanny und Hotdog-Verkäuferin
«Ich bin eine, die alles daran setzt, ihre Träume zu verwirklichen», sagt Silke Kindle. Diese Einstellung kam ihr in Hollywood einige Male zugute. Bei jedem Event hätte sie geschaut, wer dort sei, um Kontakte zu knüpfen. «Das Netzwerk, dass ich aufbauen konnte, ist immens. Ich habe nicht nur Nummern von einigen Stars, sondern auch solche, die erfolgreich in US-amerikanischen Fernsehserien spielen oder diese produzieren.» Sie weiss, bei wen sie sich bei einer Rückkehr in die USA melden könnte, sollte sie etwas brauchen oder Hilfe benötigen. 
Wer nun aber denkt, Silke Kindle hätte die vergangenen Jahre nur an Castings teilgenommen und Partys gefeiert, der irrt. «Natürlich musste auch ich Geld für Miete und Essen verdienen. Die kleinen Neben- und Statistenrollen sowie die Musikvideos brachten zwar einige Dollars, aber ich war mir nie für anderes zu schade», erklärt sie. Sie sei Hotdog-Verkäuferin gewesen, half in Restaurants als Servicefachkraft, im Catering, in den Universal Studios, als private Assistentin und als Nanny. Letzteres führte sie sogar einmal ein Jahr nach New York. In Hollywood zurück, besuchte sie zudem eine Burlesque-Schule, weil sie im Kino den Film mit Christina Aguilera sah. Mit drei weiteren Frauen gründete sie einige Zeit später die Gruppe «Lolitas», mit dem Ziel, irgendwann nicht mehr für Auftritte zahlen zu müssen, sondern bezahlt zu werden. «Wir haben oft geübt, Choreografien einstudiert, Outfit kreiert und nach einigen Auftritten wurden es immer mehr. Wir erreichten unser Ziel, waren überall in LA unterwegs, hatten fixe Auftritte in Long Beach und im House of Blues.»  

Zuhause in zwei unterschiedlichen Welten
Bereits im Februar in diesem Jahr spielte sie mit dem Gedanken nach Liechtenstein zurückzukehren. «Ich vermisste meine Familie und Freunde so sehr, wollte ihnen einfach wieder nahe sein und Zeit mit ihnen verbringen.» Und dann kam Corona – und durch das Virus war auf einmal nichts mehr so wie zuvor. «Das Leben in Amerika steht sozusagen still», erklärt Silke Kindle. Produktionen seien eingestellt, Film- und Videodrehs verschoben, es gäbe keine Partys mit Stars und Sternchen und auch keine Veranstaltungen mehr, wo die Burlesque-Gruppe gebucht worden sei. «Alles wurde mir zu viel, ich bekam dadurch einen Push, sodass ich einfach sofort wieder nach Hause wollte.» Sie kehrte aber nicht alleine nach Liechtenstein zurück, sondern hatte im Gepäck ein kleines Hündchen namens «Kissi». Ende Juli kamen die beiden glücklich in Zürich an, verbrachten zehn Tage in Quarantäne und geniessen seither Familie und Freunde. 
Da sie aber weiss, dass Essen und Miete auch in Liechtenstein bezahlt werden müssen, ist Silke Kindle bereits auf Jobsuche. «Ich bin für viel offen und froh, wenn ich wieder eine Festanstellung habe», meint die Triesnerin. Wenn sie aber wählen könnte, wäre etwas, wo sie die englische Sprache benutzen und sie Kontakt zu und mit anderen Menschen hätte ideal. «Denn wie man nun vielleicht gelesen hat, bin ich sehr kontaktfreudig und überhaupt nicht schüchtern.» Ob sie irgendwann in die USA zurückkehren wird, weiss sie nicht. Nur, dass die vergangenen 14 Jahre «die besten» ihres bisherigen Lebens waren. «Ich war in Amerika glücklich, bin es aber auch hier. Es sind zwei unterschiedliche Welten, aber in beiden fühle ich mich zu Hause.» (bc)

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