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Krankenkassen: Trend zu höheren Franchisen

Die hiesigen Krankenkassen stellen einen Tendenz zu höheren Franchisen fest. Wer sie erhöht, kann sparen, geht aber auch ein gewisses Risiko ein.
Krankenversicherungskarte
Krankenversicherungskarten der drei Krankenkassen Swica, Concordia und FKB. (Bild: Daniel Schwendener)

Regt sich jemand über die Höhe seiner Krankenkassenprämien auf, folgen oft Argumente wie dieses: «Ich bin nie krank und bei einer Erkältung zahlt meine Krankenkasse sowieso nicht.» Diesem Zorn lässt sich entgehen. Seit 2017 können Versicherte in Liechtenstein nämlich ihre Prämien anhand einer freiwillig höheren Kostenbeteiligung reduzieren. 

Wer seinen Selbstbehalt hinaufsetzt, kann je nach Franchise und Krankenkasse jährlich zwischen 458 bis 1801 Franken einsparen (siehe Grafik). Ein Urlaub lässt sich mit dem Ersparten finanzieren, im Unfall- oder Erkrankungsfall sollte man die entsprechende Franchise allerdings auf der hohen Kante haben. Am meisten Abzüge gewährt Swica, welche als jüngste Krankenkasse im Land den geringsten Marktanteil hat. Den gesetzlich festgelegten maximalen Rabatt von 70 Prozent schöpft aktuell keine der Krankenkassen aus.

Versicherte wollen den höchsten Prämienrabatt
Gemäss einer Verordnung zum Krankenversicherungsge­setz kann die Franchise bis Ende Jahr erhöht werden. Eine Tiefersetzung ist hingegen nur bis Ende November möglich, womit die Frist für das kommende Jahr bereits abgelaufen ist. Zahlen darüber, wie viele Versicherte ihren Selbstbehalt nach einer Erhöhung bereits wieder heruntergesetzt haben, werden von den Krankenkassen in Liechtenstein nicht kommu­niziert. «

Bis anhin haben aber insgesamt mehr Kunden ihre Franchise erhöht als redu­ziert», hält Silvia Schnidrig, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Swica, fest. Insofern würden die Versicherten immer mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Wenn der Selbstbehalt hinaufgesetzt wird, gehen die Versicherten mehrheitlich das grösste Risiko ein, weiss Schnidrig. 

Auch die FKB stellt eine Tendenz zur 4000er-Franchise fest. So schöpfen über 60 Prozent ihrer Versicherten, die sich für eine höhere Wahlfranchise entscheiden, das Limit aus. Geschäftsführer Pino Puopolo hält fest: «Der Trend zeigt, dass sich die Versicherten vermehrt für höhere Wahlfranchisen mit dem maximal möglichen Rabatt entscheiden.» Er geht davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzt, weil sich die Versicherten zunehmend mit dem jungen System sowie ihren Prämien auseinandersetzen. 

«Die freiwilligen Franchi­sen haben seit der KGV-Revi­sion per 1. Januar 2017 stetig, aber jeweils nur leicht zugenommen», berichtet Anita Ber­ginz, Assistentin der Leitung und Fachspezialistin Concordia. Jeweils fünf Prozent der Versicherten hätten derzeit eine 4000er- respektive 1500-Franchise. Wegen der laufenden Frist bis Monatsende könne man keine Änderungen zu den Vorjahren kommentieren. Das Verhältnis werde sich noch «entsprechend» verändern, betont Berginz. 

Wahlfranchise kann noch bis Ende Jahr erhöht werden
Obwohl der Wind in eine klare Richtung geht, nimmt er nur zögerlich Fahrt auf. Insgesamt haben bei der Concordia, dem grössten Krankenversicherer im Land (rund 70 Prozent des Marktanteils), zwölf Prozent eine höhere Wahlfranchise. Im Umkehrschluss bleiben 88 Prozent beim tiefsten Selbstbehalt von 500 Franken. Dies deckt sich mit der Angabe des Amts für Gesundheit, dass etwa elf Prozent aller Einwohner eine höhere Franchise wählen. 

Bei vielen Liechtensteinern und Liechtensteinerinnen dürfte auch eine gewisse Bequemlichkeit dafür sorgen, dass sie an der minimalen Franchise festhalten. Gleichzeitig brauchen neue Modelle ihre Zeit. Für eine freiwillige Erhöhung der Franchise genügt eine schriftliche Mitteilung an die Krankenkasse vor Ablauf des Kalenderjahres. Kinder und Jugendliche sind von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Für alle andere gilt: Wer sich vor mehr Risiko scheut, darf sich auch nicht über zu hohe Prämien beschweren. (gk)

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