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Mit Kunst Geld gewaschen

Ein 57-Jähriger sollte für eine Bekannte ein Bild im Wert von über 400000 Franken verkaufen. Das Geld hat sie jedoch nie gesehen.
Gerichtsgebäude in Vaduz
Der Fall hat die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein auf den Plan gerufen. «Gegen mehrere Verdächtige wird wegen des Verdachts der Geldwäscherei ermittelt», sagt Staatsanwalt Frank Haun auf Anfrage. (Bild: Daniel Schwendener)

Ein Stillleben des berühmten Malers Ernst Ludwig Kirchner brachte einem 57-jährigen Deutschen bereits Verurteilungen in Deutschland und der Schweiz ein. Derzeit verbüsst er eine zweieinhalbjährige Haftstrafe in einer deutschen Justizvollzugsanstalt. Heute musste er sich wegen desselben Falls nun auch vor dem Fürstlichen Landgericht in Vaduz verantworten. Der Vorwurf: Geldwäscherei. Die Tat geht auf das Jahr 2014 zurück, als der heute 57-Jährige Vermögensbestandteile aus einem Verbrechen an sich brachte, verwahrte und veräusserlichte. In Summe ging es um 356 800 Franken, die er auf ein Konto in Vaduz transferieren liess.

Da in Liechtenstein die Eigengeldwäsche seit 2009 strafbar ist und die Straftat durch die Beweisergebnisse entsprechend belegt war, sprach das Richtergremium den Mann schuldig – auch wenn dieser die Aussage verweigerte. Von einer Zusatzstrafe sah der Richter allerdings ab. Auch wurden die Kosten des Verfahrens, die sich auf 2000 Franken beliefen, für uneinbringlich erklärt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Extra ein Konto in Liechtenstein zugelegt

Eine Bekannte des Beschuldigten war 2009 an eine grosse Erbschaft gekommen. Im Wissen dessen intensivierte der 57-Jährige den Kontakt zu ihr und brachte sie in einer mündlichen Vereinbarung dazu, ihm Darlehen zu geben. Er war knapp bei Kasse und witterte 2014 bereits die nächste Chance, an Geld zu kommen, als die Veräusserlichung eines Werks von Ernst Ludwig Kirchner mit dem Schätzwert von 350 000 Euro scheiterte. Der Beschuldigte bot seiner Bekannten an, das Stillleben an eine Luzerner Galerie zu verkaufen – im Gegenzug soll­ten ihm die Schulden in der Höhe von 50 000 Euro erlassen werden und er sollte zusätzlich eine Provision von weiteren 50 000 Euro erhalten. Die Veräusserlichung an die Galerie klappte, jedoch hatte der Mann nicht vor, seiner Bekannten den Erlös auszuhändigen. Stattdessen verkaufte er das Werk in seinem Namen und liess sich die 356 800 Franken auf ein auf ihn laufendes Konto in Vaduz überweisen. Zwischen Juli und September 2014 hob der Beschuldigte schliesslich über 355 000 Franken davon ab.

Anfangs 2018 wurde der Mann schliesslich in Deutschland verurteilt und muss nun eine zweieinhalbjährige Haftstrafe absitzen. 20 Monate davon hat er bereits hinter sich. Laut Staatsanwaltschaft war der 57-Jährige auch im Falle der Geldwäscherei schuldig zu spre­chen. Sein Verteidiger hingegen kritisierte den Tatbestand der Eigengeldwäsche und plädierte darauf, von einer Zusatzstrafe abzusehen. Falls es doch eine geben sollte, so gebe es einige Milderungsgründe wie etwa, dass der Beschuldigte erschienen sei und sich seit der Tat nichts mehr habe zuschulden kommen lassen, sagte er. Der 57-Jährige hatte schliesslich das letzte Wort: «Mir ist nicht ganz klar, weshalb ich heute hier bin, aber ich respektiere Ihre Gesetze.» (jka)

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