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Auch in Liechtenstein ist das soziale Engagement gross

Vor über einem Jahr hat Familie Aarts aus Herisau ein Recyclingprojekt initiiert. Sie sammelt Plastikdeckel für den guten Zweck.
Robin und Martinus Aarts (v. l.) sammeln Plastikdeckel, um die Ausbildung von Blindenführhunden zu unterstützen. Eine Aktion, die 2019 in der Schweiz und Liechtenstein erfolgreich angelaufen ist. 	Bild: zvg
Robin und Martinus Aarts (v. l.) sammeln Plastikdeckel, um die Ausbildung von Blindenführhunden zu unterstützen. Eine Aktion, die 2019 in der Schweiz und Liechtenstein erfolgreich angelaufen ist. Bild: zvg

Deckel von PET-Flaschen, Nutella-Gläsern oder Schlagrahmdosen landen vielfach achtlos im Abfall. Familie Arts hat vor über einem Jahr ein Recyclingprojekt initiiert, das sich heute grosser Beliebtheit erfreut. Martinus Aarts und sein Sohn Robin haben sich zum Ziel gesetzt, 6,6 Millionen Plastikdeckel zu sammeln, um dadurch die Ausbildung von Blindenführhunden zu unterstützen. 

«Diese ist extrem teuer», erklären Aarts. Ein Blindenführhund kostet inklusive Ausbildung mit allem Drum und Dran rund 65 000 Franken. Mindestens 5000 Franken braucht es, um die ersten zwölf Wochen einer Welpen-Blindenführhund-Ausbildung zu bezahlen. «Klingt nach viel, ist aber machbar», wissen die beiden. «Denn würde jeder Einwohner pro Woche einen Plastikdeckel beisteuern, hätte man in einem Jahr 52 Welpenausbildungen finanziert.» Für ein Kilogramm bekommen sie beim Recyclingunternehmen 30 Rappen.

Ziel im letzten Jahr dank Spendengeldern erreicht
Auf die Idee, Plastikdeckel zu sammeln und damit die Ausbildung von Blindenführhunden zu unterstützen, hat Martinus Aarts seine Schwester gebracht. Sie lebt in den Niederlanden, die Aktion wird dort seit 2015 durchgeführt, wodurch inzwischen die Ausbildung von acht Hunden finanziert werden konnte. Das letztjährige Ziel von Martinus und Robin Aarts war es, mindestens 5000 Franken zu sammeln, um sie der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allsch­wil zu Verfügung zu stellen und so die ersten zwölf Wochen einer Welpen-Blindenführhund-Ausbildung zu bezahlen. «Die zwei Tonnen Plastikdeckel, die zusammenkamen, reichten zwar nicht, aber mit Spendengeldern kamen wir auf weit über 5000 Franken, wodurch wir einen Welpen finanzieren konnten», erzählen sie stolz. Einen grossen Erfolg konnte Familie Aarts zudem mit der Unterstützung von «Petfriends», die 20 Filialen in der Schweiz führen, verbuchen. «Sie haben eigene Sammelstellen und transportieren die Deckel nach Eschikon, was sehr hilfreich ist.» Auch in Liechtenstein gebe es seit dem vergangenen Jahr verschiedene Abgabestellen. Diese Plastikdeckel werden anschliessend entweder nach Herisau oder nach Urnäsch transportiert. Inzwischen hätte es auch Anfragen aus Deutschland und Österreich gegeben. «Auch dort gibt es Menschen, die mitsammeln möchten. Natürlich wäre das grossartig, jedoch kann ich den Transport nicht gewährleisten», erklärt Martinus Aarts. 
Dieses Jahr sei die Sammelaktion hierzulande noch besser angelaufen, die Mitgliederzahlen steigen immer noch.» Bereits im Frühjahr hatten sie zwei Tonnen Plastikdeckel gesammelt – eine stehe zudem noch in Chur zur Abholung bereit. 

Korkendeckel, Batterien und sonstiger Müll 
«Die Aktion kommt bei allen gut an. Es wird fleissig und mit viel Freude gesammelt», sagt Martinus Aarts. Auch in Schulen und Kindergarten, wobei er dort auch gerne manchmal persönlich vorbeischaue, um die Sammelaktion vorzustellen.  Gesammelt werde «meistens» schön. Damit meinen die Initianten, dass die Menschen grösstenteils nur Plastikdeckel in die Tonnen werfen, die beim Recyclingcenter abgegeben werden. «Leider kommt es aber immer noch vor, dass mit den Deckeln auch Plastikmüll entsorgt wird», erklärt Martinus Aarts. «Das ist beim Aussortieren mit viel Aufwand verbunden, kostet Zeit und Geduld – und manchmal muss ich beim Recyclingunternehmen dafür auch meinen Kopf hinhalten.» 
Daran störte sich auch Udo Meesters, der als Erster in Liechtenstein im April 2019 einen gelben Eimer bei der Sammelstelle Guferwald in Triesenberg aufstellte. «Dieser wurde rege genutzt, die Triesenberger beteiligten sich gerne an der Sammelaktion, die an und für sich eine gute Sache ist», erklärt er auf Nachfrage. Obwohl dort jedoch genau deklariert war, welche Plastikdeckel gesammelt werden, musste Udo Meesters jeden Sack nach Abholung mühsam sortieren, da sich darin auch Korkendeckel, Batterien, Metalldeckel und sonstiger Müll befanden. 
Sowohl er als auch der zuständige Gemeindemitarbeiter seien täglich förmlich zu den Abgabezeiten danebengestanden, da es leider viele Menschen gab, welche selbst Plastikflaschen in Glas-, sogar Batterien in den Blechcontainer mitentsorgten. «Es gibt also nicht nur ein Entsorgungsproblem bei den Plastikdeckeln, sondern generell eines, das auf die Bequemlichkeit mancher Entsorger zurückzuführen ist», meint Udo Meesters. 
Schliesslich hätte er die Entscheidung getroffen, den Eimer bei der Sammelstelle in Triesenberg zu entfernen. Nun sammelt er privat und bringt die Plastikdeckel bei der A. Beck AG in Triesen vorbei. Ausserdem gibt es in Liechtenstein die Möglichkeit, die Plastikdeckel auch bei Getränke Gstöhl in Balzers oder bei «Sweet Heaven» in Triesen abzugeben. (bc)

 

Hinweis
Eine Liste aller Sammelstellen findet man auf der Facebookseite «Plastikdeckel-Sammelaktion für junge Blindenführhunde».

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